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gar nicht in den glimpflichſten Ausdrücken über die Könige von Baiern und Würtemberg, ſowie über den Bruder der Kaiſerin, den Großherzog von Baden. Als ſie das Alles
lächelnd angehört und ihre Bitte wiederholt hatte, faßte ihn
der Schalk Armfelt und ſprach zu ihm:„Vergeſſen Sie dieſen Abend nicht, lieber Jubilé, Sie ſollen wiſſen, daß Sie heute mit der regierenden Kaiſerin geſprochen haben.“ Bei dieſen Worten wurde der arme Tyroler plötzlich eiskalt und ſtammelte: „Ew. Kaiſerliche Majeſtät, halten zu Gnaden! Sie haben es ſo gewollt, und ich wußte nicht, daß Sie da waren, ich hielt Sie nur für eine Hofmagd.“ Eliſabeth ſuchte ihn zu beruhigen, aber er ging zitternd von dannen. Am andern
Morgen beſuchte ihn Arndt. Siehe, da lag der arme Tyroler
krächzend im Bette; er hatte ein Brechmittel genommen. Als ihn nun Arndt fragte, wie er plötzlich ſo huſtig und matt geworden ſei, antwortete er:„Das war geſtern ſchlimmer als ein Küglein aus einem Stutzerl, die Kaiſerin iſt mir auf die Bruſt gefallen.“
Thiers und ſeine frühere Hausmirthin.
Die Petite Revue, eine wahre Anekdotenfundgrube, er⸗
zählt, Thiers gebe ſehr ſelten ein Diner, weil er ſehr wenig und ſchnell eſſe und es verabſcheue, lange an der Tafel zu ſitzen. Trotzdem habe er monatlich einmal und zwar am erſten regelmäßig einen eingeladenen Gaſt und das ſei Mut⸗ ter Gregorine.
Wißt Ihr, wer Mutter Gregorine iſt?
Es iſt die frühere Beſitzerin eines kleinen Hôtel garni, das ganz in der Nähe der Rechtsſchule war, und in dem Thiers zur Zeit, wo er Student war, wohnte.
In dem Augenblick, wo der Verfaſſer des Consulat und des Empire Paris verlaſſen wollte, weil er nicht Geld genug hatte, um dort zu leben, behielt dieſe brave Frau ihn bei ſich, ernährte und logirte ihn ein ganzes Jahr, indem ſie ſagte, ſie rechne auf die Zukunft, um die Schuld der Gegenwart zu berichtigen. Nun, die Zukunft hat das mit Wucher gethan, denn Mutter Gregorine hat nicht blos von ihrem frühern Verpflichteten eine ausgezeichnete Penſion erhalten, ſondern ſie dinirt auch am erſten jedes Monats im Hötel Saint⸗ Georges und nicht etwa mit dem Dienſtperſonal, ſondern trotz der Einfachheit ihres Anzugs und ihrer Manieren an der Tafel des Hausherrn, wo ſie ganz nach ihrem Belieben plau⸗ dert und wo ſie ſich nie erhebt, ohne daß man ihr au revoir ſagt.
Misrellen.
Ein franzöſiſcher Gelehrter Namens Boudin, hat ſich in der neuern Zeit damit beſchäftigt, ſtatiſtiſche Tabellen über die vom Blitz getödteten Perſonen zu entwerfen. Er erklärt, Damen hätten weniger Urſache als Männer, ſich vor dem elektriſchen Fluidum zu fürchten, denn auf 100 Männer kämen erſt 28 Frauen, die vom Blitz erſchlagen worden ſeien. Man dürfe auch nicht glauben, daß dieſes verſchiedene Ver⸗ hältniß darin ſeinen Grund habe, daß die Frauen zur Zeit
novellen⸗Zeitung.
dem Altengliſchen der Shakeſpearezeit ſo wohlbewanderten
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darauf, die Thatſache mitzutheilen, ohne einen Verſuch zu machen, eine Erklärung dieſer bemerkenswerthen Natur⸗Er⸗ ſcheinung aufzuſtellen.
Der berühmte Marinemaler Gudin ſoll die Abſicht haben, ſeine prachtvolle Wohnung Folie⸗Beaujon, deren Werth zu drei Millionen Franken veranſchlagt wird, und ebenſo ſeine Sammlung von Seltenheiten, die in Paris als eine der koſtbarſten und geſchätzteſten bekannt iſt, zu verkaufen.
In Brooklyn bei Newyork ſoll ein neues Theater erbaut werden, für das bereits 150,000 Dollars unterzeichnet worden ſind.
Am 4. Februar c. ſchätzte man in Boſton die Zahl der
Schlittſchuhläufer auf 80,000 bis 100,000.
Maximen. Halte Deine Augen vor der Hochzeit weit
offen, nach derſelben nur halb geöffnet. C.
Vom deutſchen Büchermarkt. William Shakeſpeare's Sonette. Bodenſtedt. Berlin, bei Decken. 1866. Dieſe verdienſtvolle Arbeit des formgeſchulten und in
Deutſch von
Autors hat bereits die zweite Volksausgabe erfahren und es ſtellt ſich dieſelbe hier in trefflicher Ausſtattung, vermehrt durch ſehr gründliche Anmerkungen und literariſche Erklärun- gen, allen Freunden der Weltpoeſie als willkommene Erſchei⸗ nung dar. Speciellere Kenner verweiſen wir in Bezug auf
den Gegenſtand auf jene Erllärungen, die Delius über die Sonette im Jahrbuch der deutſchen Shakeſpearegeſ elchaſt (Berlin bei Reimer) gegeben da O. B
Friedrich Bodenſtedt, Geſammelte Schriften. Berlin bei Decker. Schon im erſten und zweiten Bande von uns beſpro⸗
chen, iſt dieſe Geſammtausgabe jetzt bis zum vierten Bande
eines Gewitters in die Keller flüchteten, der Blitz habe eine
entſchiedene Vorliebe für das männliche Geſchlecht, und wenn ein Mann und eine Frau neben einander gingen, ſo werde der Mann, nicht die Frau erſchlagen. Boudin beſchränkt ſich
fortgeſchritten. Den dritten beendigt„Tauſend und einen Tag im Orient,“ dieſe beliebte culturhiſtoriſch ethnographi⸗ ſche Reiſeſkizze des Autors, und der vierte bringt treffliche lyriſche und epiſche Uebertragungen des ruſſiſchen Dichters Alexander Puſchkin. Die moderne Neigung für ruſſiſche Literatur kann durch die Beachtung gerade dieſes Poeten viel
aufklärende Winke gewinnen. O. B.
Cranford. Frei nach dem Engliſchen von Hagen. Hannover, bei Klindworth. Die eigenthümlichen Charakter⸗ und Sittenſchilderungen
dieſes einfachen Romans laſſen vermuthen, daß er nicht von
einer mittelmäßigen Kraft geſchrieben iſt, obgleich der Eigen-
ſinn dieſer detaillirten, oft gequält humoriſtiſchen Schreibweiſe es vielleicht ſehr wohl empfahl, daß ſich eine oft genannte engliſche Schriftſtellerin hier hinter dem Schutz der Anony⸗ mität vorläufig verbarg. O. B.
Inhalt: Ein böſer Engel. Hiſtoriſche Novelle von Adolf Göorling. (Fortſetzung.)— Auf der Reiſe. Gedicht von Carl Wil⸗
helm Batz.— Literariſche Briefe von Otto Banck. Feuilleton. Die Wahrheit über den Blaubart, franzöſiſchen Mar⸗ ſchall und Waffengefährten der Jungfrau von Orleans.— Ein Tri⸗
umph ehelicher Demuth.— Sittenverfall in Frankreich.— Ein offen⸗ herziger Tyroler.— Thiers und ſeine frühere Hauswirthin.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt..
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Olto Friedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig.
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