Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
291
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nach andern nideonschef ge⸗ ld Jeun deſertirt tn, an venigſten

Pon ſuchen, was

Siegel.

vort gehört: wo ten? erwiderte el's Frage war nicht geben; im andere, als daß eeben gewaltſam hie Naͤhe ſeiner nen wohl geſagt, ben? fragte

Siegel trocken.

des Fräuleins c in Herzog⸗ ein Verwandter,

aus dem Hauſe fnetwegen auch Elſter's Heil⸗

e entgeguete Dann ſind

nun aber will ras will. Ic hat mir von Preußen er⸗ dem anwachs⸗

un wird, ihm

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Vierle

eine ſo wichtige Perſönlichkeit, wie den geweſenen Volontär Rudolf Kallenberg, auszuliefern. Sie und die gute Anna werden mich alſo Herr Calderon nennen.

Wir brauchen Sie gar nicht zu nennen, ſagte Siegel.

Noch beſſer! Iſt meine Schweſter zu Hauſe? Die Etikette verlangt doch nicht, jedesmal angemeldet zu werden? Wenn das aber nöthig, ſo würden Sie mich verbinden, wenn Sie mir das Boudoir der Kam⸗

merjungfer andeuteten, bei der man doch vorher um

Erlaubniß fragen muß..

Herr Kallenberg na, es hört mich ja kein Menſch! alſo, wenn's doch ſein ſoll, Herr Kaltrum, die ſpitzen Redensarten verfangen bei uns nicht. Das Fräulein iſt in ihrer Stube, und Anna ſitzt im Entree, klopfen Sie nur.

Mit dem Alten war nicht viel zu machen, das wußte Kallenberg ſchon von frühern Zeiten her, ob⸗ gleich er ſich damals einer großen Zuneigung des treuen Dieners ſeines Hauſes rühmen konnte. Anna dachte wohl milder über ihn. Er fand ſie im Vor⸗ zimmer ſeiner Schweſter. Auch ſie bewahrte bei ſeinem Eintritt die Ruhe, die nur er allein nicht erringen zu können glaubte. Hatte er denn aber jemals ernſtlich danach gerungen?

Liebe Anna, nach ſo langer Zeit ſehen wir uns wieder! ſagte er, indem er ihr die Hand reichte. Sie ſchien das nicht zu bemerken oder überſah es ab⸗ ſichtlich, ſo daß er ſeine Hand unberührt wieder zurück⸗ ziehen mußte, was immer etwas Unbehagliches hat.

Das Fräulein hat ſich ſehr gefreut, erwiderte Anna, indem ſie zur Thür ging, ihn zu melden.

Und Sie nicht 2 rief er.Bleiben Sie einen Moment noch, Anna. Ich habe Sie einſt beleidigt, ich bitte Sie heut aufrichtig um Verzeihung.

Das iſt vergeſſen und früher noch vergeben! ſagte ſie, aber ihre Stimme verrieth doch, daß ſie,

was das Vergeſſen betraf, nicht ganz die Wahrheit

geſprochen hatte.Das Fräulein hat ſchon gehört, daß Sie hier ſind.

Sie ging in das Nebenzimmer und Kallenberg konnte ſein erneutes Staunen nicht überwinden, wie dies bildhübſche Mädchen in zwölf Jahren gealtert war. Angelica war es doch nicht!

Als er zu ihr kam, welche das Sopha nicht ver⸗ laſſen, nur mit dem Bett oder dem Rollſtuhl ver⸗ tauſchen konnte, mußte er ſich ſagen, daß er ſich heut früh doch getäuſcht hatte. Die Freude und Aufregung hatten ihr wohl für einen Moment jugendliche Roſen auf die Wangen zurückgezaubert, welche ihr längſt abgeblüht waren. Angelica ſah jetzt blaß aus und

Jolge. 291 die Jahre oft nur zu früh in das anmuthigſte Frauen⸗ antlitz eingraben. Sie war ja auch zwei und dreißig Jahre alt und ſeit ihrer Kindheit krank geweſen.

Hat der Hofrath Deine Hoffnungen beſtätigt? fragte der Bruder, als er ſie begrüßt und ſich auf einen Seſſel neben ſie geſetzt hatte.

Hoffnung läßt er mir, aber er verſpricht nichts, ehe er der Erfüllung ſicher iſt, erwiderte Angelica. Von mir wollen wir aber nicht reden, ſondern von Dir. Ich danke Dir, daß Du wieder gekommen biſt. Du ſollſt mir nun erzählen, ich bitte Dich darum. Vor Allem, ob Du nun im Vaterlande bleiben wirſt

Ich bin heut ein Kosmopolit genannt worden ubi bene, ibi patria! Deine claſſiſchen Reminiſcenzen aus der goldenen Kinderzeit, wo Herr Ubald, unſer Hauslehrer, Dich durchaus im Latein unterrichten wollte, bedürfen keiner Ueberſetzung des Spruchs.

Weiche mir nicht aus, Rudolf! bat die Schweſter. Du haſt Schritte gethan, nicht wahr?

Wie ⸗Du mich kennſt, Angelica und ich habe mich nicht verändert! mußt Du das für unmöglich halten.

Aber ſagte ſie zögernd, beinah furchtſam wenn es ein Anderer für Dich übernähme

Du? rief er ſchnell mit einem innigen Blicke.

Dein alter Escadronchef, der jetzt Regiments⸗ commandeur iſt, hat ſelbſt mit mir davon geſprochen, er rühmte Dich

Daß ich ihn gefehlt habe? rief Rudolf in unverbeſſerlichem Uebermuthe laut lachend.Der alte Peliſſier ſetzte einen Chaſſeur, der für einen Schlag ihn erſchießen wollte und dem der Karabiner verſagte, nur in Arreſt, weil er ſeine Waffen nicht in gutem Stand habe will mein Herr von Waldſee ihn noch an Großmuth übertreffen und gar ein Gnaden⸗ geſuch für mich einreichen?

Angelica war über die Weiſe, wie er ihre Mit⸗ theilungen aufnahm, erröthet, aber ihre Geduld und Milde ließ ſich nicht irren.

Waldſee kann das freilich nicht, ſagte ſie, aber er hat ſich erboten, Alles, was in ſeiner Macht ſteht, zur Unterſtützung eines Geſuchs zu thun. Er rühmte, wie ich ſagte, Deine guten Eigenſchaften und bedauerte nur, daß Du Dich von Deiner Leiden⸗ ſchaftlichkeit oft hinreißen ließeſt, das aber, meinte er, werde ſich mit der gereiften Erfahrung gegeben haben, und er zweifelte keinen Augenblick, daß Du Dich bei Deiner Entſchloſſenheit durch die Welt ſchla⸗ gen werdeſt. Ich ſagte ihm, daß ich gar keine Nach⸗ richten von Dir hätte, er wollte es mir nicht glauben und gab mir die beſten Rathſchläge, was für Dich

ihr Mund war von jenen Linien umzogen, welche

zu thun ſei. Darf ich ſie befolgen?