Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
300
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Uempereur est arrivé à Fontainebleau. Am 21. März hieß es dann: Sa majesté Impériale et Royale a fait hier au soir son entrée à son chäteau des Tuileries au milieu de ses fldèles sujets.

Während aber der Kaiſer von der einen Seite in die Tuilerien einzog, zog die Göttin des Glücks, die ihn in den letzten drei Wochen ebenſo ſehr wie in den frühern Jahren begünſtigt hatte, von der andern Seite heraus, um ihm nie mehr zu lächeln.

Napoleon fühlte die Leere, die ſich um ihn bildete. Sein Muth und ſein Genie verſuchten vergebens den Schatten zu haſchen, der von ihm floh.

Die in den Feldern Belgiens zerſtreuten Leichname der Soldaten ſeiner alten Garde bezeichneten das Ende dieſer Laufbahn, die Ihresgleichen nicht hatte, welche in Toulon durch den Sieg gegen die Engländer ihren Anfang genom⸗ men hatte, und ſich in Waterloo mit der Niederlage gegen die Engländer und die Preußen ſchloß. C.

Ueber den ehemaligen Menſchenverkauf von Seiten deutſcher Fürſten an England.

Dieſer Menſchenhandel iſt ſehr oft von den beſten Au⸗ toren Deutſchlands in Poeſie und Proſa erwähnt werden, doch das Publicum erfuhr ſelten etwas Genaueres darüber, ſo intereſſant dieſe Angelegenheit auch iſt. Friedrich Kapp hat ſich in einer eigenen Schrift, der wir einige Grundzüge entheben, darüber verbreitet.

Es iſt unmöglich, ſagt er, die genaue Zahl der von jedem der betheiligten Fürſten gelieferten Soldaten feſtzuſtel⸗ len, ſo lange die deutſchen Archive dem Forſcher verſchloſſen bleiben. Die engliſchen Quellen, ſo zuverläſſig ſie ſich ſonſt auch in den unbedeutendſten die deutſchen Miethstruppen betreffenden Einzelheiten erweiſen, reichen deshalb nicht überall aus, weil in ihnen ſehr häufig die Contingente der einzelnen Staaten unter der allgemeinen Bezeichnungdeut⸗ ſche Rekruten oderdeutſche Verſtärkungen zuſammengefaßt werden. Es ſind etwa im Ganzen 20,166 Mann nach Amerika geſchickt und dort 11,853 Mann verloren gegangen.

Leichter ſind die für jene Zeiten koloſſalen Geldzahlungen feſtzuſtellen, welche England für dieſe Soldaten⸗Lieferungen an die deutſchen Fürſten leiſten mußte. Für Todte und Verwundete wurden Zahlungen entrichtet, je ein Todter brachte 51 Thlr. 21 Sgr. 6 Pf. preuß. ein, und drei Ver⸗ wundete galten gleich einem Todten. England zahlte von 1776 bis 1785, da einzelne Subſidien noch zwei Jahre nach Rückkehr der Truppen fortdauerten, an Braunſchweig, Heſſen⸗ Kaſſel, Heſſen⸗Hanau, Waldeck, Anſpach, Anhalt⸗Zerbſt und an andere kleine Landesherren im Ganzen 5,000,000 Pfd. St. Dazu kommen noch etwa 50,000 Pfd. St. per Jahr für Verpflegung, ferner die Transportkoſten, Jahrgehalte, Ge⸗ ſchenke und Reiſekoſten der engliſchen Commiſſare.

Amerikaniſche Novelliſten à la Cooper und deutſche Tendenz⸗Bären werden zwar nicht müde, dieſe unglücklichen, fremden Intereſſen geopferten Miethlinge als einen verächtli⸗ chen, kaum des Widerſtandes fähigen Haufen zu ſchildern; allein dieſe Phantaſien werden von den Thatſachen auf Schritt und Tritt Lügen geſtraft. Die heſſiſche Infanterie jener Zeit war jedenfalls ebenſo gut, wenn nicht beſſer, als die preußiſche, die beſte des Jahrhunderts. Sie hatte gemein⸗ ſchaftlich mit dieſer die Schlachten des ſiebenjährigen Krieges gewonnen und ſich im vorigen Jahrhundert in allen Theilen Europa's durch ihre Tapferkeit, Disciplin und Unverwüſtlich⸗

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Novellen⸗Jeitung.

keit ausgezeichnet. Kaum in Amerika gelandet, entſcheidet ſie hauptſächlich durch ihre Bravour den Feldzug des Jahres 1776 zu Gunſten der Engländer. Die amerikaniſche Land⸗ bevölkerung hatte einen ſolchen Schrecken vor den Heſſen mit ihren Bärenmützen und Zuckerhüten, daß ſie dieſelben als eine Art Menſchenfreſſer fürchtete, und daß Waſhington, um dieſe Vorurtheile zu brechen, einen Theil der bei Trenton gefangenen Heſſen durch die Straßen Philadelphia's führen und dem Volke zeigen ließ. Auch die kleineren Contingente, namentlich die Waldecker und Anſpacher, ſchlugen ſich ſehr gut. Wo aber die Mannſchaften nicht viel taugten und leriglich zum Feſtungsdienſt, wie z. B. die Zerbſter, verwen⸗ det wurden, waren die Officiere deſto tüchtiger und durch⸗ greifender.

Wenn die engliſchen Waffen gleichwohl unterlagen, ſo war es wahrlich nicht die Schuld der deutſchen Soldaten, ſondern die Unfähigkeit der verantwortlichen Officiere und die Kurzſichtigkeit der engliſchen Politik. Uebrigens fühlten weder Gemeine noch Officiere das Schiefe und Demüthigende ihrer Stellung. Dieſe meiſt dem niedern Adel angehörend, der wenig mehr gelernt hat, als was er nothwendig für's Lieutenants⸗Examen braucht, und der ſeit Jahrhunderten für Koſt und Logis damals ſo gut ſeine Haut zum Markte trug, wie noch heute, kannten, wie alle ſchlecht bezahlten und halb gebildeten Leute, gar nicht das Gefühl perſönlicher Würde und Verantwortlichkeit. Sie waren ſtolz darauf, zu dienen, Landsknechte zu ſein, die ſich auf das Geheiß Sereniſſimi, ohne nach irgend einem Grunde zu fragen, an's andere Ende der Welt ſchaffen laſſen und ebenſo gleichgültig für die ſchlech⸗ teſte, wie für die beſte Sache kämpfen.

Auch die höheren Officiere zeigen nirgends ein Ver⸗ ſtändniß für die politiſchen Fragen, die ſich im amerikaniſchen Kriege zur Entſcheidung drängten. Es ſind manche intereſ⸗ ſante militäriſche Denkſchriften von ihnen erhalten; aber nirgend wird die Politik ſelbſt nur als untergeordneter oder beiläufiger Factor der Ereigniſſe erwähnt. Das Volk hat rebellirt, alſo muß es zur Raiſon mit derultima ratio regis gebracht werden in dieſen paar Worten erſchöpft ſich die ganze politiſche Anſchauung der damaligen deutſchen Officiere. Da geht, unmittelbar nach der Schlacht, die das Geſchick eines ganzen Continentes entſcheidet, ein deutſcher Oberſt am Meeresſtrand ſpazieren, ſucht Muſcheln und preiſt dieAll⸗ macht des Schöpfers. Ein Anderer ſieht von den Höhen von Brooklyn aus, wie die ganze engliſche Flotte vor Anker geht und ſich anſchickt, die Stadt zu bombardiren. Das große ungewohnte Schauſpiel hat wenig oder gar keinen Reiz für ihn, aber er vergleicht New⸗York, das Europa zugekehrte Auge Amerika's, mit Preußiſch⸗Minden, das ungefähr von derſelben Größe und Ausdehnung ſei. Es klingt heutzutage wie Märchen aus alten Zeiten, wenn man dieſe Parallele zwiſchen der größten und der reichſten Stadt der neuen Welt und zwiſchen dem verſchuldetſten rotten borough preußiſcher Fähndriche lieſt. Ein Dritter endlich erzählt den Seinigen daheim, daß der bei Brooklyn gefangen genommene General Sullivan dem Metzgermeiſter Fiſcher in Rinteln auf's Haar gleiche, und ſchimpft über die Mosquitos, die ihm die geträum⸗ ten Freuden in der neuen Welt gleich anfangs verleiden.

Sehr ſtark ſpricht ſich Schiller inKabale und Liebe gegen den Soldatenhandel aus. Er hatte wie Mirabeau perſönlich, wenn auch nicht ſo lange Zeit, den Despotis mus kennen gelernt und zeichnete alſo nach der Natur. Die grauſige Darſtellung eines Zuſtandes, in welchem der Privi⸗ legirte Alles wagen konnte, der Unglückliche Alles leiden

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