Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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und murmelten die Wellen. Ercole glaubte in dem einen Boote eine männliche Geſtalt zu unterſcheiden.

Wer da?

Silenzio, Eccellenza! war die mit gedämpf⸗ ter Stimme gegebene Antwort.Ein guter, erprob⸗ ter Freund iſt's. Kennen Sie die Stimme des Cabo dei Pescatori nicht mehr? Ich bin Milio Lucanto. Ich kann Ihnen nur rathen, nicht zu Fuße zur Stadt zurückzukehren. Hier iſt mein Boot. Ich werde Sie ſicher führen.

Ercole beſann ſich einige Augenblicke; dann ſetzte er den Fuß auf den Bord des kleinen Fahrzeuges und ſtieg ein. Das Boot ward abgeſtoßen.

Seid Ihr allein? fragte Ercole.

Wie Sie ſehen, Signore Minari! Bei wichtigen Angelegenheiten muß man ſich die irgend überflüſſigen Leute vom Halſe ſchaffen.

Eure wichtige Angelegenheit ſcheint die zu ſein, daß Ihr mich aufzuſpüren beabſichtiget? fragte Er⸗ cole, unter ſeinem Mantel ſein Stilet handgerecht ſchiebend.

Si lamenta? Beklagen Sie ſich darüber, Eccel⸗ lenza? fragte Lucanto nachläſſig.

Ich finde Ihr Erſcheinen an dieſem Orte ſehr auffallend, meinte Ercole.

Per Bacco, das glaube ich!

Ich war vorhin ſo ſehr von anderen Dingen in Anſpruch genommen, fügte Ercole hinzu,daß ich gar nicht bemerkte, wie entſchieden verdächtig Sie ſich durch Ihre Spionage machten!

Es giebt eine ſehr lobenswerthe und eine ſehr verwerfliche Verdächtigkeit, Eccellenza, antwortete Lucanto ſehr ruhig, indem er mit aller Macht ſein einziges breites Ruder handhabte.

Eine Pauſe entſtand.

Wiſſen Sie, daß Leute, von denen ich weiß, daß ſie Spione Ruffo's und der Engländer ſind, heute mehrfach an der Marina nach Cola Minari gefragt haben? ſagte Lucanto.Als mir dies gemeldet

wurde, hielt ich es für eine Pflicht der Höflichkeit,

mich zu erkundigen, wohin Eccellenza ſich begeben haben möge. Der Cabo del Popolo, Teoli, gab mir Auskunft.

Alſo bei ihm war ich bereits ſignaliſirt? rief Ercole Carracciuoli ſehr überraſcht.

Ja, Signore!

Wißt Ihr, von wem?

Teoli hat Schweigen gelernt. Es kam mir vor, als wenn er irgend einen klafterlangen, unausſprech⸗ lichen griechiſchen Namen zwiſchen den Zähnen ge⸗ murmelt hätte.

Luranto ſtand, ganz wie Charon oder Phlegyas

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Novellen⸗

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Zeitung.

Rtidena werde pflegen, am Schnabel ſeiner Barke, welche er dadurch forttrieb, daß er ſich mit ſeinem ganzen Gewichte und ſeiner ganzen Kraft gegen den oberen Theil ſeines Ruders warf. Er blickte ſich raſch nach Ercole um, als wünſche er die Wirkung ſeiner Bemerkung zu beobachten.

Ercole ſchwieg.

Teoli, ſchwatzte Lucanto ſorglos weiter,deutete

mir den Weg nach Torre del Greco an.

Hat Teoli einen Namen genannt? fragte Ercole haſtig.

Nein, um die Wahrheit zu ſagen: eine ſolche Bemerkung wäre überflüſſig geweſen. Ihr Weg ging nach Torre del Greco, wie ich hörte ich brauchte mich nur entlang der Küſte zu halten und von Zeit zu Zeit mein Fernrohr zu gebrauchen. Sie ſehen, daß ich mein Ziel erreicht habe, Eccellenza!

Gut, ſehr gut ſo weit. Aber wollt Ihr ſo ge⸗ fällig ſein, mir zu eröffnen, was Ihr mir bisher noch verſchwiegen habt: welche Gefahr bedroht mich? wie gedenket Ihr mich derſelben zu entreißen? und wohin werdet Ihr mich zu führen die Güte haben?

Viele Fragen auf ein Mal, Signore Minari, entgegnete Lucanto.Ich werde mich hüten ſie zu beantworten. Laſſen Sie mich dagegen fragen wahrſcheinlich wird die Verſtändigung dadurch leichter. Wie theuer würden Sie Ihr Leben bezahlen, wenn

Sie die Gewißheit vor Augen ſähen, an Ir Segel⸗ na

ſtange eines engliſchen Kriegsſchiffs zum Beiſpiel auf⸗ gehängt zu werden?

Die Frage, ſagte Ercole mit Verachtung im Tone,wird nur mit der Waffe in der Hand beant⸗ wortet.

O, o, ſchnelle Entſchlüſſe pflegen leicht gewech⸗ ſelt zu werden! meinte Lucanto.Wenn Sie nur Dolchſtöße und Piſtolenkugeln haben, wenn es ſich um das Aufknüpfen handelt, ſo werden Sie noch knauſeriger ſein, wenn es ſich blos um ſchweren Kerker auf den ſiciliſchen Straf-Inſeln und um ein Dutzend Jährchen im Grunde ganz intereſſanter Galeerenſtrafe, ſo wie nebenſächlich um einige Stündchen kunſtge⸗ rechter Tortur handelt!

Ercole ſchwieg. Er erhob ſich raſch, warf einen ſpähenden Blick nach dem Hafen, der Rhede und der D'Arſena und ſetzte ſich dann wieder am Spiegel des Kahnes nieder. Auf eine Entfernung von gegen acht⸗ hundert Schritten war nach keiner Seite ein Fahr⸗ zeug zu erblicken.

Nun, Eccellenza? fragte Lucanto.

Ihr ſcheint ein Spiel begonnen zu haben, das ſehr leicht für Euch eine fatale Wendung nehmen kann! ſagte Ercole mit feſter Stimme.

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