Säulen und Bogen von einem angenehmen Helldunkel be⸗ leuchtet werden. Die buntfarbigen Marmorſäulen ſind ſchlank und am Kranz mit Blätterverzierung bekleidet, ohne jede decorative Ausſchmückung dagegen die mauriſchen Bogen, ebenſo ſchmucklos iſt die Decke. Wahrhaft großartig iſt der
Blick nach der Querrichtung, wo ein Bogen ſich mit dem andern ſtets zu verſchlingen ſcheint, ſo daß ſie in ihrer Ver⸗ ſchlingung die reizendſten Muſter bilden. Durch das Ziehen von Umfaſſungsmauern, Errichten von Altären, Chor und den ſo beliebten vielen Kapellen, hat die Architectur der mauriſchen Schöpfung ſehr bedeutend leiden müſſen, und es ſind wohl gegen zweihundert Säulen theils ganz zugemauert und dadurch dem Auge entzogen, oder nur theilweiſe zu ſehen. Der in der Mitte errichtete Chor hemmt natürlich einen voll⸗ kommenen Durchblick in der Diagonale, was ſehr zu bedauern iſt. Die Moſchee iſt eigentlich nur als ein Opfer der chriſt⸗ lichen Rache gefallen, man wollte den Triumph des Kreuzes über den Halbmond feiern und daher mußte die Kunſt der rohen Naturhand unterliegen. Die Inquiſition, der ſtarke religiöſe Haß, der in Schwärmerei überging, alle dieſe Factoren trugen dazu bei, das mauriſche Andenken ſo ſchnell als möglich zu verdrängen, und ſo wurde denn, ſtatt eine chriſtliche Kirche zu errichten und das mauriſche Prachtwerk zu ſchonen, die Moſchee halb zerſtört, wenigſtens ſtark demo⸗ lirt und in eine Kirche umgewandelt, womit man nur halb ſeinen Zweck erreichte,— doch der Fanatismus war befriedigt.
. Zur Zeit der Mauren war die Decke nicht ſo ſchmucklos wie jetzt, ſondern, wie dies in vielen Moſcheen der Fall iſt, reich mit Gold und Farben verziert.
Schön iſt der Säulengang, der nach dem Heiligthum der Moſchee führte, die Bogen ſind ausgezackt, desgleichen die
Tragpfeiler, indeß der viereckige Raum vor demſelben reich mit Moſaikarbeit eingelegt iſt. Die Halle, in welcher nach dem Glauben der Mohammedaner der göttliche Geiſt ſchwebt, iſt reich vergoldet und mit Moſaikarbeit bekleidet. Zur beſſe⸗ ren Beſichtigung iſt es ſtets erforderlich, ſich eines Lichtes zu bedienen; in tauſend Farben erglänzen alsdann die präch⸗ tigen Steine der Moſaiktafeln. Urſprünglich ſind die Farben gleich auf die Muſter aufgetragen und mit einem durchſichti⸗ gen, ſehr blaßgelben Stein bedeckt worden; dieſer erzeugt nicht allein ein Glitzern und Flimmern bei Beleuchtung, ſondern er ſchützt auch die zarten Farben gegen Feuchtigkeit. Bis zur Kuppel iſt die Wand in derartiger Weiſe ausgeführt, in wahrhaft Staunen erregender Meiſterhaftigkeit. Die rohen Hände ſpäterer Zeiten, vielleicht mancher Kriegsſtürme, haben ſich auch hier vergangen und Kanten und Schnörkel ab⸗ gehrochen. Nahe dem r.. erhebt ſich die Sacriſtei, in velcher früher vielleicht mauriſche Talebs ihre Verſammlungen gehalten haben. Die orientaliſche Phantaſie hat ſich in ihrer die Sinne erregenden Weiſe hier völlig befriedigen können, denn was verſchwenderiſche Pracht an Farben, Muſtern und Ornamenten anlangt, ſo ſteht dieſes Gemach, das übrigens ziemlich klein iſt, dem Heiligthum weit voran.
Zur wahren Würdigung dieſer zierlichen Arbeit gehören einestheils gründliche Studien über die Architectur des Is⸗ lams, anderntheils ein öfterer Beſuch. Von der hieſigen Moſchee geht die Sage, daß ſie auf einem Platze errichtet worden ſei, wo früher eine Kirche, zur Zeit der Weſtgothen, geſtanden hat. An einer der Säulen wird dem Beſchauer ein kleines eingravirtes Kreuz gezeigt, das ein Heiliger während ſeiner Märtyrerprobe im Schmerz mit den Nägeln eingezeichnet haben ſoll. Die Araber waren aber in Bezug auf
Novellen⸗Zeitung.
keine Marter aus; die Erzählung wird demnach in's Gebiet der Sagen gehören.
Aus dem einfacheren Linienzug, der ſich in den Ara⸗ besken der cordovaiſchen Moſaikarbeit bemerklich macht, will man wohl mit Recht erkennen, daß die Moſaikwände aus byzantiniſchem Stoffe und von byzantiniſchen Arbeitern ausge⸗ führt worden ſeien; in der That ſind bei ſpäteren arabiſchen Moſaikarbeiten die Linienzüge viel verſchlungener.
Selten ſchied ich ſo ungern von einem heiligen Ort wie hier; der prächtige Säulenwald, die leichten zierlichen Bogen, die großartigen Effecte von Schatten und Licht, dies Alles wirkt in erhebender Weiſe auf das menſchliche Gemüth.
Welchen Anblick mußte dieſe Moſchee bieten, als ſie zur Zeit des Abendgottesdienſtes mit Tauſenden von kleinen Lämpchen, wie es der mohammedaniſche Ritus erheiſcht, be⸗ leuchtet war! Die Farbenpracht der Moſaikarbeit mag blen⸗ dend für's Auge geweſen ſein, nicht minder ſchön der Ge⸗ genſatz zwiſchen der reichen Decke und den einfachen weißen Bogen, getragen von den dunklen Säulen. Auf den weichen Matten und Teppichen lagen alsdann die ſchweigſamen Söhne des Mohammed in inbrünſtigem Gebet, indeß der Taleb leiſe die Weiſſagungen des Koran murmelte; ſie waren und lebten vielleicht ihrem Gotte treuer als Mancher, der das Kreuz jetzt ſchlägt.
Ueber den ſchattigen Hof führte der Weg zum Thurm. Beim Herabblicken auf die zierliche Stadt ward ich unwill⸗ kürlich in den Orient verſetzt, die platten Dächer, die ver⸗ fallenen Moſcheen und die engen Straßen, welche keine Einſicht gewähren, dies Alles verleiht Cordova einen eigen⸗ thümlichen Reiz. Die kleinen Gärten und Springbrunnen inmitten der mauriſchen Höfe geben dem Städtchen ein gar zierliches Anſehen. Das Thal des Guadalquivir iſt breit, an ſeinem linken Ufer ziehen ſich ſanfte Höhen hin, abſeits des rechten Ufers erhebt ſich die Sierra de Cordova, ein anſehnlicher Höhenkamm. Der verſandete Guadalquivir zieht ſich träge und langſam durch die jetzt verödeten Strecken, auf den Hügeln wächſt ſtruppiges Gras und die Zwergpalme; große Steinhaufen, vielleicht von früheren Gebäuden oder wahr⸗ ſcheinlich von arabiſchen Waſſerleitungen herrührend, liegen zerſtreut vngs umher. In der Nähe der Stadt ſieht man einige grüne Felder, dies iſt Alles; auch die Sierra bietet keinen beſonders erfreulichen Anblick, ehemals ſtark bewaldet, jetzt nur mit ſpärlichen Eichen beſtanden. Der Blick auf die Umgegend der Stadt hat fürwahr nichts Erheiterndes; die ſonſt ſo belebten Flächen, bebaut und bepflanzt von tauſend fleißigen Händen, liegen jetzt verödet und legen Zeugniß ab von der Indolenz ſpäterer Jahrhunderte. Ja, leider fiel Spanien tief nach dem Sturz der Maurenherrſchaft, all' der Kunſtſinn, der Trieb zur Arbeit und zur Thätigkeit ging verloren. Von alten Paläſten, Fabriken und Waſſer⸗ leitungen, von alledem ſieht man nichts mehr. Es iſt zerſtört und dem Boden wiedergegeben. O Staub, der du leicht vom Winde getragen wirſt, wenn du reden könnteſt!
Ich verließ traurig das alte Minaret und begab mich nach dem naheliegenden Garten des ehemaligen Alcazar. Von außen bietet in baulicher Beziehung dieſes Königsſchloß nicht viel Anziehendes; die Stürme der Zeit mögen an dieſem Bau ſchonungslos gewüthet haben.
Die ſpäteren caſtiliſchen Könige bewohnten ihn ſeit Mitte des 13. Jahrhunderts, der Garten enthält aber dennoch ſo manche Ueberreſte mauriſcher Pracht. Für ſpaniſche Ver⸗ hältniſſe iſt derſelbe ziemlich gut gehalten und enthält deshalb
Religion eigentlich viel toleranter als die Chriſten und übten
Blumen in Fülle. Den Wänden entlang zog ſich die Man⸗
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