Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
284
Einzelbild herunterladen

284

die Zahl der ihm vorgeſtellten Perſonen 1500. Mehr als hundert franzöſiſche oder italieniſche Officiere kamen nach und nach in voller Uniform und mit ihrem Degen, mit regelmäßi⸗ gen Reiſepäſſen verſehen, nach Porto Ferrajo.

Ganz beſonders zeigten die Engländer einen großen Eifer, den Mann zu ſehen, der gegen ihr Vaterland den Schwur des Hannibal geleiſtet hatte, und der während zwan⸗ zig Jahre der Dictatur oder der Regierung fortwährend von dem Gedanken beherrſcht worden war, ihre Inſel zu Grunde zu richten.

Bei ſeinen Excurſionen in's Innere der Inſel hatte Napoleon drei Meilen von Porto Ferrajo an der Bai zwiſchen zwei Hügeln, die ſich in Fächerform öffnen und ſich an die Bergkette anlehnen, von welcher die Bai umgeben iſt, ein kleines weißes Haus bemerkt, das eine maleriſche Umgebung hatte und in der Größe und Einſamkeit der Lage wie ver⸗ loren erſchien.

Dieſes Haus, das unter dem Namen Villa de San Martino bekannt iſt, gehörte dem Notar des Kaiſers auf der Inſel Elba, Georg Manganaro, der es ihm für den Preis von 52,000 toscaniſchen Lire verkaufte.

Napoleon bewohnte dasſelbe mit Madame mèere, dem imponirenden Typus des Ernſtes und der Zärtlichkeit, und der Prinzeſſin Pauline Paulette, wie der Kaiſer ſie fami⸗ liär nannte, die bei der erſten Nachricht von dem Unglück ihres Bruders aus Rom herbeigeeilt war, das beſte lebende Weſen, ſagte der Kaiſer und welcher Madame mere vorher⸗ geſagt hatte, ihre Freigebigkeit werde ſie zuletzt in ein Hos pital bringen..

San Martino iſt ein kleines, ganz einfaches Gebäude mit einer Terraſſe im italieniſchen Geſchmack. Es hat eine Etage nach der Bai zu und an der Seite des Berges blos ein Erdgeſchoß. Die Anſicht von dort umfaßt die Stadt, das Meer, die Küſte von Toscana und die Piſaniſchen Berge. Napoleon konnte aus ſeinen Fenſtern die ganze Rhede über⸗ ſehen, auf der beſtändig Schiffe der engliſchen Diviſion kreuzten.;

Zwei kleine Salons, von denen der eine wegen des Charakters ſeiner Tapete der ägyptiſche hieß, dienten für Empfänge. In dem Badezimmer ließ er eine Figur der Wahrheit mit der Inſchrift:Qui odit veritatem, odit lucem malen.

In den letzten Jahren iſt der Villa San Martino ein Gebäude in der Form eines Muſeums hinzugefügt worden, um neben der zeitweiligen Reſidenz Napoleon's im Jahr 1814 Gegenſtände aufzubewahren, die ſich an ſeine Perſon oder an ſeine Zeit knüpfen, während man ſeine urſprüngliche Wohnung gewiſſenhaft geachtet hat.

Man hat in dieſer Art den materiellen Werth von San Martino vermehrt und ihm einen artiſtiſchen Werth gegeben, den es vorher nicht hatte, doch ohne zu dem ſpeciellen Inter⸗ eſſe dieſer Wohnung etwas hinzuzufügen, das ganz darin beruht, daß Napoleon in dieſem engen Raume gelebt, gedacht und gelitten hat, ehe er nach jener felſigen Inſel im atlanti⸗ ſchen Ocean gebracht wurde, gegen die Elba einen paradieſi⸗ ſchen Aufenthalt bildete.

Napoleon beſchäftigte ſich in San Martino wie in Porto Ferrajo ſehr thätig mit ſeinem Garten. Als Zeuge davon iſt noch eine von ſeiner Hand gepflanzte kleine Ceder und eine Hecke geblieben, die man jetzt gegen die ungeduldigen und gierigen Sammler ſchützen muß.

Madame Lätitig und die Prinzeſſin Pauline halfen ihm bei ſeinen ländlichen Arbeiten; ſie betheiligten ſich mit oder

Novellen⸗

Zeitung.

ohne ihr Wiſſen an dieſer Komödie der Ruhe, die er mit der vollendeten Geſchicklichkeit ſpielte, die er in Allem, was er unternahm, zeigte, und die ganz Europa betrog.

Der engliſche Commiſſär, Sir Niel Campbell, welcher um der Form willen am toscaniſchen Hofe beglaubigt war, deſſen wirkliche Miſſion aber darin beſtand, die Abſichten und Bewegungen des Kaiſers auf der Inſel Elba zu überwachen, theilte in dieſer Rückſicht den allgemeinen Irrthum.

Ich habe die Welt, ſagte Napoleon,zu viel mit mir beſchäftigt, und was ſich auch künftig ereignen mag, ſo beab⸗ ſichtige ich, demſelben fremd zu bleiben. Ich will nur König auf meiner Inſel ſein. Ich denke nur noch an meine Familie, an mein Haus, meine Bäume und meinen Hühnerhof!

Sir Campbell theilte dieſe Worte des Kaiſers in diplo⸗ matiſchen Noten mit, die er nach London ſchickte und in Europa ſchlief Jedermann ruhig.

In den Kanzleien wiederholte man mit Vergnügen, Napoleon habe auf dieſer reizenden Inſel in der Mitte ſeiner Familie und ſeiner ergebenſten Freunde endlich die Ruhe gefunden.

Für einen gewöhnlichen Geiſt wäre die Sphäre eine ganze Inſel hinreichend groß, ja ſogar zu groß geweſen. Aber für dieſes große Genie, das ſich in ſeine unermeßlichen, einen Augenblick unterbrochenen Erfolge verſenkte, bildeten die Stille, der Frieden, das dolce far niente unter dem azurblauen Himmel, das Toben der Wogen am Strande, der Geſang der Vögel auf den grünen Bäumen, die verſchieden⸗ artige Geſtaltung der kleinen lächelnden Blumen nicht die normalen Bedingungen ſeiner Exiſtenz. Er bedurfte der Action, des Kampfes, des Publicums, der Bewegung der Menſchen und der Ereigniſſe.

Es giebt zwei Arten, die Thatſachen zu betreK welche ihren Einfluß auf das Geſchick dieſer Welt auis von der Höhe veet auch unten, in ihren Gefan. kungen, oder in ihrer ſofortigen, ſichtbaren Action. Die allgemeinen Reſultate zeigen ſich nur langſam deutlich; die Philoſophie der Geſchichte muß ſich ihrer bemächtigen und ſie den kurzſichtigen Augen der großen Menge darſtellen. Die directen greifbaren Erfolge, im Gegentheil, ergreifen den Zeitgenoſſen, für den ſie das einzige Element ſind, nach dem er ſie beurtheilt.

Von dieſem letztern Geſichtspunkte aus konnte Napoleon mit ſeinem Werke nicht befriedigt ſein, und ebenſowenig es für beendigt halten, obwohl es das wirklichwar..

Wenn Napoleon auf der Inſel Elba nicht den Frieden ſuchte, ſondern auf Mittel dachte, ſich wieder an die Spitze Frankreichs zu ſtellen, ſo gehorchte er nur den Bedingungen ſeiner Natur, der Logik ſeiner Lage, der Stimme ſeines Ge⸗ wiſſens, dem brennenden Durſte nach der Größe ſeines Vaterlandes, die ihm am Herzen lag. B

Mit Ueberlegung arbeitete der Mann der Action ſeinen Plan aus und während er verſuchte, die Welt zu überreden, er beluſtige ſich wie Scävola mit den kleinen Steinen am Geſtade des Meeres, bereitete er ſeine letzte abenteuerliche Unternehmung vor..

Als der Winter ſich näherte, war Napoleon aus ſeiner Villa nach Porto Ferrajo zurückgekehrt, um dort den Palaſt der Gouverneure zu bewohnen.

Eines Tages im Monat Februar meldete man ihm, ein erſt an demſelben Morgen gelandeter Franzoſe bitte, ihn ſprechen zu dürfen.

Es war der Auditeur im Staatsrath, Herr de Chabou⸗

ſevon unſerm Sie ſch Und ſie Aclürten verlo Bälletin geha Der Ka Ner, die erſ dann fort: die! Prieſter, den die jetzige Gei in dem Staat verzichten. Der Kai ab und dan Grachgültig Glau zukommen? Auf e Das oder Nein. Nun Iſt T Er ha die linzufrien Gut, überlegen. Die zw ſtatt. Die2 der dußteppie Der Ka Auditeur mit Gemälde, w Fuantreichs kraft habe Hert von dem G Nun die Erwart daris gehe nich beglei ſeim Kragen