Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
260
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ſichtsloſigkeit einen Weg durch die dichten Menſchen⸗ maſſen. Vor ihnen konnte man verdächtig ausſehende Leute bemerken, welche allenthalben Gefangene machten, die ſodann von den Engländern in die Mitte ge⸗ nommen wurden.

Die Stadt ſelbſt war wie ausgeſtorben. Es war als wenn der Scirocco über Neapel dahin brauſe. Außer den Militär⸗Patrouillen, außer den geſindel⸗ haften Streitern, welche noch immer nach der Chiaja ſtrömten, um nicht zuletzt den Befehl zum Plündern der Häuſer der Verdächtigen zu erhalten, ſah man in den Straßen faſt Niemand. Klafterlange Pla⸗ cate waren an die Straßenecken geheftet, in welchen

verkündigt war, daß ein furchtbares Attentat auf das

Königthum, den heiligen Glauben und die glorreiche (wohl aber etwas unheilige) engliſche Flotte glücklich abgewandt worden ſei. Folgten hohe Denuncianten⸗ Preiſe. Kein Menſch fand ſich, um dieſe von Ruffo und Nelſon unterzeichneten Placate zu leſen.

Im Palaſte war es kaum minder lebendig, als in der Nähe deſſelben. Unter dem Vorſitz der Königin hatte Ruffo eine Geheime Raths⸗Sitzung ſchon Mor⸗ gens um fünf Uhr improviſirt, zu welcher auch Nelſon und Lord Collingwood eingeladen worden waren. Zur Zeit, wann bequeme Gentlemen ausgeſchlafen zu haben pflegen, gegen acht Uhr Morgens(vierzehn Uhr) ſtellte ſich auch Lord Hamilton phlegmatiſch ein. Seine Ge⸗ mahlin war ſchon ſeit einigen Stunden bei der Königin, welche gegen halb neun die Rathsſitzung aufhob, ſich in den von den Franzoſen und Franceschini ſehr übel zugerichteten und noch nicht wieder hergeſtellten Thronſaal begab, den Thron beſtieg und die Getreuen der Monarchie und des Klerus feierlich zum Beglück⸗ wünſchungs⸗Handkuſſe zuließ. Es war merkwürdig, wie dieſer Umſtand ſich mit einer ſo reißenden Schnel⸗ ligkeit in der Stadt verbreitet hatte, daß die Equi⸗ pagen der königstreuen oder die Verdächtigkeit fürch⸗ tenden Ariſtokraten in dichter Folge zum Palazzo Vec⸗ chio angerollt kommen konnten.

Einer der erſten Edelleute, welcher vorfuhr, war der von ſeiner Tochter Giulietta begleitete Marcheſe di Policaſtro. Der lange, hagere Mann ſah förmlich zerknickt aus; Giulietta ſah aus, wie wenn ſie bereits im Grabe gelegen habe und ſich nur noch durch einen bloßen Mechanismus bewege.

Als beide ſich ehrerbietig dem Throne näherten, neben welchem mit herriſcher Haltung Lady Hamil⸗ ton Platz genommen hatte, lehnte ſich die Königin raſch im Seſſel zurück. Anſtatt den Policaſtros die fette Hand zu reichen, machte ſie als Gruß eine kalte Verbeugung.

Nach der Cour ging Lady Hamilton raſch auf

Jeitung.

4 die Marcheſa di Policaſtro zu. Das feine, ſtolze Geſicht ſchien wie durch eine Gewitterwolke verdüſtert. Die Damen zogen ſich in eine Fenſterniſche zurück. Wiſſen Sie, Marcheſa, ſagte Lady Hamilton

haſtig,daß ich ein ganzes Jahr meines Lebens opfern

wollte, wenn ich mich in Ihnen nicht geirrt hätte? Ihre Offenheit war eine in der That reizende Maske, um Ihre fürchterlichen Geheimniſſe zu verbergen. Es thut mir leid, Ihnen ſagen zu müſſen, daß Sie für Ercole Carracciuoli, für deſſen Familie, wie für ſich ſelbſt das Schlimmſte zu befürchten haben. Mädchen, Mädchen, weshalb warſt Du nicht aufrichtig, als eine wirklich wohlwollende Freundin Dich zum Reden ausdrücklich aufforderte?

Ich wußte nichts, Mylady, flüſterte Giulietta faſt unhörbar.

Nichts? Auch nicht, daß Cola Minari Ercole Carracciuoli und Ihr Verlobter war! Sie träumen, Marcheſa!

O, ſagte Giulietta, faſt krampfhaft den Arm der Lady Hamilton faſſend,verzeihen Sie ich glaube, ich bin wahnſinnig...

Indeed! Seine Beſchützerin auf unverantwort⸗ lichſte Weiſe dupiren, in die Fauſt zu lachen, während ein Anderer uns aus freier Entſchließung Wohlthaten ſpendet... beim Zeus, das habe ich längſt für eine der unausrottbarſten Eigenſchafen des taniſchen Nationalcharakters gehalten. Aber(

Sie nahm ich aus und die Königin, die

Schweſter Kaiſer Joſeph' 5 II. und der Königin Maria Antoinette, als ich die Neapolitanerinnen für unzu⸗ verläſſige, durchaus nicht ladymäßige Creaturen hielt... Aber weshalb die Sache ſo peinlich genau nehmen? fragte ſich Lady Hamilton, plötzlich einen andern Ton annehmend.Alles wäre ſo ziemlich in der Ordnung, wenn ich nur keine beſondere Zuneigung für Giulietta di Policaſtro gefaßt hätte.

Die Lady machte ſich an ihren koſtbaren Arm⸗ bändern zu thun und ſtarrte auf die Bai hinaus. Die engliſche Flotte hatte ſich über einen Kanonen⸗ ſchuß weit vom Strande vor Anker gelegt. Die Kühn⸗ heit Ercole Carracciuoli's ſchien einen tiefen Eindruck auf den britiſchen Admiral gemacht zu haben.

Wiſſen Sie, Mylady, fragte Giulietta mit bebender Stimme,was mit meinem Verlobten ge⸗ ſchehen wird?.

Nein; aber wie ich überzeugt bin, entgeht er der Verurtheilung zum Tode nicht.

Mylady, ſagte Giulietta,es war ein Augen⸗ blick, in welchem Ihr Edelmuth ſich im glänzendſten Lichte zeigte damals verſprachen Sie mir, daß ich bei Ihnen ſtets eine Stütze finden werde...

guttuile Ich ſag buraciuoli heſe! entge n meiner Ge⸗ nir damals, jabrt machte ſprochen; S beſtegelt, w wieſen hätt entgegen. Graf Carra ſo viel iſt nicht ſein ko tigen Umſta Mylas zweiftung. Geſte nicht glaut Werllobter Verblendete daß die Ca⸗ Zwecke älle Sie! Tode verfal Wie nete Lady den Verurtt anderer ntereſſte n und ſüet gekrümmt Giuli Worte von

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