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Solchen Sätzen zu widerſprechen, muß man anders organiſirt ſein als ich.— Ich ließ ihn reden.
„Die Maſſe,“ fuhr er fort,„ruft gegenwärtig dem Schriftſteller zu:-Unterhalte mich um jeden Preis! Du ſollſt nichts als mir die Zeit vertreiben; aber zu dieſem Zweck kannſt du jedes Mittel anwenden. Genire dich durchaus nicht— ich kann ſchon was vertragen! Was du aber ganz und gar nicht darfſt, das iſt: mir eine Anſtrengung zumuthen. In dieſer Beziehung bin ich gnadelos: die Verdammung deines Products iſt unausbleiblich. Ich will Genuß haben, abſolut müheloſen Genuß; und dieſen mir zu ver⸗ ſchaffen, dazu biſt du eben Poet! Ich will dein Buch leſen, auf das Sopha hingeſtreckt, zwiſchen Schlaf und Wachen, und kein Anſpruch an eine Mitwirkung von meiner Seite darf mich ſtören. Das iſt keine Kunſt, auf den Leſer zu wirken, wenn er ſelber denkt und fühlt! Ich wie daliegen wie ein Leichnam und mich nicht rühren, und du mußt mich dennoch zu reizen, zu packen, zu erſchüttern und in ein Meer von Luſt zu tauchen wiſſen. Das iſt deine Pflicht. Erfüllſt du ſie, dann kauf' ich dein Buch und preiſe dich und laſſe dich preiſen— und du wirſt reich werden und hochgeehrt und ſtolz hinwandeln durch die Lande. Wo nicht, ſo werd' ich dich ignoriren— und du wirſt verkommen in Schmach und in Elend!»“
Er wendete ſich zu mir und rief mit einem bittern Lächeln:„Kenn' ich meine Leute? Wie? Sind das nicht wörtlich die Gedanken des jetzigen Publicums? Und verfährt es nicht ſo?— Das Publicum aber iſt der Herr: es ſpricht, ſo geſchieht’s, es gebeut, ſo ſteht's da!“
Er ſchwieg. Sein Geiſt ſchien einer Vorſtellung hingegeben, die ſich ihm aufgedrängt hatte; ſeine Züge nahmen einen düſtern und ſtrengen Charakter an und er rief:„Grauenerregendes Schauſpiel, das meinen Augen ſich bietet! Die Maſſe iſt erfüllt von gemeinen und dummen Begierden— und die Maſſe regiert; ſie regiert ohne Widerſpruch. Kein höheres Ideal giebt es jetzt für Poeten und Kritiker, als ihr zu gefallen. Erfolg— das iſt das Zauberwort der Epoche! Wer Erfolg hat, ſofort hat, d. h. wer der Maſſe ge⸗ fällt, vor dem wirft man ſich in den Staub. Die Kritik hat gar keinen andern Ehrgeiz, als der Welt bekannt zu machen, welches Werk Erfolg gehabt habe und welches keinen.»Die Menge kauft, der Pöbel klatſcht— der Autor iſt ein großer Mann!«— Hunde⸗ pack! Verächtliche Scribler!— iſt das eure Aufgabe? Die Ideale ſollt ihr aufſtellen der Kunſt und dem Pöbel ſeinen rohen Geſchmack verweiſen! Des Werkes ſollt ihr euch annehmen, an dem der Eſel vorübergeht, weil es zu gut iſt für ihn und zu ſchön! Sagen ſollt
Novellen⸗Zeitung.
ihr ihm, was ſchön iſt und warum! Statt deſſen wartet ihr ſubmiſſeſt, worüber der neue Souverän ſein Wohl⸗ gefallen zu äußern geruhen möchte. Und das Product, auf welchem ſeine Augen gnädigſt weilen, fängt an zu ſchimmern für euch und in magiſchen Farben zu glänzen. Ihr ſeht es ſchön und beginnt es zu preiſen und könnt nicht Worte genug finden des Ruhmes, und werdet ordentlich genial in ſchmeichelbrünſtigem Lobgeſang. ⸗Welche Lichter, welch' ein Pulsſchlag des Lebens! Mit welch' unwiderſtehlicher Gewalt packt es uns und reißt es uns hin! Die Wirkung iſt be⸗ rauſchend, betäubend, wir kommen von Sinnen— das iſt eben das Ziel und der Gipfel der Kunſt!⸗ — Lakaien! Lakaien! Verderblichere Schranzen als diejenigen, die um einen Thron herumlungernd in Gold glänzen, und die man endlich doch verachten gelernt hat! Wird man euch nicht auch verachten lernen, pflichtvergeſſene Sudler?“
Er wandte ſich zu mir— ſeine Miene war die eines unangenehm Ueberraſchten.„Du machſt ein Geſicht,“ rief er,„als wollteſt du ſagen, ich übertreibe, und es ſei nicht ſo arg!— Es iſt ſo arg, ſag' ich dir, es iſt wörtlich ſo wie ich ſage!— Was iſt aber ſchuld an alledem?“ fuhr er nach kurzem Innehalten fort.„Was iſt die Quelle des Unheils, in welches Publicum, Poeten und Kritiker ſich wechſelſeitig ſtürzen? Der eine Mangel des Geſchlechts— der Mangel an Liebe und Sinn für ewige Dinge! Man lüſter aus⸗ ſchließlich nach Zeitvertreibp, weil man eben zu viel Zeit hat. Und man hat zu viel Zeit, weil man nichts hat als die Zeit; weil man ſich nicht zurückziehen kann aus der Zeit in die Ewigkeit— aus dem Außen der Welt in das Innen des Geiſtes, um hier mit Gott und guten Geiſtern ſelig zu verkehren! Die Langeweile, das iſt der Fluch der jetzigen Generation! Die Langeweile iſt die natürliche Folge des blos äußerlichen Lebens;— und man will ſie curiren mit den Mitteln eben dieſes Lebens! ⸗Herbei, Sinnenge⸗ nuß! Herbei, getriebenes und geſchrieb Herbei, phyſiſche und pſychiſche Unzucht! mich, macht mich ſinnlos, damit ich um Gott die Zeit los werde!⸗ Der Burſch, der ſo ſchreit, wird, indem er Geſundheit o pfert und Ehre, die Zeit los— und doch nur auf eine Zeit! Eine klägliche Palliativcur! Das Uebel kommt wieder und kann nur wieder vertrieben werden durch neuen Taumel, bis der arme Tropf endlich in's Grab taumelt.— Seht ihr nicht, ihr Beſtien,“ fuhr er mit erhobener Stimme fort,„wie eure Theorie widerlegt wird durch eure Praxis und deren Folgen? Es giebt wir mittel gegen die Langeweile, ihr Narren! beſteht nicht darin, daß man ſich ſinken äßt in den
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