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Vierte
darinenorange und unter Hollunderſträuchern blühten duftige Veilchen. Eine kleine Treppe führte auf eine obere Garten⸗ terraſſe, von großen Baſſins bewäſſert. Unweit derſelben befindet ſich ein Bad, ſteinerne Stufen führen bis hinab und Jasminſträucher verhüllen den kühlen Ort. Die mauriſchen Prinzeſſinnen pflegten hier nach des Tages Hitze ſich abzukühlen, und man bezeichnet noch heutiges Tages die Bänke, welche zum Ruhen und zur Toilette dienten. Der obere Theil des Gartens iſt noch gut erhalten und mit vielen Fontainen, Waſſerbecken u. ſ. w. verſehen, welche ſämmtlich aus der Maurenzeit ſtammen, was wiederum den Beweis für die Tüchtigkeit ihrer Bauart liefert. Wie lieblich mag zur Zeit des Khalifats der Garten geweſen ſein, wo zwiſchen blühenden Roſenſträuchern und leichten Jasminlauben die Prinzeſſinnen mit ihren Geſpielinnen ſich die Zeit durch Scherz und Tanz angenehm zu vertreiben ſuchten! Da die Mauer an einer Stelle eingeſtürzt iſt, ſo kann das Auge weit über das öde Land ſchweifen. Am anſtoßenden Schleſſe angebaut, befindet ſich der Thurm der Inquiſition, welcher zahlreiche Opfer verlangte. Man zeigt jedem Fremden noch die Stelle, auf welcher ein Unglücklicher neunzehn Jahre hindurch ſitzend eingemauert war.
Nicht weit vom Garten befindet ſich die alte Brücke. In früherer Zeit erhob ſich neben der römiſchen, jetzt noch ſtehenden, eine mauriſche, deren ſchlanke Pfeiler und Bogen auch in ihren Trümmern noch Bewunderung erregen. Der Verkehr auf dem Fluſſe muß ein bedeutender geweſen ſein, denn an den Pfeilern ragen noch die Ueberreſte von Häuſern empor, die jedenfalls Fiſchern, Zollbeamten und Schiffern als Wohnungen gedient haben. Jetzt zieht er ſich träg dahin, lange Sandbänke dienen als Trockenplätze der Wäſche und leine Kinder plätſchern im Waſſer. Am gegenüberliegenden gfer erhebt ſich nach der Brücke ein kleines Caſtell, romantiſch
elegen, es iſt„La Calaharra“. Zwei Thürme bilden die
orderfagade und vom linken dehnt ſich im Halbbogen bis zum Fluſſe eine kleine Vertheidigungsmauer. Hervorragender an künſtleriſcher Bedeutung iſt das dieſſeitige Stadtportal.
Ein ſchwach geſchweifter Bogen wird von vier gerieften Säulen getragen; reiche Ornamente und Figuren zieren die Seiten und das Obertheil des Portals. Zwiſchen den Säulen gewahrt man Figuren, doch hat das Alter dem Sandſtein zahlreiche Verwüſtungen zugefügt, daß man nur dunkel ihre Bedeutung errathen kann. Ueber die Brücke zieht ein langer Zug Maulthiere. Die rothen Quaſten an Kopf und Sattel ſtehen den dunklen Thieren gar gut und die Glocken am Halſe begleiten mit monotonem Klange die langen Schritte. Der Thiere Zug ſſchließt ein Reitersmann, den braunen Mantel kühn über die Schulter geſchlagen; am Sattel hängt die lange Flinte zum Schutz der aufgeladenen Waaren. Ich folgte dem Zuge und gelangte durch mehrere enge Gäßchen an den Bahnhof. In Cordova beginnt die andaluſiſche Südbahn, die nach der Sierra Morena zu im Bau begriffen iſt und ihrer Vollendung baldigſt entgegenſieht.
Im Coupé nahmen mehrere niedliche Cordovaſerinnen Platz, um gleichfalls nach Sevilla zu fahren. Die Damen waren ziemlich leutſelig und, wie alle Spanierinnen, von jener unbeſchreibbar reizenden Natürlichkeit. Sie ſcherzten und lachten, als wenn ſie mit den eben Eingeſtiegenen ſchon alte Bekannte wären. Der Typus der Südländerin war ſcharf im Geſicht ausgeprägt, das Profil markirt, die Augen dunkel und doch ſo mild erglänzend; in andaluſiſche Augen darf man nie zu lange hineinſehen. Die feine gelblichblaſſe Haut verlieh dem Ausdrucke des Geſichtes etwas Intereſſan⸗
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tes, ja beinahe etwas Bizarres; es ließ ſich auch hier wieder die mauriſche Abſtammung deutlich erkennen. Aus dem Nebenwaggon drangen Guitarrenklänge und Geſang herüber, welcher die Damen aufheiterte und zu mannigfachen Scherzen Veranlaſſung gab.
Die Gegend war in ihrem verlaſſenen Zuſtande immer noch reizend zu nennen: große Orangenpflanzungen, Bäume von wahrhaft rieſigen Dimenſionen, umgrenzten allenthalben die Haciendas, und ſchlanke Palmengruppen leuchteten wie Oaſen auf dieſen erſtarrten Flächen. Einzelne Wieſen und Felder mit Oliven⸗ und Mandelbäumen zogen ſich die Bahn entlang und große Heerden Merinos und Stiere weideten gemächlich auf kleinen grünen Matten. Die Sonne begann ſich langſam zu ſenken, das erſte andaluſiſche Abendroth begrüßte die Reiſenden; bald verſank ich in eine angenehme ſüße Träumerei, wozu mich die Klänge der Guitarre und die Geſänge im Nebenwaggon einluden.
Es iſt etwas Eigenthümliches um dieſe andaluſiſche Muſik, die alle menſchlichen Leidenſchaften zu erwecken und zu beſiegen ſcheint, ſchwärmeriſch ſchwollen die Töne an, um dann in harten Accorden zu erſtarren. Beides erbte vom Maurenthum die Muſik des Andaluz: den milden, beinahe ergebenen Sinn, der ſich in zierlichen Melodieen verbirgt, und dann das Ungezähmte, das Rohe im Muſelmann, dies ſind die Diſſonanzen, die zu ſtarken Bäſſe und die wilden, ſchrillenden Töne. Trotz alledem vermag in eigenthümlicher Weiſe die andaluſiſche Muſik zu rühren.
Eine glänzende Lichtmaſſe verkündet die baldige Ankunft in Sevilla.
Der Lärm in den Waggons verſtummt, die Sennoras hüllen ſich in die Mantilla und ſchlagen erwartungsvoll den Fächer ſchneller als vorher. Wir ſtiegen aus.
Hellerleuchtete Straßen zeigten ſchöne, faſt ſtets, mit großen Erkern verſehene Häuſer und eifrige Spaziergänger wandelten plaudernd auf und ab. Im Hof der Fonda plät⸗ ſchern Springbrunnen und blühen duftige Roſen; ich brach mir ein quellendes Knöspchen, es war die erſte Spende von Sevilla. 9.
Der Baron de Saint⸗Joſeph.
Am 12. März c. ſtarb in Paris Francois Antoine, Baron de Saint⸗Joſeph, Diviſionsgeneral, Groß⸗Officier der Ehrenlegion, Ritter des heiligen Ludwigsordens, Groß⸗ kreuz des ſchwediſchen Schwertordens, Commandeur des ſpaniſchen Ordens Iſabellens der Katholiſchen, der am 18. Februar 1787 in Marſeille geboren worden war und demnach ein Alter von mehr als 79 Jahren erreicht hat. Er gehörte zu der ſehr kleinen Zahl derer, die von den Officieren noch am Leben ſind, welche unter Napoleon I. gedient haben, bietet aber auch durch ſeine Familienverbindungen ein ungewöhn⸗ liches Intereſſe dar und verdient es daher, daß wir unſern Leſern Näheres über ſein Leben mittheilen.
Sein Vater war einer der angeſehenſten Handelsherren in Marſeille, wurde aber von Ludwig XVI. wegen der großen Dienſte, die er dem franzöſiſchen Handel in Conſtan⸗ tinopel, Rußland und Polen geleiſtet hatte, im Jahr 1786 in den Adelſtand erhoben. Ihm ſind größtentheils die Fort⸗ ſchritte des franzöſiſchen Handels im ſchwarzen Meer zu ver⸗ danken. Der Kaiſer Napoleon ernannte ihn 1805 zum Maire von Marſeille und ſeine Verwaltung zeichnete ſich durch große und nützliche Arbeiten aus, die im Intereſſe der Stadt ausgeführt wurden.


