Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
262
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Es betraf Ihr wunderherrliches Modell Tri⸗ ptolemos oder wie der Kerl hieß. Ich ſagte, daß ich den Phönix aufhängen laſſen würde...

Das iſt ja eine recht äſthetiſche Neuigkeit, Ad⸗ miral!

Aufhängen! Aeſthetiſch oder nicht praktiſch für gewiſſe Fälle bleibt das Aufknüpfen allemal.

Sie wollen ſagen, daß Sie den armen Fiſcher in der That hinrichten ließen? fragte Lady Hamilton, in deren Mundwinkeln ſich ein krampfhaftes Zucken zeigte.

Iſt ſo gut wie geſchehen! murmelte Nelſon.

Erlauben Sie, haben Sie den Befehl bereits gegeben und ward derſelbe als vollzogen rapportirt?

O Mylady, wer wird Damen mit dergleichen Specialitäten beſchwerlich fallen wollen!

Sie wagen es nicht, die Wahrheit zu ſagen? Sie fürchten ſich, Admiral, mir zu eröffnen, was Sie thaten, um mich im tiefſten Grunde der Seele zu verletzen.

Ich fürchten! Der Schurke iſt noch am Leben, aber es wird ihn ſelbſt der Teufel nicht retten, dam'd!

Lady Hamilton ſtand auf, majeſtätiſch, mit ver⸗ nichtender Hoheit.

Admiral Nelſon! ſagte ſie.Ich habe Sie bewundert, voll Begeiſterung verehrt, gleich als wären Sie ein Halbgott. Ich hatte kein höheres Ideal, als Ihre Perſon! Hören Sie genau zu: ich habe mich ſchwer geirrt. Wir ſtehen allein hier einander ge⸗ genüber. Es iſt möglich, daß Sie ein Gelüſten be⸗ kommen, wenn ich geſprochen haben werde, auch meinen Hals in der Hanfſchlinge einfangen zu laſſen! Aber ich bin muthig; ich habe, ein Weib, mehr Seelenſtärke als Sie! Mögen Englands Matroſen tapfer ſein wie Löwen, Nelſon iſt's nicht; er iſt feig, denn er hat ſich grauſam gezeigt.

Eine Todesbläſſe überzog das Geſicht des See⸗ manns. Unwillkürlich fuhr ſeine Fauſt nach dem Degen.

Sehen Sie, Nelſon, daß ich Recht habe! Sie wollen ſogar ein Weib mit dem Degen anfallen...

Eine Schlange, ein Teufel in Weibsgeſtalt! keuchte Nelſon kaum verſtändlich.

Ich trotze Ihnen! fuhr Lady Hamilton fort. Tödten Sie immerhin die Einzige, welche im Stande iſt, Sie und Ihr ganzes Geſchwader vor Schmach und Hohn zu bewahren. Glauben Sie, daß ich ge⸗ ſchaffen bin, um der Brutalität mich als Sclavin zu beugen?

Wer iſt brutal? Wagen Sie das Wort,'äm!

Sie ſind's, Admiral! entgegnete Lady Hamil⸗ ton unerſchüttert.Sie ſind ſo eitel, um vorauszu⸗ ſetzen, daß Sie allein meiner Aufmerkſamkeit würdig

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Novellen⸗Zeitung.

ſind. Ich finde Gefallen an einem hoch für die Kunſt begabten jungen Manne es hätte können ebenſo wohl eine Nachtigall, ein Canarienvogel, ein kleiner Hund ſein wüthend ſtürzen Sie herbei und morden Das, was mir Freude macht, vor meinen Augen. Iſt das nicht Brutalität?

Nelſon reckte die Fauſt telte ſie.

Ja, ſagte er endlich,ich bin feig; denn ich höre an, ohne mich zu rühren, was ein lebender Mann nicht hören darf. Ich bin grauſam; denn ich habe Alles in der Welt mit Füßen getreten nur die ſtarre militäriſche Ehre nicht um Ihnen ein Lächeln abzugewinnen. Genießen Sie Ihren Triumph, My⸗ lady. Sie werden ſehen, daß Sie ein Unheil ganz beſonderer Art angerichtet haben! Leben Sie wohl.

Lady Hamilton ſchwieg. ſich Nelſon raſch um.

Wiſſen Sie, daß Ercole Carracciuoli die Abſicht hatte, und alle Vorbereitungen traf, um mein ganzes Geſchwader hier im Hafen zu verbrennen? Wiſſen Sie, daß nur das Signal des Brandes der Flotte von den Elenden erwartet wurde, welche in den Ca⸗ ſtellen liegen, um Neapel zu bombardiren und ver⸗ derbend über die Stadt herzuſtürzen? Wiſſen Sie das Alles?

Ich glaube nicht daran!

Aber ich habe Beweiſe. fach den Tod verdient. Wohlan, Madame, von dieſem Augenblicke an gehört das Geſchick des Gefangenen Ihnen zur Entſcheidung an. Verfügen Sie über ihn, und ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß Ihre Be⸗ fehle buchſtäblich ausgeführt werden. Jetzt zweifeln Sie noch, wer hier der Bewundernde und die Be⸗ wunderte, der Herr oder der Scklav iſt. Leben Sie wohl..

Ein Sühnopfer.

Bei Mylady Hamilton ward der Graf Carrac⸗ ciuoli, Vater Ercole's, angemeldet. Die Dame be⸗ fand ſich in ihrem äußerſt eleganten, aber kleinen Boudoir und war dem Eingetretenen auf ungefähr drei Schritte gegenüber.

Der alte Graf war eine höchſt ritterliche Erſchei⸗ nung, trotz ſeines hohen Alters. Er war hoch ge⸗ wachſen, von gerader Haltung und konnte nur für ein wenig zu mager gelten. Dichte weiße Locken umgaben das höchſt edel, aber ſcharf geformte Geſicht, in wel⸗ chem zwei pechſchwarze Augen funkelten. Carracciuoli vecchio hatte lange den Monarchen Neapels mit Aus⸗ zeichnung gedient und war, in der Marine bei meh⸗ reren Gelegenheiten höchſt ausgezeichnet, zur Würde eines Admirals emporgeſtiegen.

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