Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
324
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und ſollte ich ſie rauben, wie ein Korſar, und ſie mit mir auf die hobe See führen.

Der Schweſter wurde bange vor ſeiner Aufregung, welche ihm ſchaden mußte, aber ihn durch trügeriſche Hoffnungen zu täuſchen vermochte ſie nicht.Das Mädchen verdient Deine Achtung und Schonung, Rudolf, ſagte ſie ſanft.Du darfſt ſie nicht länger mit Deiner Bewerbung verfolgen, welche ihr geſunder Sinn abgelehnt hat. Feſt und rein, wie ſie iſt, und von innerm Werthe, paßt auf ſie viel eher als auf mich der Vergleich, den Du ſo oft wiederholſt, aber gehören kann dieſe Perle Dir nie! Ich glaube, ſetzte ſie hinzu,ſie wird auch ſchwerlich einem Manne zu Theil werden.

Das wäre wenigſtens ein Troſt für meine bleſſirte Eigenliebe! rief er mit wildem Hohne.

An der Thüre klopfte es vernehmlich und Siegel trat ein.Hier iſt ein Billet für Sie abgegeben worden, Herr Kaltrum, meldete er in ziemlich mür riſchem Tone, welchen er in letzter Zeit überhaupt an⸗ genommen hatte.Ein Junge hat es gebracht, er wartet auf Antwort. Wahrſcheinlich ein Bettelbrief.

Kallenberg zog die Augenbranen zuſammen, nahm das grobe Papier, das allerdings einem Bettelbriefe ähnlich ſah, und riß, nachdem er die unbekannte Hand⸗ ſchrift flüchtig beſchaut hatte, das wohlverklebte Blatt auf. Angelica konnte ſehen, daß er ſich beim Leſen in die Lippen biß.Sie haben Recht, Chriſtoph! ſagte er.Mehr als Be rief es iſt ein Brand⸗ brief! Sagen Sie dem Jungen, daß ſein Spießgeſell nur kommen ſoll. Als Siegel hinausgegangen war, ſtand Rudolf auf.Gute Nacht, Angelica! ſagte er.Ich werde alle Deine Worte von heut und eh' in einem feinen, andächtigen Herzen bewahren. Als Beweis davon er öffnete ſein Käſtchen noch einmal und nahm nach einigem Wühlen ein Seiden⸗ papier heraus, das er Angelica überreichteals eine Probe meiner Bekehrung will ich mich von dem Liebeszauber trennen, der mich einem, wenn auch noch ſo feſten, reinen, an Geiſt und Herz geſunden, aber doch für mich höchſt unpaſſenden Weſen als deſſen Symbolum verſtrickt haben kann!

Er verließ das Zimmer, noch ehe Angelica das Seidenpapier, deſſen Inhalt ſie ſchon kannte, aus der Hand gelegt hatte, und ſie blieb in trüber Stimmung zurück. Ihr liebevolles Herz hatte wenig Hoffnung mehr für das Gelingen der Pläne, die ſie gefaßt hatte, um den Bruder aus dem ſturmvollen Leben in einen ſichern Hafen zu retten, aber ſie gab es noch nicht auf. Bis ſie ihm Gnade für das Vergehen auswirkt, das ihn aus der Heimath hinausgeſtoßen hatte, mußte er der Gefahr entzogen werden; die Reiſe, zu welcher

Novellen

Zeitung.

ſie ihn bewogen hatte, wurde vielleicht durch Gottes Fügung zum Segen für ihn, denn wie ſehr er ſich auch mühte, ſein tieferes Gefühl, als ſchäme er ſich deſſen, mit herzloſen ironiſchen Reden zu verhüllen, ſie wußte doch, daß er ſich ſelbſt anklagte, das Unglück der Armen, deren Liebe er ſo lange getäuſcht, ver⸗ ſchuldet zu haben. Seine jetzigen, ſcheinbar ſo leiden⸗ ſchaftlichen Wünſche hielt ſie für eine Laune des Augen⸗ blicks, durch äußeres Wohlgefallen hervorgerufen, durch die Seltſamkeit des Verhältniſſes und die ihm vielleicht unbegreifliche, jedenfalls kränkende, Verſagung höher gereizt. Entfernung mußte ihn heilen, unterdeſſen fand die Schweſter Zeit, für ihn zu wirken und ihm eine feſte bleibende Stätte zu bereiten. Sie war ent⸗ ſchloſſen, ihm das väterliche Gut zu überlaſſen; ſein Erbe war ſchon längſt ausgehändigt worden, als er aus Paris durch einen bevollmächtigten Agenten ſich darum gemeldet hatte; die Noth war es nicht geweſen, welche ihn ſpäter in der Welt umhergetrieben, ſondern nur die Luſt an Abenteuern und Gefahren, er ſchien jetzt ſogar reich zu ſein. Und ſo war es denn, wenn er erſt wieder Wurzeln faßte im Vaterlande, wenn er ein häusliches Glück fand, noch immer möglich, ſeinem zerfahrenen Daſein endlich einen feſten gedie⸗ genen Halt zu geben.

Brunnenberge erklang, verließ Kallenberg das Haus Als Siegel ſpäter im Flur erſchien, gab ihm die Magd den Schlüſſel vom Zimmer des Herrn Calderon, der abgereiſt ſei und ihr befohlen habe, dem Fräulein ſeine zurückgelaſſenen Sachen zu überliefern. Er hatte nur eine Reiſetaſche mit ſich genommen. Wenn Jemand ſonſt nach ihm frage, ſolle derſelbe warten, bis er wieder⸗ komme. Angelica erſchrak erſt über dieſen Schritt, aber nachdem ſie die Beſorgniß für ſeine Geneſung überwunden hatte, fand ſie in den wenigen Worten, die er ihr hinterlaſſen hatte, einige Beruhigung.

Wenn nicht hier, doch bei Deiner Heimkehr in Lorbach ſollſt Du von mir hören. Ich gehorche Dir. Nebenbei will ich auch einer Schraube ohne Ende aus dem Wege gehen. Meldet ſich der Autor des geſtrigen Bettel⸗ und Brandbriefes, ſo verabreiche ihm eine reichliche Gabe von mir, und ſage ihm, daß ich nicht mehr zurückkomme. Auf meiner Rückkehr nach dem idylliſchen Ort, wo ich ein ſtilles und ſeliges Aſyl zu finden geträumt, warte nicht Dein ſcharfer Schnitt hat weh gethan, er wird mich aber vielleicht heilen Jedenfalls bewahrt er mich vor der angenehmen Ausſicht, von allen Brunnenmädchen der fünf Elſter⸗ quellen heimlich ausgelacht zu werden.

Der Abſender des Bittſchreibens ließ ſich nicht

ſehen, dagegen kam im Laufe des Tages der Berg⸗

Am frühen Morgen, lange bevor der Choral vom

7d wein, ſzen. Nun, ſe a Hert Couſ nucht, um me fulen die furchte, nicht wied vielleicht aber Iht Her wohl dabei ber den Menſchen geben, bis ſi vielleicht fragen vegen brieflich erlendieb arn

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