Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
261
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Habe ich das geſagt?

Auf meinen Glauben und meine Ehre!

Dann muß das Verſprechen nach britiſcher Ge⸗ wohnheit gehalten werden, erwiderte Lady Hamil⸗ ton kalt.

Mylldy, wenn Sie der Schutzengel meines Ver⸗ lobten werden... ſtammelte Giulietta,faſt beſin⸗ nungslos vor Freude.

Ihres Verlobten? fragte Lady Hamilton ſchnei⸗ dend.Sind Sie noch mit einem andern Manne, außer dem Grafen Ercole Carracciuoli, demſelben, welcher auf dem britiſchen Admiralſchiff in Ketten und Banden ſitzt, verlobt? Unmöglich!

Mylady, ich verſtehe, begreife Sie nicht! Um Gotteswillen, ſpannen Sie mich nicht auf die Folter!

Ich ſage Ihnen doch ſehr deutlich, daß Ercole Carracciuoli definitiv Ihr Verlobter nicht iſt, Mar⸗ cheſa! entgegnete die Lady.Sie ſelbſt haben ihn

in meiner Gegenwart als ſolchen ignorirt. Sie hatten,

mir damals, als wir auf der Marina eine Spazier⸗ fahrt machten, feierlich Offenheit und Vertrauen ver⸗ ſprochen; Sie hätten Ihr Gelübde mit einem Schwur beſiegelt, wenn ich dieſe Betheuerung nicht zurückge⸗ wieſen hätte. Cola Minari, der Fiſcher, trat uns entgegen. Mochten Sie es wiſſen oder nicht, daß Graf Carracciuoli es war, welcher vor uns ſtand ſo viel iſt gewiß, daß dieſer Mann Ihr Verlobter nicht ſein konnte, Sie würden mir ſonſt dieſen wich tigen Umſtand nicht verhehlt haben.

Mylady,. ich habe gefehlt, aus Angſt, aus Ver⸗ zweiflung...

Geſtatten Sie mir, Marcheſa, daß ich Ihnen nicht glaube. Ercole Carracciuoli war und iſt Ihr Verlobter nicht. Es gilt, den unglücklichen jungen Verblendeten zu retten, und ich begreife ſehr wohl, daß die Carracciuoli ſammt ihren Freunden zu dieſem Zwecke alle Minen ſpringen laſſen werden.

Sie wollen ſagen, daß Ercole rettungslos dem Tode verfallen iſt? fragte Giulietta, ganz verſteinert.

Wie kann ich dergleichen behaupten? entgeg⸗ nete Lady Hamilton ſehr kalt.Der Admiral kann den Verurtheilten in der letzten Secunde begnadigen anderer günſtiger Chancen nicht zu gedenken. Ich intereſſire mich beiläufig für den Fiſcher Cola Minari und ſteht es in meiner Macht, ſo ſoll ihm kein Haar gekrümmt werden.

Giulietta hatte faſt das Verſtändniß für die Worte von Lady Hamilton verloren.

Ihr Verlobter exiſtirt nicht, fuhr die Dame mit einem ſpionirenden, bohrenden Blicke fort.Ich werde für ein Phantom nichts zu thun brauchen. Er⸗

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nicht iſt; daß Sie nicht in bräutlichen Verhältniſſen zu ihm ſtehen, auch wenn Minari als Graf Ercole Car⸗ racciuoli erkannt werden ſollte, und dann erſt geſtatte ich es Ihnen, ſich bei mir für den Gefangenen zu verwenden!

Barmherzigkeit, Mylady! ſobutas ſgiulietn. Wie iſt es möglich, daß ich meine Liebe rleugnen, meinen Eidſchwur brechen ſollte, den ich Ercole Car⸗ racciuoli leiſtete...

C'en est fait! ſagte die Hamilton ſehr unge⸗

duldig und wandte ſich halb um.Sie haben mich mit Ihrem Verlobten dupirt, Marcheſa machen Sie ſelbſt mit ihm, was Ihnen beliebt. Habe ich die Ueberzeugung, daß der Gefangene auf der Victory zu Ihnen ganz und gar nicht in dem Verhältniſſe eines Bräutigams ſteht und jemals ſtehen wird, ſo werde ich vielleicht Ihre Wünſche in Bezug auf den Unglücklichen fördern helfen! Good bye! 2 Verzweifelnd blieb Giulietta auf ihrer Stelle, indeß die Lady ſtolz davon rauſchte. Die wallenden Reiherfedern auf ihrer mit Perlen durchflochtenen Friſur ſchienen die Bewunderer herbei gezogen zu haben. Mitten in dem lebhaften Gewühl, welches in den königlichen Sälen herrſchte, erregte Lady Hamil⸗ ton ihrer Schönheit und der einfachen Pracht ihrer Toilette wegen einen ſolchen Enthuſiasmus, daß ſich eine Queue wie der Schweif eines Kometen hinter ihr herzog.

Plötzlich trat ein Mann an die Seite der Lady und bot ihr den Arm, um ſie der läſtigen Aufmerk⸗ ſamkeit zu entziehen.

Es war der Admiral Nelſon.

Wie ein gekapertes Schiff, ſo führte er ſie aus dem Gedränge in einen der Nebenſäle. Er ſagte kein Wort. Lady Hamilton ſchien dies Benehmen völlig in der Ordnung zu finden. Sie machte ein gleich⸗ gültig⸗heiteres Geſicht, machte es ſich auf einem Di⸗ van bequem, und forderte von Nelſon im ruhigſten Converſationston eine Flaſche Sodawaſſer. Der Ad⸗ miral gab einem Hoflakai Auftrag und ging dann, als wäre er auf ſeinem Quarterdeck, in dem Cabinet hin und her, am jedesmaligen Ende ſeines Spaziergan⸗ ges mit Fußſpitzen und Abſätzen eine Art von Wirbel ſchlagend.

Nun,'äm! ſagte der Admiral endlich, ſich dicht vor Lady Hamilton ſtellend.

Nun, Admiral! war die ruhige Antwort. Vor kürzeſter Zeit hatte ich Gelegenheit, Ihnen eine Zuſicherung zu machen ich hoffe, daß ich mein Wort löſen kann.

Ich wüßte nicht, daß ſich mir der Admiral Nel⸗

klären Sie mir, daß Cola Minari Ihr Verlobter

ſon je durch Zuſicherung verpflichtete.

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