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in einer gewiſſen Entfernung vom Ufer, meiſt mit demſelben parallel, fortziehen. Viele dieſer Pfähle ſind an ihrer Spitze angebrannt, als wären ſie durch Feuer bis auf den alten Waſſerſpiegel zerſtört. In dem Grunde, zwiſchen ihnen, liegen unglaubliche Mengen von Gegenſtänden allerlei Art, nicht blos Rüſtzeug und Waffen, ſondern das vollſtändige Hausgeräth, Töpfe und Schalen der verſchiedenſten Art, Schleifſteine und Handmühlen, weiblicher Schmuck, Haarna⸗ deln, Kämme, Schnallen. Daneben fördert man aus der Tiefe halbfertige Geräthe, die zerbrochen ſind, ehe ſie ihre Vollendung erreicht hatten; ſelbſt Formen zum Bronzeguß hat man vom Seegrunde emporgehoben. Endlich ſtößt man, namentlich im Untergrunde des Dorfs, auf zuweilen beträchtliche Mengen von Nahrungsreſten und Nahrungsmitteln. Thier⸗ knochen ſind an dieſen Stellen in ſo großer Zahl geſammelt worden, daß Rütimeyer in Baſel daraus ein Bild der damals lebenden Thierwelt von großer Vollſtändigkeit hat herſtellen können. Dieſe Knochen ſind zum Theil benagt, die größeren geſpalten, offenbar, um das Mark daraus zu gewinnen. Geknackte Haſelnüſſe kommen haufenweiſe vor. Daneben liegen an vielen Stellen Maſſen von halb oder gaͤnz verkohl⸗ ten pflanzlichen Nahrungsſtoffen, insbeſondere Hafer, Gerſte und Weizen, ſowie kleine, häufig geſpaltene Aepfel, Kirſchen und andere Waldfrüchte, welche ſich in dem feuchten Boden und in ihrem verkohlten Zuſtande unverſehrt erhalten haben. Auch ganze Aehren, namentlich von Gerſte, ſind gefunden worden, jedoch gleichfalls verkohlt. Ja, in Robenhauſen und am Bodenſee iſt gebackenes und angebranntes Brod in platten Kuchen, noch nicht gebrochen, hervorbefördert worden. Dazu kommen endlich zahlreiche Geflechte und Gewebe aus Flachs, niemals aus Wolle oder Hanf, zum Theil zu Kleidungsſtücken verarbeitet, Leder, ſowie das zu ihrer Anfertigung nöthige Geräth, namentlich Weber⸗Werkzeuge.
Es läßt ſich demnach nicht verkennen, daß es ſich hier nicht um vorübergehende Zufluchtsſtätten, ſondern um wirk⸗ liche Wohnplätze handelt, an denen eine nicht zu kleine Be⸗ völkerung alle Aufgaben des häuslichen Lebens erfüllt hat. Hier ſind die Erträge des Feldbaues, der Viehzucht, der Jagd und des Fiſchfanges nicht blos geſammelt, ſondern auch ver⸗ zehrt worden; hier ſind die Werkzeuge nicht blos aufbewahrt, ſondern gefertigt, deren man ſich bediente, hier die Kleidungs⸗ eſtücke gemacht, mit denen man ſich deckte; hier haben ſich Männer, Frauen und Kinder lange Zeit aufgehalten und Vorräthe aller Art nicht blos für den Winter und für Fälle der Noth aufgehäuft, ſondern ſie auch verbraucht.
Steht die Thatſache einmal feſt, daß es wirkliche„See⸗ dörfer“ mit„Pfahlbauern“ gab, ſo darf uns die Frage nicht beunruhigen, weshalb ſpäter dieſe Anlagen anderen vorgezo⸗ gen wurden. Wir, in unſerer vorgerückten Bildung, welche das Ergebniß einer vieltauſendjährigen Arbeit unſerer Vor⸗ fahren iſt, wir können uns nur ſchwer ein Bild entwerfen von allen den Umſtänden, welche einſtmals ein noch unerfah⸗ renes und vielfach hülfloſes Volk zwangen, Formen des geſell⸗ ſchaftlichen Lebens zu ſuchen, die uns unbegreiflich erſcheinen. In einem Lande, das wahrſcheinlich überall von ſchwer durch⸗ dringlichen Urwäldern bedeckt war, mochte ein Volk, das nur die allerroheſten und allerdürftigſten Werkzeuge beſaß, mit der größten Anſtrengung kaum den Raum gewinnen, auf dem es Ackerbau treiben konnte, und der Schutz des Waſſers, ſo gering er auch gegen überlegene Angriffe ſein mochte, konnte doch genügen, um Weib und Kind, Hausthiere und Nahrungs⸗ vorrath vor plötzlichen Ueberfällen und vor dem Angriff reißender Thiere ſicher zu ſtellen.
Novellen⸗
Zeilung.
War aber einmal eine beſtimmte Form des Lebens gewonnen, ſo mochte dieſe auch für lange Zeiten beſtimmend ſein. Wir wiſſen es ja, wie viel dazu gehört, um einmal beſtehende Einrichtungen, an welche ſich die ganze Lebensweiſe einer Bevölkerung angepaßt hat, wieder zu beſeitigen. Jahr⸗ hunderte hindurch haben unſere kleinen Städte ihre ärmlichen Feſtungsmauern und Wallgräben bewahrt, als es längſt feſt⸗ ſtand, daß ſie gegen die neue Art der Kriegführung keinen Schutz mehr gewährten und daß ſie für das Wohlſein der Bürger, für Handel und Wandel nur Hinderniſſe darſtellten. Man lebte eben in der Väter Weiſe fort.
Könnte noch ein Zweifel bleiben, daß überhaupt Pfahl⸗ dörfer und Pfahlſtädte beſtanden haben, ſo wird derſelbe durch ganz unzweifelhafte geſchichtliche Zeugniſſe widerlegt. Freilich nicht für unſer Land, aber wohl für Gegenden, wo das Bedürfniß an ſich nicht größer ſein konnte.
Herodot, ein griechiſcher Schriftſteller aus dem 5. Jahr⸗ hundert v. Chr., den man den Vater der Geſchichtſchreiber genannt hat, berichtet weitläufig über eine ſolche Anlage. In Thracien wohnte das Volk der Päonier. Mehrere ſeiner Stämme hatten ihre Sitze auf dem Landez einer dagegen bewohnte eine Pfahlſtadt mitten in dem See Praſias, welche nur durch eine ſchmale Brücke mit dem Ufer in Ver⸗ bindung ſtand. Die Stadt, deren Pfahlwerk urſprünglich durch gemeinſame Arbeit der Bürger errichtet war, wurde in der Weiſe erweitert, daß jeder Bürger, der ein Weib nahm, die Verpflichtung überkam, aus dem benachbarten Orbelos⸗ Gebirge drei Pfähle herbeizuſchaffen und aufzuſtellen; die Zahl der Weiber war freigeſtellt. Auf dieſe Pfähle wurde ein gemeinſchaftlicher Boden von Balken gelegt, und darauf hatte jeder ſeine Hütte, die durch eine Fallthür mit dem Waſſer in Verbindung ſtand. Kleine Kinder band man mit dem Fuße an einen Strick, damit ſie nicht fielen. Pferde und Rindvieh wurden welche ſo zahlreich in dem See ware. Fallthüre zu öffnen und an einem Stria
herabzu⸗
laſſen brauchte, um nach kurzer Zeit eine große Zahl davoen
heraufzuziehen.
Hier haben wir die vollſtändige Beſchreibung einer ſolchen Vereinigung von Pfahlbürgern, und welchen Nutzen die Lage auf dem See bot, lehrt die Thatſache, daß der Feld⸗ herr des perſiſchen Königs Darius, Megabazos, nicht im Stande war, die See⸗Päonier zu unterwerfen. Leider be⸗ ſitzen wir keine neuere Beſchreibung dieſes Ortes, jedoch ſcheint ein franzöſiſcher Reiſender, Deville, kürzlich die Reſte der Pfahlbauten aufgefunden zu haben.
Ein anderes, nicht minder merkwürdiges Beiſpiel von Pfahlbauten hat uns ein Zeitgenoſſe des Herodot, der Altva⸗ ter der Medicin, Hippokrates, hinterlaſſen., In ſeiner wich⸗ tigſten und durch ihre Genauigkeit noch jetzt muſtergültigen Abhandlung, der über Luft, Waſſer und Orte, ſchildert er die Lebensweiſe der Anwohner des Phaſis, eines Fluſſes, der in den öſtlichen Winkel des Schwarzen Meeres mündet. Er berichtet, daß ſie in Sümpfen lebten, wo ſie Häuſer aus Holz und Rohr über dem Waſſer hatten und in„Einbäumen“ (Kähne aus einem Baum) aufwärts und abwärts fuhren. Ihre Geſundheit ſei durch dieſe Lebensweiſe ſehr beein— trächkgt.
Der Admiral Dumont d'Urville fand auf ſeiner großen, während der Jahre 1826 bis 1829 ausgeführten Entdeckungs⸗ reiſe an der Küſte von Neu⸗Guinea in dem Hafen von Dorei vier Dörfer, jedes aus 8 bis 10 auf Pfählen im Meere errichteten Häuſern beſtehend; jedes Haus wiederum eine
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