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Vierte
das Jener bei ſich geführt, einſtweilen unter gericht⸗ liches Siegel genommen. Sein anderes Eigenthum befand ſich ja ſchon in guter Obhut zu Lorbach. Der Vorfall erregte großes Aufſehen, weit über die nächſten Gebiete des Elſterthales hinaus. Vorzüglich war es ſo wunderbar, daß der Mann in dem Hauſe der alten Frau geſtorben war: vielleicht hatte er ſeine frühere Wohnung, ſo nahe ſie lag, von dem tödtlichen Anfall betroffen, nicht mehr erreichen können, viel⸗ leicht hatten auch andere Vermuthungen, mit denen ſich die Nachbarn trugen, ihren guten Grund. Der Bergrath wußte, was den Unglücklichen wie mit Zau⸗ vergewalt wieder zu dieſer Stätte geführt hatte, auch Chriſtine hätte darüber Auskunft geben können, aber dieſe war zu ſtolz, eine der vielen läſtigen Fragen zu beantworten, und der alte Herr reiſte gleich, nachdem er das Begräbniß auf dem Kirchhof droben angeordnet hatte, von Elſter ab, welches nun bald einſam wurde.
Der Winter kam, der Schnee hüllte Berg und Thal in ſein weißes Gewand— da wurde hier das gemüthliche Stillleben, das in manchem Hauſe»ſeine Längen“ haben mochte, plötzlich durch eine höchſt in⸗ tereſſante, anfangs überall bezweifelte Nachricht unter⸗ brochen: der Mann, welcher in letzter Saiſon hier unter dem Namen Calderon aus Oſtindien aufgetreten,
Name in dem noch ſchwebenden Proceß gegen
Milzner verwickelt war, weshalb als corpus
eine wunderſchöne Perle, über deren ſächſiſche
ntaliſche Heimath ſelbſt bei Kennern Zweifel obwalteten, noch in gerichtlichem Depoſito lag; der Mann, der ſich mitten in ſeiner Krankheit entfernt und darum allerdings der Mitwiſſenſchaft an dem von dem p. p. Milzuer eingeſtandenen Perlenraube ver⸗ dächtig gemacht hatte, der ſodann zurückgekehrt und in dem Hauſe der alten Stickerin verſtorben war— hatte der Tochter dieſer Frau, welche notoriſch ſeine ganz reellen Heirathsanträge zurückgewieſen hatte, ein ſehr bedeutendes Legat ausgeſetzt, man konnte es ein Vermögen nennen! Was aber an das Märchenhafte grenzte: die Erbin, welche dadurch die geſuchteſte Partie im ganzen Voigtlande geworden wäre, wollte das Glück, das ihr, wie aus dem Monde, in den Schooß fiel, nicht annehmen! Was ſollte man dazu ſagen? Viel Gutes nicht!
Der Frühling ſchmilzt aber Eis und Schnee, ſein linder Hauch weckt neues Leben auch in erſtarrter Menſchenbruſt, und wo kein Grün der Hoffnung mehr zu finden, ſprießt es wieder empor.
„Mutter!“ ſagte Chriſtine, nachdem ſie von dem Fräulein einen langen Brief erhalten und wiederholt geleſen hatte,„glauben Sie wirklich, daß er nicht ſo ſchlecht iſt? daß er noch ein braver Menſch werden
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kann, wenn er in ein ehrliches Brod kommt und nicht mehr aus Noth zu Schlechtigkeiten gezwungen iſt?“
„Du kannſt ihn doch gar nicht vergeſſen, Chriſtel!“ ſeufzte die Mutter.„Wenn Du doch lieber an uns dächteſt!“.
„Ich werde thun, was Sie wollen, Mutter—“ ſagte das Mädchen;„aber dann muß ich ihm auch helfen dürfen, wenn er— ſeine Strafe verbüßt hat—“
„Du willſt ihn doch noch?“ rief die Mutter er⸗ ſchrocken.„Und wenn er nun viele Jahre ſitzen muß?“
Chriſtine ſchüttelte ernſt den Kopf.„O nein, Mutter!“ ſagte ſie mit trauriger, aber klarer Stimme. „Das iſt vorbei. Er ſoll auch gar nicht wiſſen, von wem ihm die Hülfe kommt.— Ich werde mit dem Boten zum Fräulein reiſen, Mutter, und dort nach Ihrem Willen thun, wie es auch das Fräulein verlangt.“
Wen meinte ſie? Wer war der Unglückliche, den ſie unerkannt wieder auf den guten Weg bringen und vor Noth ſchützen wollte? Das hat ſie nur An⸗ gelica vertraut, als ſie mit dem alten Chriſtoph, der ſie abgeholt, nach Lorbach kam. Ihr war denn we⸗ nigſtens in Hoffnung geſtellt, was Angelica nicht ge⸗ lungen war: ſie konnte einen Verlorenen mit Gottes Hülfe noch retten! 5
Die treue Schweſter hatte um den Bruder, deſſen Verluſt ihr eine bange Ahnung vorhergeſagt, aufrichtig getrauert, und mit ihm die Geſchichte ſeiner Vergangen⸗ heit, ſo weit er ihr dieſelbe nicht ſelbſt vertraut, be⸗ graben, indem ſie alle ſeine Papiere ungeleſen ver⸗ nichtet hatte. Friede nun, den er hienieden wohl nie gefunden hätte, ewiger Friede mit ihm!
Des Sohnes Abſchied.
Aus dem Böhmiſchen des Franz Sohaj, überſetzt von Alfred Waldau.
Sag' an, wer dort am grünen Pfad So ſtill und langſam ſchreite?
Das iſt die Mutter mit dem Sohn, Sie giebt ihm das Geleite.
Sie trägt das Bündel in der Hand Für ſeine weite Reiſe;
Was mag in den vier Augen glüh'n Die Thränen rinnen leiſe.
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Es führt der Sohn den Wanderſtab Und bleibt oft ſinnend ſtehen; Schwer ſcheidet ſich's vom Vaterhaus
Auf Nimmerwiederſehen!


