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„Nein!“ ſagte Calderon kurz. daß ich in Deutſchland fremd bin.“
„Richtig! Wenn Sie einmal nach Erfurt kommen, ſehen Sie ſich das herrliche Denkmal an, das der König von Preußen, der vorige, ſeiuem Freunde ge⸗ ſetzt hat.— Alſo die Perle haben Sie mit? Ich bin ſehr neugierig darauf.“
Calderon erwiderte nichts und fragte nach einer Weile, ob der Name der Frau, welche in Trieſt ein ſo trauriges Ende genommen, in der Zeitung genannt ſei.
„Ich habe ſie nicht geleſen,“ erwiderte der Berg⸗ rath.„Sie ſcheinen ſich für die Unglücksgeſchichte ſehr zu intereſſiren.“
„Ja! ſagte Calderon kurz, wie vorher. Der Bergrath fragte ſtatt ſeiner die Nachbarn, aber ſie konnten ihm keine Auskunft geben, waren auch über⸗ haupt nicht geneigt, ſich durch die abgeſprochene Ge⸗ ſchichte den Appetit verderben zu laſſen. Es war denn nicht weiter die Rede davon.
„Sie vergeſſen,
Der Mittag war ſehr heiß. Als die Tiſchgeſell⸗ ſchaft ſich trennte, blieben einige Parteien⸗ unter den ſchattigen Bäumen im Curgarten ſitzen, auch der Bergrath wollte an einem der kleinen Tiſche Platz nehmen und ſich die orientaliſche Perle ſeines Reiſe— gefährten von Regensburg her, auf welche ſeine Neugier immer höher geſpannt wurde, zeigen laſſen. Aber Calderon gab wiederum ein dringendes Geſchäft vor, das ihn für den Augenblick in Anſpruch nehme, und beſtellte ein anderes Rendezvous, nicht hier und jetzt.— „Geſchäfte!“ murrte der Bergrath.„Wie kann man ſich im Bade Geſchäfte aufladen! Sie ſagten mir ja im goldnen Kreuz der alten Ratisbona, Sie wären in der glücklichen Lage, gar keine Geſchäfte zu haben!“
Calderon zuckte die Achſeln, verſprach ihn in einer Viertelſtunde abzuholen und entfernte ſich dann eiligſt. Er ging nach dem Telegraphenamte. Als ihm der Blauſtift gereicht wurde, mit welchem gegenwärtig der Abſender ſein Telegramm zur Beförderung ſelbſt niederzuſchreiben hat, befleißigte er ſich beſonderer Deutlichkeit der Buchſtaben, der Beamte konnte es aber doch nicht leſen, wenigſtens nicht verſtehen, denn es war Italieniſch. Gleichviel! Er hatte ja nur Buch⸗ ſtaben für Buchſtaben richtig zu geben, die Adreſſe war ſehr genau, der Ort allbekannt.
„Ich werde Antwort erhalten,“ ſagte Calderon und gab ſeinen Namen und ſeine Wohnung an. Dann ging er, beruhigt als habe er Alles gethan, was in ſeiner Macht ſtand, nach dem Curgarten zu⸗ rück, wo er unter der täglichen Staffage, die ihn zu dieſer Stunde ſchmückte, ſeinen Freund in unverwüſt⸗ lichem Gleichmuth bei der Taſſe Kaffee fand. Dieſe
Novellen⸗
Jeitung.
ſtürzte der Bergrath jedoch gegen ſeine Gewohnheit hinunter, als er Calderon kommen ſah, ſtand auf und ging ihm entgegen.
„Sie verſtehen es beſſer als mancher unſerer neuſten Tendenzromane, mich in Spannung zu ver⸗ ſetzen,“ ſagte er, ſeinen Arm in Calderon's ſchlingend. „Laſſen Sie uns alſo das Verſteck aufſuchen, das Sie der Oeffentlichkeit vorziehen, als fürchteten Sie, Ihres Kleinods gewaltſam beraubt zu werden. Wenn Ihre Perle nicht wenigſtens halb ſoviel Karat wiegt, als die des Königs von Spanien, die ein Bürger von Calais vor ein paar hundert Jahren— wahrſcheinlich im Wahnſinn!— dem fremden Potentaten geſchenkt haben ſoll— es iſt die größte in Europa, 126 Karat ſchwer—“
„Wenn auch nicht an Schwere, doch an Schönheit wird Ihnen die meinige gefallen,“ unterbrach ihn Calderon.„Ich habe ſie nur durch viele Mühe er⸗ langt.“— Beide gingen nicht weit. Der Bergrath erklärte, in dieſer Hitze keinen entfernten Platz auf⸗ ſuchen zu wollen, da er gar keinen Grund dafür ein⸗ ſehen könne; ſo ſetzten ſie ſich denn auf eine der Bänke in den Parkanlagen, welche die breite Aus⸗ mündung des Bärenloher Thales füllen. Calderon zog ein kleines Etui hervor, aus welchem er, in Seidenpapier gewickelt, ſeine gerühmte Perle zum Vorſchein brachte. Sie war wirklich ſehr ſchön, von
einer ganz anſtändigen Größe und Rundung; ihr
ſilberartiger Glanz und die reine ⸗Milchs fielen vor⸗ theilhaft in das Auge, und der Bergrath, als er ſie in Empfang nahm, nickte wohlgefällig. Er betrachtete ſie eine Weile aufmerkſam von allen Seiten, hielt ſie gegen das Licht und wog ſie in der Hand; dann ſah er den Beſitzer des Kleinods an, deſſen Blick während der Prüfung feſt auf ihm geruht hatte. „Haben Sie dieſe Perle wirklich mit aus dem Orient gebracht?“
„Ja,“ ſagte Calderon, die Stirn leicht runzelnd.
„Ihr Wort in Ehren— es fällt mir nicht ein, daran zu zweifeln. Dann aber ſind Sie von einem Händler betrogen worden: es iſt keine orientaliſche Perle.“
„Herr von Hayndorf!“
„Es thut mir leid, aber ich muß Ihnen ſagen, daß es eine deutſche— um nicht gerade zu behaupten, eine ſächſiſche— Perle iſt.“ 8
„Ihr ſpeciſiſch ſächſiſcher Patriotismus geht zu
weit!“ entgegnete Calderon mit ironiſcher Schärfe. „Am Ende werden Sie auch noch den ⸗Regent⸗ und «Koh⸗i⸗nur» als ſächſiſche Diamanten in Anſpruch nehmen.“.
„Spotten Sie nur! Ich ſage nichts, was ich nicht
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