Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
263
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und zwar eine unerläßliche zu machen.

Beim Einmarſche der Franzoſen ſpielte Carrac⸗ ciuoli keine nach allen Seiten hin gerechtfertigte Rolle.

Es brach Meuterei auf den Fahrzeugen des im Hafen

von Neapel liegenden neapolitaniſchen Geſchwaders aus; die Franzoſen nahmen mehrere Schiffe in Beſitz, welche von ihren Mannſchaften auf den Strand ge⸗ jagt wurden, und Carracciuoli ſah ſich in der Noth⸗ wendigkeit, die neapolitaniſche Flagge zu ſtreichen und die franzöſiſche aufzuziehen. Die Unterſuchung wegen dieſer Vorgänge, die übrigens keinen Verluſt an Fahr⸗ zeugen für König Ferdinand zur Folge hatte, war zu Gunſten des Admirals niedergeſchlagen worden. Seine Familie ſtand aber bei den Monarchiſten undChri⸗ ſten in ſchlechtem Geruche, da Ercole, der jüngſte Sohn des alten Admirals, früher Fregattencapitän, nun Artillerie⸗Officier in dem für Frankreich zu ſtel⸗ lenden Contingent der republikaniſirten Lombardei ge⸗ worden war. Die Carracciuoli hatten ſich ganz ins Privatleben zurückgezogen, wagten es aber nicht, die Stadt Neapel zu verlaſſen und ſich auf ihre Güter in Morea zu begeben, aus Furcht, daß ihre neapo⸗ litaniſchen Beſitzungen confiscirt werden würden.

Meine Dame, ſagte der alte Admiral mit einem Anfluge von veralteter Galanterie,ich berufe mich auf meine künftige Schwiegertochter, Giulietta di Po⸗ licaſtro, um meine Hoffnung zu begründen, daß Sie einem mit erdichteten Verbrechen überbürdeten jun⸗

Manne Ihr mächtiges Fürwort nicht entziehen wollen Ich ſpreche von meinem Sohne Ercole, heute Wrre vom Kriegsgerichte wegen Spionage und Ver⸗ rätherei zum Tode verurtheilt!

Herr Graf kurz! antwortete Lady Hamil⸗ ton.Ich ſpiele zwar nicht die Rolle der Vorſehung hier in Neapel, wie die Franceschini behaupten, aber ich geſtehe es, daß ich ganz zufällig in dem Falle bin, über das Schickſal Ihres Sohnes das letzte Wort zu ſprechen. Ich will ohne Umſtände ſagen, daß vi Sohn ſofort auf freien Fuß geſetzt werden kann.

Vor freudiger Ueberraſchung zitterte der Greis ſichtlich am ganzen Körper.

O Eccellenza! rief er, die Hände zum Him⸗ mel hebend,was auch dagegen geſagt werden möge, ſtets wird Großbritannien das Vaterland des Seelen⸗ tdel⸗ und ver Charaktergröße ſein.

Bitte, Herr Admiral, ich habe eine Bedingung Wenn ich Er⸗ cole Carracciuoli freigebe, ſo betrachte ich ihn, in Hinſicht auf ſeine Verlobung mit der Marcheſa Giu⸗ lietta di Policaſtro, als durchaus frei!

Wie? fragte der alte Mann, der ſeinen Ohren

nicht zu trauen ſchien.

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Vierte Solge.

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ſache ich meine Bedingung ſtelle, fuhr Mylady fort. Ich verlange einen von Ercole und Giulietta aus⸗ gefertigten feierlichen Revers, daß ſie die zwiſchen Beiden beſtehende Verlobung aufheben und nie wieder aufs Neue in Kraft treten laſſen wollen, viel weniger, daß ſie die Abſicht hegen, ſich ſpäter mit einander zu vermählen.

Und wenn mein Sohn dieſe unerhörte Bedin⸗ gung zu erfüllen ablehnt? fragte der Admiral, denien Antlitz vor Zorn erröthete.

Dann mag das Urtheil des Kriegsgerichts ins Himmels Namen ſeinen Lauf nehmen!

Madonna! Ich ſchwöre Ihnen, daß mein Sohn Ercole in dieſem Falle bereits als todt zu betrachten iſt. Ich bin ſein Vater, ſein Leben iſt mir theuer über Alles; aber die Ehre meines Ercole iſt doch ein noch unſchätzbareres Gut. Nein, nein! Für eine ehr⸗ loſe feige Zeit ſein Leben zu erkaufen, das Heiligſte der Menſchheit, die Liebe, im elenden Schacher für einige unſichere Lebensjahre dahin zu geben, das ward noch keinem Carracciuoli zugemuthet, und geſchieht dies, dann falle die Schmach auf den Kopf desjenigen zurück, welcher eine ſolche Ehrloſigkeit auszubrüten wagte!

Der Admiral drehte ſich um und verließ ohne Gruß und Verbeugung das Zimmer.

Eine Stunde ſpäter kam ein thränengeſättigter Brief Giulietta's ein, in welchem ſie betheuerte, daß ſie, um das Leben ihres Verlobten zu retten, ein⸗ willige, auf ihre Rechte auf ſeine Hand für immer zu verzichten. Ercole ſchwieg.

Lady Hamilton ſetzte ſich ruhig nieder und ſchrieb folgende Zeilen:Theurer Freund Nelſon! Ich wünſche, daß Cola Minari, oder wie er ſonſt heißen mag, ſo⸗ fort in Freiheit geſetzt werde. Der Anſtifter des Complots iſt, meiner Meinung nach, der alte Admiral Carracciuoli, der Vater des Gefangenen, deſſen Unter⸗ ſuchung ſehr vorſchnell niedergeſchlagen wurde. Ich bin der Meinung, daß Englands Ehre ein Opfer er⸗ heiſcht. Stirbt der verrätheriſche Admiral, dann wird der Autor einer Scheußlichkeit getroffen, die durch den Tod von hundert blinden Werkzeugen nur ſehr unvollkommen gerächt werden kann. Emma Hamilton. N. S. Wenn der Admiral getroffen werden ſoll, ſo gilt es Eile, denn er ſoll, wie Unterrichtete behaupten, längſt vorbereitet ſein, ſich ſelbſt zu tödten, ſo wie die Gerechtigkeit die Hand nach ihm ausſtreckt.

Am Abende bereits hatten die Carracciuoli, Vater und Sohn, die Rollen gewechſelt. Ercole war frei und der Greis ſaß gefeſſelt im Blackhole des Aga⸗

mon. Es ward gegen ihn eine jener gräßlichen on lödien, Buffa, eröffnet, wie ſolche Ruffo mit ſo großem Humor in Scene zu ſetzen verſtand.