310 Novellen⸗Zeitung.
da ihr Bruder durch wichtige Gründe veranlaßt worden ſei, hier mit einer Modification ſeines Namens auf⸗ zutreten. Es fiel ihr ſehr ſchwer, ſich zur Theilnehmerin eines immerhin unlautern Vorgebens zu machen, aber die Schweſterliebe überwog: ſie hätte Rudolf ſonſt nicht pflegen können!
Siegel kehrte nach einer faſt zweiſtündigen Ab⸗ weſenheit unverrichteter Sache zurück. Im Dorfe liegen noch mehrere Häuſer, die zur Aufnahme von Gäſten, welche eine ſtillere Zurückgezogenheit wünſchen, ſehr wohnlich und bequem eingerichtet ſind, aber ſie waren bis auf den letzten Raum beſetzt und auch in zwei oder drei Bauerhäuſern, in welchen Siegel nach dem ausdrücklichen Befehl des Fräuleins Nachfrage gehalten hatte, war er nicht angenommen worden. Vielleicht hatte er auch Alles zu ſchlecht gefunden, denn er war mit der ganzen Idee nicht einverſtanden.
„Unkraut vergeht nicht, Annchen,“ ſagte er bei der Rückkunft, noch ehe er ſeine Meldung über den ſchlechten Erfolg machte, zu der Dienerin, welche ihn draußen empfing.„Wenn der hätte umkommen ſollen in jungen Jahren, ſo hätte er ſchon als Innge hundert⸗ mal die ſchönſte Gelegenheit gehabt, denn er war, was man ſo ſagt, des Teufels Vorlauf. Wenn mein guter Herr ihn kürzer gehalten hätte, wär's für ihn beſſer geweſen. Der ſtirbt nicht an einem lumpigen Fieber, und was will denn das Fräulein pflegen, da ſie ſelber geführt und gefahren werden muß? die ganze Laſt fiele auf Sie, Annchen— und ich dächte doch, Ihnen, wenn Sie an alte Zeiten dächten— na, ich vin ja ſchon ſtill, aber ich meine, eine tüchtige Wärterin aus dem Dorfe thäte ihm beſſer: dazu ſind ja hier Viele dreſſirt.“
Anna übernahm es ihre Herrin von der Unmöglich⸗ keit, welche Chriſtoph gefunden hatte, in Kenntniß zu ſetzen, das Fräulein wollte aber davon nichts hören. „Chriſtoph legt mir Hinderniſſe in den Weg,“ ſagte ſie.„Er meint es gut mit mir, aber ich kenne ihn. Du ſollſt mich begleiten— ich werde mich zu Rudolf fahren laſſen.“ Die Dienerin konnte dieſen beſtimmten
Entſchluß nicht ändern, obgleich ſie ihrer Herrin vor⸗
ſtellte, daß ihr Beſuch leicht Mißdeutungen erfahren könne, wenn ſie nicht gewillt ſei, gegen alle Welt das Incognito ihres Bruders aufzuheben.
„Die Welt weiß, daß wir verwandt ſind, auf den Grad kommt es nicht an,“ erwiderte Angelica.
Sie ließ ſich von der Frau, welche dazu angenommen war, im Rollſtuhl zum Dorfe hinauf fahren und hörte dort bei der erſten Frage in Rudolf's Wohnung, daß der Arzt dem Kranken ſchon eine Wärterin geſchickt habe und daß ſich auch ein anderer Herr ſehr theil⸗ nehmend um ihn bekümmere, dieſer ſei gerade jetzt bei ihm.
— W ͤͤſW——
„Um ſo beſſer!“ ſagte Angelica.„Führt mich hinauf und Sie, Herr Wirth, laſſen Sie meinem Vetter melden, daß ſeine Couſine ihn zu ſehen wünſche.“
In einem Badeorte muß freilich Alles zur Auf⸗ nahme von Kranken eingerichtet ſein, aber es iſt doch immer ein unheimliches Ding um hitzige Fieber, aus denen gar leicht Nervenfieber und Typhus werden können— dergleichen ſind auch in Bädern ungern geſehene Hausgenoſſen. Mit Herrn Calderon ſtand es nach der Meinung der Wärterin ſchlecht, denn er lag in einer dumpfen Abſpannung, aus der er nur zuweilen aufſchrak und confuſes Zeug ſprach. Der alte freundliche Herr, der wohl ſchon eine Stunde geduldig an ſeinem Bette ſaß und ihm, wenn er munter ſchien, tröſtlich zuſprach, hatte auch den Kopf geſchüttelt. Als die Couſine des Kranken ſich melden ließ, wurde die Wärterin dazu herausgewinkt— ſie ſchien doch noch nicht vollkommen für ihr Amt, wie ſich Chriſtoph ausgedrückt hatte, dreſſirt zu ſein, deun ſie verſagte der Dame trotz der vom Arzte erhaltenen Weiſung den Zutritt nicht mit der nöthigen Feſtigkeit. Da ſie aber den alten dicken Herrn ſchon hier vorgefunden hatte, ſo kam es wohl auf eine Perſon mehr nicht an, wenn ſie ſich nur ſtill verhielten. Der alte Herr ſtand ſchnell auf, als die Dame in das Zimmer ge⸗ führt wurde, überließ ihr den Lehnſtuhl, den er ſelbſt inne gehabt, ſtellte ſich leiſe als den Bergrath von Hayndorf vor, der mit dem Kranken bekaunt geworden ſei, und empfahl ſich.
„Er iſt ja nun wohl verſorgt!“ ſagte er, aber ſo leiſe er geſprochen, der Kranke, der nicht ſchlief⸗ hatte es doch gehört, denn er verſetzte ganz vernehmlich: „Wohl verſorgt iſt man nur im Grabe!“
Angelica erbebte: ſie mußte das für eine Todes⸗ ahnung halten. Auch der Bergrath war betroffen, mühte ſich aber den Eindruck der Aeußerung, die nur halbbewußt im Fieber gethan war, zu verbergen, winkte der Dame theilnehmend zu und entfernte ſich. Angelica nahm in dem Seſſel Platz und beobachtete das Antlitz ihres Bruders, der mit geſchloſſenen Augen ſchwer athmend lag. Anna hatte ſich an die Thüre zurückgezogen, die alte Wärterin ſtand am Bette, zweifelhaft, wer die fremde Dame wohl ſein könne. Selbſt als Couſine ſchien ſie doch noch zu jung zu ſein, um ſolche Beſuche machen zu können.
Als Angelica's Blick ſchmerzlich auf den Zügen ihres Bruders ruhte, in denen ſie vergebens das alte unvergeſſene Bild derſelben wieder ſuchte, begegnete ihr Auge plötzlich dem ſeinigen, das er aufſchlug.
„Du biſt hier!“ ſagte er.„Das iſt gut! Ich habe mit Dir zu reden.“.
„Jetzt nicht, Rudolf!“ bat ſie.„Wenn Du krä
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