268 Novellen⸗Zeitung.
V.
Das iſt die wahre Geſchichte des Blaubartes. Das An⸗ denken an ihn hat ſich in den Dörfern in der Bretagne ſo verewigt, daß man in der Umgebung von Nantes überall ſeine Spuren zu finden glaubt. Es giebt dort keine Ruine, der man nicht den Namen„das Schloß des Blaubarts“ ge⸗ geben hätte; es finden ſich deren einige, wo ſich zuweilen ſein Geiſt zeigt; das Geräuſch des Windes in dem Gebüſch ent⸗ ſteht von dem Durchſtreichen der Seelen, die er zu Verdamm⸗ ten gemacht hat; das Sauſen des Sturmes in den Wäldern iſt das Geſchrei ſeiner Opfer, die noch im Fegefeuer zurück⸗ gehalten werden.
Ein engliſcher Reiſender, Robert Bell, hat, nachdem er in dem Archive die Proceßacten des Blaubartes eingeſehen hatte, den Ort aufgeſucht, wo er hingerichtet wurde, und die Reſte eines Büßungdenkmals nachgewieſen, die ſich jetzt noch auf der Chauſſee der Madelaine finden. Es iſt eine Niſche im gothiſchen Styl, die ſehr beſchädigt iſt, worin ſih früher eine Bildſäule der Jungfrau fand. Das Volk hatte ſie Notre- Dame-de-Crée-lait genannt und ſich eingebildet, ich kann nicht errathen, aus welchem Grunde, daß die Anbetung die⸗ ſer Madonna den Ammen Milch verſchaffe.
Bei dieſer Gelegenheit wollen wir eine wenig bekannte Thatſache erwähnen. England beſtreitet der Bretagne die ſonderbare Ehre, den Typus des Blaubarts in der Perſon eines gewiſſen Comorre, Grafen von Cornwallis, erzeugt zu
haben, der ſeine Verbrechen im ſechzehnten Jahrhundert voll⸗
brachte. Wo wird die nationale Eigenliebe ſich wohl noch ihr Neſt bauen? Wenn man wenigſtens den Urſprung der Legende bis auf Heinrich VIII. zurückleitete!
VI
Wie ſein Gebieter wurde Prelati, von dem Gilles de Retz Abſchied genommen hatte, indem er ihm ſagte,„daß ſie ſich in dieſer Welt nicht wieder ſehen würden“, aber ohne zu wagen, ihm ein Zuſammentreffen in einer beſſeren Welt zu verſprechen, zum Feuertode verurtheilt. Sein Tod wurde aber aufgeſchoben und ſeine Strafe hernach in eine lebens⸗ längliche Einſperrung in eine Kloſterzelle verwandelt.
Die Brüder Couillaut, Böſewichter gemeiner Herkunft, wurden zuerſt am Pranger ausgeſtellt, dann wurde ihnen mit einem glühenden Eiſen die Zunge ausgeriſſen und nach⸗ her wurden ſie auf dem Port⸗Maillard⸗Platze gehängt.
Andere Mitſchuldige, Prieſter und Laien, die zu ſchmach⸗ vollen Strafen verurtheilt wurden, endigten ihr Leben in den Kerkern des geiſtlichen Gerichts und der Inquiſition.
Gilles de Retz hinterließ eine Tochter, Marie de Laval, die ſich zweimal vermählte und 1458 kinderlos ſtarb.
Unter Heinrich III. wurde die Baronie Retz als Her⸗ zogthum zu einer Pairie errichtet, und zwar zu Gunſten einer italieniſchen Familie de Gondi, welche ſie gekauft hatte. Eins der bekannteſten Mitglieder derſelben war der berüchtigte Abbé de Gondi, Coadjutor des Erzbiſchofs von Paris, welcher in der Geſchichte als Cardinal de Retz bekannt geworden iſt.
C.
Ein weiblicher Soldat. 3 Als ſim Jahre 1813 der König von Preußen zu den Fahnen rief und Alle, Alle kamen, und der ruſſiſche Kaiſer von Kaliſch aus alle deutſchen Staatsbürger der Rheinbunds⸗ Staaten aufforderte ſich der damaligen allgemeinen Bewegung gegen Napoleon I. anzuſchließen, war es vorzüglich das Lützowſche Freicorps, welches durch ſeine Verbindungen
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im Tugendbunde auch viele Nicht⸗Preußen anzog. Eine Compagnie deſſelben war von dem damals ſchon verwunde⸗ deten General von Scharnhorſt angewieſen worden, ſich von Dresden aus längs des Erzgebirges zurückzuziehen, um das Hauptquartier zu erreichen. Unter dieſen Umſtänden fand ſich ein junger Preuße ein, welcher auf der Wanderſchaft als Müllergeſelle einen preußiſchen Heerestheil aufſuchte, um ebenfalls dem königlichen Aufrufe zu genügen, und dieſe Compagnie war es, welche er zuerſt antraf. Sein Name war Nageduſch und ſein Geburtsort das Dorf Prauß zwiſchen Nimptſch und Strehlen in Schleſien. Nachdem die Infanterie des Lützowſchen Freicorps nach dem erſten Pariſer Frieden und der Erwerbung der Rheinprovinz in das 25. Infanterie⸗ Regiment umgewandelt war, erhielt Nageduſch als Aner⸗ kennung ſeiner treu geleiſteten Dienſte eine Anſtellung als Zollbeamter in Düſſeldorf.
Ein paar Jahre nachher gingen zwei Herren daſelbſt an dem Rheine entlang, wo Nageduſch den Dienſt hatte, der, da er den einen dieſer Herren kannte, dieſen mit der Bitte anſprach, er möge ihm erlauben, den andern Herrn anzure⸗ den. Dies geſchah auch wie folgt:„Sie waren der erſte Hauptmann der dritten Compagnie des 2. Bataillons der Lützower Jäger, bei der ich damals Dienſte genommen hatte.“ Der Angeredete, der nachherige General⸗Conſul Dr. Neige⸗ baur, erwiderte:„Sie ſind ja Nageduſch aus Schleſien, ein braver Soldat! wie geht's? wie iſt's gegangen?“ Nage⸗ duſch erzählte, daß er aus allen Gefechten unverletzt hervor⸗ gegangen, welchen ſeine Compagnie, nachdem der gedachte Hauptmann verwundet in Gefangenſchaft gerathen war, bei⸗ gewohnt, und daß es ihm in ſeiner jetzigen Stellung recht gut gehe; auch ſei er verheirathet und wolle ſeine Frau herbei⸗ rufen, da ſie ebenfalls dem Hauptmann bekannt ſei. Auch erſchien bald eine wohlgeſtaltete anſtändige Frau, wobei
Nageduſch frug:„Kennen Sie dieſelbe?“ Die Antworr—
war:„Ich habe ſie nie geſehen.“ Da entgegnete Nageduſch: „Dieſe meine jetzige Frau war damals der ſiebente Mann im erſten Gliede, mit dem Sie ſtets zufrieden waren, und den Sie beſonders lobten, als bei einem mißglückten Bajonnet⸗ Angriff der hinter Ihnen vordringende Flügel⸗Unterofficier durch eine Kugel darniedergeſtreckt wurde, und Ihnen der Czako vom Kopfe herabgeſchoſſen ward, und der Ruf laut ward: der Hauptmann iſt erſchoſſen! Sie aber riefen: Noch nicht! immer vorwärts!! Nach beendetem Gefecht lobten Sie namentlich meine Frau wegen ihrer unerſchrockenen Haltung im heftigſten Feuer, welches Lob ſie mit dem ſechszehnjähri⸗ gen Tambour theilte, dem, neben Ihnen ſchreitend, n Freude angeſehen hatte, die ſich in ſeinem G darüber, daß er den Sturmmarſch im Ernſt zur ſchlagen durfte.“ Der Hauptmann konnte ſich erinnern, da derſelbe in Spanien Fremden gehörte, die ſich, aus u ſchaft befreit, in dieſer Compe allein von dem 7. Mann im e entſinnen, daß zwei ſehr brave Haltung neben einander geſtanden, i Kaufmannsſohn aus Bremen war, ohne ſie bei ihrem ähnli⸗ chen anſtändigen Ausſehen von einander unterſcheiden zu können. Man hat vielfach von anderen F nung gethan, die ſich in den Befreiung hervorgethan. Von dieſer Helden⸗Jung Rühmens gemacht worden zu ſein, deſien ſi
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