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daß er es vortrefflich befunden und gleich befördert, auch im Militärcabinet, ehe es zum Vortrage gelangt, Rückſprache über den möglichen Erfolg genommen habe — natürlich könne die Entſcheidung Seiner Majeſtät nicht vorhergeſagt werden, aber Hoffnung ſei vorhanden.
Während die Cabinetsordre, weil wichtigere Sa⸗ chen vorliegen mochten, ſich noch verzögerte, ſuchte Angelica ihres Bruders Integrität bei der ſeltſamen Angelegenheit, in welche hier ſein Name verwickelt worden, zu wahren. Die Nachforſchung, auf welche der Bergrath ſie vorbereitet hatte, ſchien auszubleiben; ſie bat indeſſen Hayndorf, Alles, was er zur Sache wiſſe, unbedenklich an amtlicher Stelle anzugeben und ſomit jene von ihr gewünſchte Nachfrage bei ihr zu veranlaſſen, auf welche ſie die Perle, die ſie mit dem übrigen Eigenthum Rudolf's in Verwahrung hatte, ſofort bis zum Ergebniß der Unterſuchung deponirte.
Den Schluß derſelben, oder gar den rechtskräf⸗ tigen Urtheilsſpruch mußte ſie in der Heimath ab⸗ warten. Sie hatte ihre Cur beendigt und konnte mit dem Erfolg derſelben wohl zufrieden ſein, ſo daß ſie ſchon jetzt entſchloſſen war, im nächſten Jahre wieder hier zu ſein. Noch am letzten Abend vor ihrer Ab⸗ reiſe ging ihr wie zum guten Schluß das erſehnte Cabinetsſchreiben zu. Es lautete zwar anſcheinend ungünſtig: der König fühlte ſich nicht zu dem erbetenen Gnadenacte bewogen, es blieb dem Betreffenden an⸗ heimgeſtellt, wenn er mildernde Gründe für ſich an⸗ zuführen habe, dieſe dem Militärgericht, dem er ſich ſtellen müſſe, vorzutragen— aber ein gleichzeitig ein⸗ gegangenes Schreiben des Oberſten Waldſee belebte Angelica's Hoffnung wieder, indem es ihr mit Be⸗ ſtimmtheit die Ausſicht eröffnete, daß ihr Bruder, wenn er der geſetzlichen Form genüge, entweder ganz begnadigt werde oder doch nur eine im Gnadenwege ſehr gemilderte Strafe zu gewärtigen habe. Angelica's Sorge war denn nur, ob ſie Rudolf dazu bewegen könne, ſich dem Geſetz, mit dem er gebrochen hatte, zu unterwerfen.
Ein Jahr Zeit! Wie Rudolf geartet war, konnte Angelica ſicher darauf rechnen, daß er au demſelben Tag und zu derſelben Stunde, da er jene Worte zu Bamberg dem Telegraphen übergeben hatte, im fol⸗ genden Jahr wieder in ihr Zimmer treten werde. „Das wohl!“ ſagte Chriſtoph, als Angelica dieſen Gedanken gegen ihn äußerte.„Aber Frieden macht
der nicht, ſo lange er lebt! Sie können ihm einen Palaſt bauen, wie Sie mir das nette Häuschen in Lorbach geſchenkt haben, ſtill ſitzen thut der nicht, Ruhe halten kann er nicht, er mag noch ſo gut ver⸗
ſorgt ſein!“ 4 Bei den letzten Worten wurde eine trübe Erin⸗
Zeiluug.
nerung in Angelica geweckt: Rudolf hatte in ſeiner Krankheit denſelben eine ſchauerliche Deutung gegeben.
Der Sommer war vorüber, aber der Herbſt, wie unfreundlich er ſich zuerſt auch gezeigt, hatte noch eine lange Reihe der wärmſten, ſonnigſten Tage gebracht. Daher verweilten, obgleich die Badeſaiſon im Allge⸗ meinen geſchloſſen war, doch noch Gäſte in Elſter, unter ihnen auch der Bergrath, dieſer aber gefeſſelt durch einen Brief, der ihn dringend darum gebeten hatte. Er war ein ſehr geduldiger Mann, darum wartete er mit unverwüſtlicher Freundlichkeit von einem Tage zum andern auf die Zuſammenkunft, die von ihm erbeten worden war.
Da erſchien eines Abends, nicht der Erwartete, ſondern zur höchſten Ueberraſchung des alten Herrn in einer Aufregung, wie er ſie nie geſehen, das große, ſchöne Mädchen, mit welchem er einſt ſeinen Reiſege⸗ fährten— und dieſen erwartete er eben— harmlos geneckt hatte.
„Gnädiger Herr,“ ſagte ſie bebend,„bei uns liegt ein todkranker Mann, der nach Ihnen verlangt—“ und als er Calderon's Namen rief, konnte ſie vor Bewegung kaum berichten, daß vor einer halben Stunde Herr Calderon zu ihrer Mutter gekommen ſei, ſchon ſehr krank, mit der Mutter habe er zu reden gehabt— und wie ſie, die Tochter, nach Hauſe ge⸗
kommen, habe ſie halbohnmächtig ihn auf dem Bette.
gefunden, er laſſe den Herrn Bergrath herzlich bitten— Hayndorf nahm ſchnell ſeinen Hut, nach wenigen Mi⸗ nuten ſtand er am Lager eines Sterbenden.
Dankbar richtete Kallenberg ſeine Augen auf ihn — er wollte ſprechen, aber im Zuſammenhange ver⸗ mochte er es nicht mehr. Hayndorf verſtand ihn aber doch und wußte ſich Manches, was ihm dunkel blieb, zu deuten. War es ein Wunder, daß die Krankheit, die er bei vorzeitiger Abreiſe ungeheilt mit ſich ge⸗ nommen, ihn endlich gebrochen hatte? Und warum er hierher gekommen war, um in der Hütte der armen Wittwe zu ſterben?... Es hätte keines andern Zei⸗ chens bedurft, als daß er mit letzter Kraft dem blei⸗ chen Mädchen, das ihm zu Häupten ſtand, die zitternde Hand reichte.. 2*
Sie nahm jetzt dieſe Hand, und ein müdes Lächeln verklärte ſeine Züge, über welche ſich gleich darauf die Schatten der letzten Stunde breiteten. Beide Frauen ſanken auf ihre Kniee, um für ihn zu beten, und auch der Bergrath faltete tief bewegt die Hände. Friede, ewiger Friede mit ſeiner Seele! 1
Hayndorf ordnete nun Alles, was ihm mit halb⸗
verſtändlichen Worten aufgetragen war. Der Schweſter des Geſtorbenen hatte er deſſen Papiere zu bringen,
die er gleich an ſich nahm— ſonſt wurde das Wenige,
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