Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
308
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Dieſe letzte Ausſicht machte auf die Mutter doch einen großen Eindruck und ihr erſter Gedanke dabei war, die ganze Geſchichte mit der Bitte um Rath dem menſchenfreundlichen Manne vorzutragen, welcher die allgemeinen Angelegenheiten des Bades mit der Ener⸗ gie eines alten Soldaten von Königlichen Amts wegen leitet und außerdem mit Rath und That Jedem hilft, wo er kann. Erſt aber mußte ſie mit ihrer Tochter ſprechen.Ich kann dazu nichts ſagen, lieber Herr, erwiderte ſie.

Darf ich wiederkommen, wenn Ihre Tochter zu Hauſe iſt? fragte er und ſie gab ihm wenigſtens keine abſchlägliche Antwort, wenn es auch kaum wie eine Erlaubniß klang.

Im Thale lagen ſchon die Schatten, nur die höchſten Tannen des Brunnenberges ſchimmerten noch von den letzten Strahlen der Sonne, welche hinter den weſtlichen Höhen verſchwunden war. Eine em⸗ pfindliche Kühle wehte am Fluſſe Kallenberg aber fühlte ſie nicht, er hätte Kopf und Bruſt in eiſiger Luftſtrömung baden mögen! Der letzte Plan, den er eben ausgeſprochen hatte, war ein Kind des Augen⸗ blicks, aber er war jetzt feſt entſchloſſen. Hier konnte

er endlich ruhen, hier glücklich werden, ſeine bleibende

Stätte hier zu nehmen.

E salvata ma matta le figliuole bene acconciate! So erſchienen auf der Telegraphenſcheibe di orte, welche der Beamte wiederzugeben und an Herrn Calderon im ⸗Reichsverweſer⸗ zu ſenden hatte. Es waren mehrere Tage vergangen, ſeit das Telegramm, auf welches dieſe Antwort erfolgte, abgegangen war, und Herr Calderon, der ſich zuerſt ſo hitzig nach einer ſolchen erkundigt hatte, mochte wohl die Hoffnung aufgegeben haben, noch eine Antwort zu erhalten, denn er hatte ſich zuletzt nicht mehr blicken laſſen.

Das ſo ſpät eingehende Blatt ſchien ihn auch zu überraſchen, denn der Bote bemerkte, daß er beim Empfang deſſelben blaß wurde. Dieſe Erſcheinung war ihm aber nicht neu. Telegramme haben meiſt

eine erſchreckende Wirkung, wenn der Empfänger nicht

zur Geſchäftswelt gehört. Hier kam noch dazu, daß Herr Calderon krank war; der Arzt verließ ihn eben, als der Bote eintrat; es ſchien ein hitziges Fieber zu ſein, das ihn befallen hatte, um ſo auffallender trat in ſeinem dunkelgerötheten Geſicht das plötzliche Erblaſſen hervor und er hatte das verſchloſſene Blatt noch gar nicht einmal eröffnet und geleſen. Als der Bote ſeine Wahrnehmung dem Beamten wieder⸗ holte, rief dieſer ſich die Worte des Telegramms zu⸗ rück, von denen er nur die erſten nach lateiniſcher Analogie verſtanden und mit dem Namen des Ortes,

Novellen⸗

Jeitung.

wohin Calderon telegraphiren laſien, ſo wie mit einer kürzlich geleſenen Zeitungsnachricht, welche an der Table d' hoôte die humoriſtiſche, in mehreren Kreiſen wieder erzählte Aeußerung des Bergraths von Hayn⸗ dorf veranlaßt, in eine ziemlich richtige Verbindung gebracht hatte. Der Kranke hatte, wenn auch ſpät, eine tröſtliche Antwort empfangen.

Sie iſt gerettet las dieſer, der mit zitternden Händen das Blatt aufgeriſſen hatte, und ſeine Bruſt hob ſich wie von einer großen Laſt befreit. Aber der Fels war nur gelüftet, nicht abgewälzt:doch iſt ſie wahnſinnig! ſtand gleich hinter dem glücklichen An⸗ fang und er warf das Blatt zur Erde, ohne der noch folgenden Nachricht, daß die Töchter wohl ver⸗ ſorgt ſeien, mehr als einen flüchtigen Blick zu ſchenken.

Wohl verſorgt iſt der Menſch nur im Grabe! klang es ſchauerlich in ſeiner Seele; das war aber ein Gedanke, den nur das Fieber geboren hatte, denn er lächelte ſelbſt darüber und wies ihn von ſich. Er hatte noch gar nicht im Sinne, dieſe gute Ver⸗ ſorgung zu ſuchen, er wollte noch leben und endlich das Glück des Lebens finden, dem er bisher ſo ver⸗ geblich nachgejagt war. Eine Ahnung, daß es ein edleres und reineres Glück auf Erden gebe, als die wildüppigen Trugbilder, die ihn getäuſcht, war ihm aufgegangen und nicht in der ſeltſamen Leidenſchaft

allein, welche Pſychologen vielleicht auch in ihm für:

eine krankhafte Erſcheinung nervöſen Urſy

konnten, ſondern mehr noch in der W

mit ſeiner Schweſter Angelica, deren ganges Weſen eine Illuſtration ihres Engelsnamens war. Das wahre Glück iſt nicht abhängig von äußern Dingen, es braucht nicht immer von einem andern Herzen gewährt zu werden, es kam auch im eigenen, ſich ſelbſt genügenden Buſen leben! Die Perle, welche Angelica's Bruder kurz vor dem Wiederſehen gewonnen hatte, war ihm ein Symbol geworden, ein Pfand, daß ihm das Glück, das, über irdiſchen Schmerz erhaben, in dem Herzen ſeiner Schweſter lebte, doch noch zu Theil werden könne, freilich nur unter der einen Bedingung der Erreichung ſeines glühenden Wunſches. Dieſe war ihm aber fern gerückt und es konnte wohl ſein, daß ihn die glühende Leidenſchaft, die wie mit Feuer⸗ zungen an ſeinen überreizten Nerven zehrte, ſo krank gemacht hatte, wenn auch dem Arzte, welchen ihm die Schweſter geſandt, die Urſache natürlich verborgen blieb. Chriſtine hatte ſich den Werbungen, die nun

in ſo beſtimmter Form hervortraten, daß ſie an ihrer Aufrichtigkeit kaum mehr zweifeln konnte, dennoch und viel entſchiedener verſagt, als bei der Begegnung auf der Albertshöhe. Wie die Mutter darüber dachte, erfuhr der Bewerber nicht. Er hatte ſich ihre un⸗

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Er hatte um nicht durch der Nachbarn war es ſchon ſcheiden konn. hatte uͤberha Wort Chriſtin die Autwort einen Funten wat wit ſo ſ ihm jeden Ich datf mi das er ſchon und einer w Kopfweh und fielen ihm noch immer