Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
349
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Ugehor⸗

trau

aurig aus dem

unglücklichen Abend wohl ge⸗

nder Allee ſeinem heit. Seinem

ſeern zun Fenſter

Känigin! rief at hatte, faßte zinger er ſehr Thronſaal und ehmen Herren und nachdem er Platz nehmen te Huldigungen. und von da i

Vierte

fangs Mutter einer Buckeligen und jetzt einer liebenswürdigen Königin. Sie begab ſich ſofort in den Palaſt, ſegnete das junge gekrönte Paar, wünſchte ihnen Glück und Segen und blieb für immer bei ihnen.

Der außerordentlich glückliche König lud ſein ganzes Volk zu ſeinem Hochzeitsſchmauß und gab einen ſo prachtvollen Ball, daß Jedermann ihn bewunderte.

Und ich war auch bei dieſem Balle zugegen. Ich weiß nicht recht, ob die Königin ſo ſchön war, wie Jedermann es ſagte, aber ich weiß, daß ihre Augen ſo ſanft waren, daß in ihren Blicken eben ſo viel liebenswürdige Güte für die kleinen Leute glänzte, welche ſie eben ſo freundlich empfing wie die vornehmen Herren, daß ich gar nicht daran gedacht habe, um ſie herum zu gehen, um zu entdecken, ob ihr Buckel in der Wirklichkeit ganz verſchwunden iſt. Ich habe auf dieſer Hoch⸗ zeit viel Vergnügen gehabt, gegeſſen und getrunken.

Der Meth floß in Strömen. Es gab deſſen ſelhſt für die Aermſten und es fehlte Niemandem daran, ſelbſt den Allerdurſtigſten nicht. C.

Wahre Srenen aus der Conliſſenwelt.

Der vor einem Jahre verſtorbene, als denkender, feinge⸗ ſchulter Künſtler ſehr bedeutende Schauſpieler Auguſt Haake hat biographiſche Memoiren hinterlaſſen, die zur Kenntniß des frühern deutſchen Theaters und ſeiner Glanzzeit wichtige Materialien liefern und auch dem Laien höchſt anregende Erlebniſſe ſchildern. Dieſer Künſtler hat noch die ganze Romantik der Wandertruppen mit durchlebt. Seine Reiſen quer durch ganz Deutſchland waren faſt immer Fußreiſen unter den furchtbarſten Anſtrengungen und Entbehrungen.

z er in dieſen jungen Jahren vergeblich bei Iffland nach

gem Engagement gefragt hatte, rieth ihm dieſer ſich nach

tesden zu wenden. Er folgte dieſem Rath und wir wollen

er einen Blick in ſeine Schilderung thun, welche wahrer daher intereſſanter iſt, als die ſo vieler modexner Roman⸗ ſchreiber:

Ich wanderte nach Dresden. Die dortige Bühne, die um des Zuſchuſſes willen, den der Unternehmer erhielt, eine Hofbühne genannt wurde, ſtand damals unter der Direction des Herrn Franz Seconda; ſie gab nur Schauſpiele, und auch nur im Winter. Im Sommer wechſelte Herr Franz mit ſeinem Bruder Joſeph, der im Winter eine deutſche Operngeſellſchaft in Leipzig dirigirte, die nur Opern gab. Das deutſche Schauſpiel zog da nach Leipzig, die deutſche Oper ſpielte während deſſen auf dem Linkeſchen Bade bei Dresden; auf dem Hoftheater zu ſingen hatte nur die könig⸗ liche italieniſche Oper das Vorrecht.

Ich wollte mich Herrn Franz Seconda vorſtellen, aber ſein Vorkammer⸗Schlüſſel⸗Bewahrer, Madame Seconda, verweigerte dem ärmlich gekleideten Ankömmling, in dem ſie nichts als einen Collectanten witterte, in ſehr beſtimmten Ausdrücken den Eintritt, und nur mit Mühe erlangte ich freien Eingang in's Theater.

Das damalige Dresdener Schauſpielhaus war klein, winkelig, ziemlich unanſehnlich, die Geſellſchaft aber, die darin ſpielte, zählte Künſtler, wie ſie Dresden in ſpäterer Zeit nicht beſſer geſehen hat: Chriſt, Böſenberg, Burmeiſter, Frau Hartwig, Frau Schirmer waren ausgezeichnete Talente. Die beiden Erſten insbeſondere machten auf mich einen nachhalti⸗ gen Eindruck; Böſenberg erreichte in der Rolle des Haushof⸗ meiſters in derSelbſtbeherrſchung, die ich wenig Tage zuvor in Weimar geſehen hatte, faſt Iffland; Chriſt ſpielte

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unvergleichlich in einem kleinen Stücke von Kotzebue:die Erben, und Madame Schirmer war als Pauline imgetheil⸗ ten Herzen höchſt liebenswürdig und wahr. Das Spiel der Madame Hartwig dagegen ſchien zu weinerlich. Herr Drewitz, Herr Schirmer u. A. waren freilich ſeltſame und veraltete Erſcheinungen in Liebhaberrollen und Natur⸗ burſchen.

Vergebens bemühte ich mich, Herrn Seconda zu ſprechen, ich ward ſtets abgewieſen. Es ſei hier nichts los, ſprach ſeine Gattin, weder für Engagement, noch für Collecte. So wanderte ich denn nach Weimar zu meinem ehrlichen Schnei⸗ der Nehrkorn zurück; leider kam mir auf dieſer Rückreiſe bei einer Gelegenheit, da mir ein Fuhrmann ein Plätzchen auf ſeinem Wagen vergönnte, mein Felleiſen abhanden, welches Briefe von Iffland und andern werthen Perſonen enthielt, welchen Verluſt ich ſchwerer als meine übrige Habe ver⸗ ſchmerzte.

Als ich zu Nehrkorn in's Zimmer trat, rief er:Ah, gut daß Sie kommen, ſehen Sie, was ich da ſoeben leſe. Er hielt mir das Weimariſche Intelligenzblatt entgegen und ich las, daß der Schauſpieldirector von der Oſten in Allſtädt, ſechs Meilen von Weimar, ausgezeichnete Künſtler ſuche. Zwei Tage darauf langte ich daſelbſt in einem Wirthshauſe an, wo mir ſogleich ein Komödienzettel in die Augen fiel, der mir den Standpunkt, auf dem dieſe Bühne, die vor der Hand meine letzte Ausflucht war, ſich befand, ziemlich deutlich machte. Es war ein geſchriebener Zettel vomWirrwarr, aufwelchem Frau von der Oſten als Selicour bezeichnet war. Ich ging nach dem Wirthshauſe, in welchem der Director wohnte, und richtete in der Hausflur meine Frage nach demſelben an einen hagern Mann, der mir in einem ſehr defecten, kurzen, grünen Rock entgegen trat.Wohnt hier Herr Schauſpieldirector von der Oſten? Mit einem mich befremdenden tiefen Bücklinge antwortete der Mann:Gehorſamer Diener! Ich bin es ſelbſt. Mir ſanken die Arme.Haben Sie die Güte, mit auf mein Zimmer zu kommen.

Eine Hühnerſteige hinangeführt, trat ich in ein ſchmales Zimmer. Das Geſchrei eines Kindes und ein ſtarker Rauch drangen mir entgegen. Eine Frau, welche zwei ſchielende Augen mit übermäßig langen Crochées zu bedecken ſtrebte, ſaß vor einem Ofen und kochte und quirlte. Die dürftige Ausſtattung des Zimmers, die Höflichkeit des Directions⸗ paares zeigten mir, daß ich mit meinem ärmlichen Anzuge als ein vornehmer Ankömmling galt. Das ſpärliche Licht, das durch kleine, gardinenloſe Fenſter fiel, beleuchtete einen Theil des Directionsbeſitzes: einige verſchoſſene Damen⸗ kleider hingen unter einem pappenen Helm; zu einem gewal⸗ tigen Schwert mit blechernem Kreuze geſellten ſich einige Toiletten⸗Gegenſtände, die ich zu beſchreiben vermeide. Auf Tiſchen und Schemeln lag ein Quodlibet von Noten, gebrauchte Wäſche, Violinſaiten und Semmel. Ich hatte die wahrſchein⸗ lich unnöthige Delieateſſe, dieſe Gegenſtände nicht zu bemer⸗ ken. Das Reſultat des Geſprächs, das ſich jetzt unter fort⸗ währendem Geſchrei des Kindes entſpann, war endlich, daß ich morgen Abend in derBrandſchatzung als Major

debütiren und dazudie Bürgſchaft declamiren ſolle.

Deerr Gaſtrollen⸗Vertrag war geſchloſſen, und ich empfahl mich, ungeachtet meines Appetits die Einladung zu dem Eierkuchen ausſchlagend, der ſo eben unter der Hand der ſchönen Directrice hervorging. Seufzend gewann ich die Gaſſe und dachte: wenn es ſo bei der Direction ausſieht, wie ſteht's bei den Schauſpielern? Ich gedachte Goethe's:man

muß doch auf's Handwerk grüßen, und ſuchte einen der