312 Novellen⸗
iſt krank— und da iſt ſeine Braut gekommen, um ihn zu beſuchen— denke nur, er hat ſchon eine Braut“
Das Mädchen hatte bei den erſten Worten aller⸗ dings vor Ueberraſchung hoch aufgeblickt, aber der Ausdruck der Ruhe war bald in ihr klares Antlitz zu⸗ rückgekebrt und ſie erwiderte nur:„Was hab' ich über ihn geſagt, Mutter?“ Sie hätte jedoch kein weibliches Gefühl haben müſſen, wenn ſie ganz gleich⸗ gültig bei dieſer Erfahrung geblieben wäre; ihr Ton verrieth die innere Bewegung doch.
„Er iſt krank?“ fragte ſie dann. Die Mutter nickte mit dem Kopfe, hatte aber nun einen andern Gedanken, den ſie gleich ausſprach.„Deswegen— um die erſte Braut—“ ſagte ſie,„könnte es doch immer möglich ſein, daß er's mit Dir gut meinte— es hat ſchon manch' Einer die erſte ſitzen laſſen und ſich eine andere genommen. Er ſoll grauſam reich ſein.“
„Wir ſind arm, Mutter— um's Geld nehme ich aber Keinen. Er denkt auch gar nicht daran— er hat ſich nur einen Spaß gemacht. Iſt er ſehr krank?“— Das glaubte die Mutter nach dem, was ſie gehört hatte, und in dem Herzen des Mädchens regte ſich nun doch ein mitleidiges Gefühl.
(Schluß folgt.)
Wanderlied.
Von C. Haberland.
Ich ziehe froh nun in die weite,
Nun in die fremde Welt hinaus,
Die volle Flaſche an der Seite
Und auf dem Hut des Liebchens Strauß! Und in dem Herzen muntre Lieder,
Die jauchzen hell in Jugendluſt,
Kein Sorgen drückt die Seele nieder,
In Hoffnung ſchwillt die junge Bruſt.
Seid, blaue Berge, mir gegrüßet,
Sei mir gegrüßt, du lieblich Thal,
Und du, der Thal und Berge küſſet, Gegrüßt, du goldner Sonnenſtrahl!
Auch dich will ich nicht ſchelten, Regen, Damit nicht gar zu licht die Welt,
Nicht zu viel Staub auf meinen Wegen— Wie mir das Dörfchen dort gefällt!
Komm, holdes Mädchen, laß dich herzen, Doch lang hab ich dazu nicht Zeit,
Laß ein paar Tag' uns heiter ſcherzen, Dann gieb mir weinend das Geleit.
Zeitung.
Ein langes Lieben ſoll nicht taugen, Das macht zu mild und weich das Herz, Auch ein paar Thränen in den Augen Gehören zu und Abſchiedsſchmerz!
Doch mehr nicht, als das Herz kann tragen, Als es im Liedeshauch vergißt,
Daß es zur nächſten Maid kann ſagen: „Mein holdes Kind, wie ſüß du biſt!“
Und neue Blumen an dem Hute
Und in die Flaſche friſchen Wein
Und vorwärts dann in freiem Muthe
Durch Regen, Sturm und Sonnenſchein!
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Jahrbuch der deutſchen Shakeſpeare⸗ Geſellſchaft.
(Schluß.)
Der erſte Eindruck, welchen meine Mutter zu machen pflegte, und wovon man einige Spuren in dem Vorhergehenden findet, erklärt vielleicht einiger⸗ maßen die albernen Gerüchte, welche böswillige Zungen über ſie verbreiteten: ſie ſei hart und hochmüthig von Charakter geweſen und habe in* nilie durch Furcht und Strenge geherrf„ theil war ſie eher zu ſanft, zu gut und uu. gegen uns und ließ ſich nur zu leicht von Leuten beherrſchen, die in jeder Beziehung unter ihr ſtanden. «Sie war(ſagte eine ihrer beſten Freundinnen von ihr) kindlich und leichtgläubig in unerhörter Weiſe, ließ ſich immer durch den Schein täuſchen und wollte von Niemandem Böſes denken; der Himmel iſt nicht weiter von der Erde entfernt, als ſie von jeder Ver⸗ ſtellung war. Dieſe glühende Liebe zur Wahrheit vereinte ſich mit einer ſeltenen Geradheit des Geiſtes und einer großen Ordnungsliebe, denn ſie war metho⸗ diſch in allen Dingen, ſehr mitleidig und immer bereit ihre Kunſt oder ihr Vermögen der Wohlthätigkeit, Tugend, oder dem Unglück zu opfern.⸗
Sie nahm ſich theilnahmvoll der jungen Talente an, allein wohl nur in äußerſt ſeltenen Fällen würde ſie einer jungen Dame angerathen haben, ſich in eine Laufbahn zu wagen, deren Kämpfe, Widerwädigkeiten, Leiden und Gefahren ſie kannte; auch würde ſie kaum geduldet haben, daß eine ihrer Töchter ſich der Bühne gewidmet hätte. Uebrigens war dazu bei uns keine Neigung vorhanden: wir ſtellten nunſere Mutter zu hoch und hatten ein zu beſtimmtes Gefühl ihrer Ueber⸗ legenheit, als daß der Wunſch, mit ihr verglichen
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lütpt werde, Je ſäße.
Nachdem f rickgezogen hat umgeben von i trauter Freunde der Literatur un ſich keider bald riele Perſonen
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Sche,e, glich.. Obwohl! Mré. Siddons Es leben noch Vorleſungen eri der hinreißende einer Roſalind offenbarte. J die Königin Macbeth. Meine M deim Studiren R welcher ſie, ihrer Familie, nehmen wußte) Nacht, ein ſo Schrecken, we durchſchauert überwältigt, ihr Schlafzim und zitternd zu rühren,


