Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
281
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Vierte Folge.

Iſt das nicht wahr und klar wie die Sonne? Geht von alledem nur ein Jota ab? Und doch, wenn ich's ausſpräche, man würde mir mit hölliſchem Gelächter antworten:«Laſter? Warum nicht gar! Verderben? Warum nicht gar! Freier Geiſt, friſcher Muth, kühner und voller Genuß des Lebens! Kriech' in dein Ge⸗ mäuer, alter Schuhu, und ſtör' uns das Vergnügen nicht und die Arbeit, womit wir uns und Andere beglücken! Deine Zeit iſt vorbei du langweilſt Gott und die Welt; und je mehr du dich aufdrängſt⸗ um ſo widerlicher machſt du dich!« Und ſie haben mich widerlegt, weil ſie mich gehöhnt haben, und ſicher und fröhlich ſchreiten ſie hin in den blumen überdeckten Sumpf, um in Maſſe zu erſticken. Aber nicht mit den erſten Tritten ſchon weicht der Boden; die kecken Sohlen finden noch Grund, und lachend drehen die Geſellen ſich um und rufen: Sind wir nicht immer noch da, krächzender Rabe? Und geht's nicht luſtig vorwärts, derweil du verlaſſen hocken bleibſt, Pedant? Es wäre natürlich ſchade, wenn der Mund nicht vorher hochmüthige Reden führte, ehe er mit Koth geſtopft wird für immer!

Ein Lächeln, verachtend und grauſam zugleich, flog um ſeinen Mund. Dann verſank er in ein Sinnen. Sein Haupt erhebend, mit einer eignen Miſchung von Ernſt und Humor, ſagte er:Zuweilen, wenn ich

tt''s mir vor, als hätte

große Literaturepoche

das alles hin? Wenn

men Mation bilden, dann ſteht's mit meiner Sache ſchlecht! Ich weiß, was ich thue: ich mehre die Tagesblätter in's Immenſe und ver⸗

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rangirten mit den erſten Geiſtern der Menſchheit. Und doch zupft ſie wieder das Gewiſſen am Ohr und raunt ihnen zu, welch' Gaukelſpiel ſie eigentlich treiben und welchem Geſchick in drei Tagen ihr Blättchen rettungslos verfällt. Neid ſteigt in ihrem Herzen empor gegen diejenigen, deren Arbeiten länger zu dauern drohen; ſie rivaliſiren, kämpfen mit ihnen, und die Bosheit erſetzt das Genie. Erquickt ſich die Leſewelt nicht am liebſten an frechen Schmähungen und Läſterungen? Bezaubert man ſie'nicht am raſcheſten, wenn man ihr das ſüße Gift der berühmten Schaden⸗ freude zu koſten giebt? Iſt nicht das Publicum, das ſelber genußſüchtig von Tag zu Tag lebt, ſo ſchofel wie der Scribent, und freut es ſich nicht königlich, wenn dieſer einen der großen Hänſe, die beſſer ſein wollen als andere Leute, mit Füßen tritt? EFriſch an's Werk,» ruft nun einer dem andern zu,«und treu zu⸗ ſammengeſtanden! Iſt das Feuilleton, das ich geſtern geſchrieben, heute bereits Wiſch, ſo machen wir heut' ein neues wir ſagen dem Publicum Tag für Tag unſer Sprüchlein und wenn's im Papier ſich ver⸗ krümelt, ſo bleibt's dafür in den Köpfen hängen. Keine nobeln, gründlichen und dauernden Werke mehr: das ſei die Parole! Wer eins liefert, der wird todt geſchmäht, todtgehöhnt. Nichts ſoll mehr aufkommen, als was wir ſelbſt oder unſere Cameraden liefern. Außerdem aber wir ſind nicht ganz und gar un⸗ erbittlich! Wenn ſie kommen, um vor uns niederzu⸗ fallen und uns anzubeten, dann fühlen wir ein menſchlich Rühren, und wir überlegen, ob wir nicht doch etwas für ſie thun wollen! Man hat auch ſeine Anwand⸗ lungen von Großmuth und läßt hier und da einen

den Geiſt zu 7 3 armen Teufel leben; denn es iſt ein ſchönes Ge⸗ te der Böſe, ſchaffe ihnen das Regiment Geſagt, ethan. Zahl⸗ fühl, ſich ſagen zu können: den konnteſt du zertreten, die ganze loſe Blätter ſproßten empor und jedes hatte ſein todt, mauſetodt machen und er zappelt noch!

augen, ohne Feuilleton, welches jeden Tag gefüllt werden mußte. 3 3

eru dn ün, Mit den Werken des Genius und des gediegenen Während dieſer Herzensergießung hatten ſich die tam aum⸗ Talents? Der Genius iſt ſpröde, das gediegene Talent Züge des Redners mehr und mehr geklärt; das Völk⸗ nicht ſcmäͤb⸗ auch und ihre Werke kann man nicht einmal brauchen! ſchen, das er zauſte, ſchien ihn mehr zu amuſiren als iehen und Räſcherwaare muß es ſein, appetitlich ausſehend und zu ärgern, und da auch ich nicht umhin konnte, ein Hreigentlich duftend, und ſchnabuliren muß man's können vom beifälliges Geſicht zu machen, ſo rief er mit wahrem rar Ehre Fleck weg!, Das liefern am beſten die geiſtreichen Vergnügen:Dieſe Kerls! Iſt es nicht wunderbar, s mich in Jungens am pikanteſten die Judenjungens daß Menſchen, die keine halbe Zeile für die Nachwelt malaublic und ſie herrſchen daher im Feuilleton. Und an dieſen ſchreiben können, in der Mitwelt eine Art Allmacht unc 1 Bürſchchen hat der Böſe nun ſein eigenthümliches ſich aneignen und von ihrem Schreibſtuhl auf die

Welt herniederſehen können wie Zeus vom Olymp? Sie ſchütteln ihre Locken und es bebt der Erdkreis!

Vergnügen; denn ſie ſtülpen Alles um und breiten

as Licht der allenthalben ſein Reich aus das Reich der Ver⸗

licen Reige kehrtheit! Frivol und oberflächlich, wie ſie ſind, haſſen, Sie ſchleudern den Donnerkeil unter die Sterblichen in, die auf ſie den Ernſt, den Tiefſinn und den Adel der Seele, und erſchreckt läuft der Haufe von dem Opfer iigum ſih und fühlen ſich glücklich, ſolchem altmodiſchen Trödel täg⸗ hinweg, das getödtet am Boden liegt. Sie haben veiblicen lich eins verſetzen zu können. Die Gewalt, die ſie haben, die Gewalt der Schlüſſel, zu binden und zu löſen 1 Rnu e der Einfluß, den ſie üben, macht ſie ſtolz, übermüthig, und die Welt beſtätigt ſie durch eifrige Unter⸗ Literatur und ſie kommen ſich vor, als wären ſie etwas und werfung unter ihre Decrete. Sie nehmen ſich alles