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in Amerika gedruckt waren und nichts über unſer Vaterland enthielten, von den europäiſchen Zeitungen, die man ihm zu⸗ kommen ließ, nachdem ſie erſt einer gründlichen Cenſur unter⸗ worfen waren und man jede Zeile zuvor ausgeſchnitten hatte, in welcher von dem Vaterlande die Rede war. Recht in der Mitte von den Berichten über Napoleon's große Schlachten oder auch in den intereſſanteſten Theilen der Reden Canning's hatte der arme Nolan daher zuweilen ein Loch gefunden, weil auf der Rückſeite vielleicht der Name ſeines Heimathlandes genannt, oder die Nachrichten von jenſeits des großen Oceans, die ein angekommenes Schiff gebracht, dort gedruckt waren. Dies war das erſte Mal, daß ich Näheres über die Behand⸗ lungsweiſe, die Nolan erlitt, hörte. Ich erinnere mich deſſen um ſo deutlicher, als ein gewiſſer Phillipps, der die Partie mitmachte, uns bei dieſer Gelegenheit einen Vorfall, der Nolan betraf, mittheilte, welcher ſich am Cap der guten Hoff⸗ nung zugetragen, wohin der Gefangene auf dem„Nautilus“ ſeine erſte Reiſe machte. Unſere Corvette war dort mit engli⸗ ſchen Kriegsſchiffen zuſammengetroffen, und die Officiere hatten eine ſo enge Cameradſchaft geſchloſſen, daß bei der Abfahrt einer der Engländer dem guten Phillipps eine Anzahl Bücher verehrte, eines der liebſten Geſchenke, die einem See⸗ mann gemackt werden können. Nun wollte der leidige Zufall es aber, daß darunter auch einige von Walter Scott'’s Wer⸗ ken waren, namentlich auch„des Minneſaͤngers letzter Sang“, welcher für die Engläander keine Novität, für unſere Jungen aber ganz neu war. Shaw las die Bücher in höchſteigener Perſon von A bis Z rurch, denn er wußte wohl, daß ſie ſpater in Nolan's Hände fallen würden, meinte aber, ſie ſeien ganz harmlos, obgleich Phillipps mir einſt unter vier Augen zuſchwor, daß derſelbe Shaw den Shakeſpeare'ſchen Sturm als Cenſor für Nolan verwarf, weil, wie er ſagte,„die Ber⸗ muden eigentlich uns gehören müßten und, bei allen Heiligen, auch einſt unſer werden würden.“ Es war Nolan daher ſtillſchweigend geſtattet, ſich bei unſern Officieren auf das Verdeck hinzuſetzen, als ſie zurückkehrten und ſich durch Vorle⸗ ſen der neuen Werke unterhielten. Heut zu Tage mag es auf unſern Schiffen anders zugehen, damals aber hielt man es nicht für unpaſſend, ſich auch etwas außerhalb des Fach⸗ ſtudiums zu halten. Gut; endlich kam denn die Reihe des Vorleſens an Nolan. Keiner von den Unſerigen kannte das Buch; nur das wußte man, daß es pure Fiction war, und über eine Zeit handelte, die wir um zehntauſend Jahre hinter uns hatten. Er las und las, nahm einen Trunk Waſſer und las dann wieder, bis er auf folgende Stelle kam: „So leer wird doch ein Herz nicht ſchlagen, Daß nimmer ſollt' es zu ſich ſagen.“
Uns, denen dieſe Sirophen ſo heimiſch klingen, ſcheint es poſitiv unmöglich, daß man ſie überhaupt zum erſten Mal gehört haben könne, aber ſo war es dennoch mit den Oſfſicieren des„Nautilus“. Auch Nolan fuhr mechaniſch zu leſen fort, als wiſſe er kaum, um was es ſich handele:
„Dies iſt mein theures Vaterland!“ Nun fühlte Jeder, daß dahinter noch mehr ſtand. Aber Nolan, obgleich er etwas bläſſer wurde, fuhr dennoch fort: „Wem klopfet ſtürmiſch nicht das Herz, Wenn er die Schritte heimathwärts Gewendet hat vom fremden Strand? Giebt's einen Solchen, merkt ihn Euch!“
Als er ſo weit gekommen, hätten Alle den Hals darum gegeben, wenn der Arme nur ein paar Seiten überſchlagen, aber dazu hatte er nicht Geiſtesgegenwart genug, und mit ſtockender Stimme hub er abermals zu leſen an:
Novellen⸗Zeitung.
„Ihn freuet nicht der Töne Reich.
Ob Titel ihn und Namen ſchmücken, Der Erde Schätze ihn beglücken,
Ob Rang und Reichthum ihn erhebt— Ein Wicht, der nur ſich ſelber lebt!“
Hier erſtarb ſeine Stimme. Er ſprang wilderregt empor, warf das Buch in die See, und ſtürmte in ſeine Kajüte. Während voller zwei Monate hat man ihn nicht wieder geſehen. 4
Wir können von hier an den Bericht, da er zu ausführ⸗ lich iſt, nur noch im Allgemeinen verfolgen. Nur langſam faßte er wieder Vertrauen zu Einigen ſeiner Umgebung. Einſt kam das Schiff, auf dem er gefangen ſaß, in einen ver⸗ derblichen Zuſammenſtoß mit einem engliſchen Kriegsſchiffe. Der Sieg würde auf Seite des letzteren geweſen ſein, wenn nicht Nolan, als die höchſte Noth war und es an Befehlsha⸗ bern fehlte, ſelbſt die Leitung der Geſchütze übernommen und das Treffen gerettet hätte. Der Engländer mußte ſich end⸗ lich ergeben. Hierüber wurden Depeſchen und die wärmſten Begnadigungsgeſuche nach Waſhington geſandt, der alte gerührte Capitain überreichte dem Unglücklichen ſeinen eigenen Degen, aber das Kriegsminiſterium gab niemals eine Antwort und dieſe grauſame Beſtrafung wegen eines in der Uebereilung geſprochenen Wortes gereichte der Regierung wahrlich nicht zur Ehre. Nolan hoffte immer vergebens. Man brachte ihn von Schiff zu Schiff, denn immer, wenn ſich das Fahrzeug, auf den er ſich befand, zur Heimkehr rüſtete, mußte er in irgend einem fremdländiſchen Hafen, ja oft auf offenem Meere einen andern Kriegsdampfer betreten, ſeinen ſchwimmenden Kerker wechſelnd. Nolan ſah nur immer, daß das Sternenbanner von Zeit zu Zeit um einen Stern vermehrt wurde, vierzehn Mal geſchah dies während ſeiner 50 jährigen Exilirung auf der See; der Arme wußte, jeder Stern bedeute eine neu genommene Provinz, aber nie erfuhr er den Namen derſelben. Von dem Bürgerkriege in ſeinem Vaterlande hat er niemals eine Ahnung bekommen.
Als er endlich am Bord des Levant ſich in übergroßer Altersſchwäche ſeinem Tode näherte, konnte der Capitain Danforth ſeinem Wunſche nicht widerſtehn. Er erzählte dem Sterbenden die ganze letzte Geſchichtsepoche Amerikas, nur erwähnte er nichts von dem Bruderkrieg. Nach Beendigung dieſer Darſtellung verſchied Nolan in Frieden, und Alle, die ihn gekannt, preiſen ſeinen einfachen edlen Charakter und die männliche Reſignation, mit welcher er ſein abnormes und ſchweres Geſchick ertrug. 5.
Die Einmwirkung des Lichtes auf die Pflanzen.
Jeder Pflanzenzüchter weiß, daß das Licht zwei Haupt⸗ wirkungen auf die Pflanzen äußert, nämlich die Richtung und die Färbung derſelben. Steht eine Pflanze weit von dem Lichte entfernt, z. B. auf einem Blumentiſche im Zimmer, ſo wird ſie ſich, ganz beſonders ihre neugebildeten Theile, gegen das Fenſter, alſo gegen das Licht neigen, und zwar mit ſolcher Vehemenz, daß ſich die Theile unverhältnißmäßig in die Länge ziehen. Wendet man ſie um, ſo werden ſich ihre weicheren Zweige, wenigſtens ihre Spitzen auch wieder um⸗ wenden, und zwar ſo oft man den Verſuch wiederholt. Aehn⸗ lich verhält es ſich auch in Beziehung auf die Färbung; wird eine Pflanze im Dunkel gehalten, ſo färben ſich ihre neuge⸗ bildeten Theile nicht grün, ſondern haben ein gelbes oder blaß⸗ weißes Anſehen und werden viel länger, als dies bei normalem Standpunkt der Fall iſt. Auch die Farbe der Blumen und
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