Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
254
Einzelbild herunterladen

254 Novellen⸗

Ein Triumph ehelicher Demuth.

Einen ſolchen, wie er freilich nicht oft einen Ehemann belohnen möchte, obgleich er zur Nacheiferung empfohlen wird, erzählt ein gewiſſer Freiherr von Seld, deſſen Erinne⸗ rungen aus der frühen Jugendzeit ſehr beachtenswerth und ſinnig geſchrieben ſind, während des Autors ſpätere Jahre und Thoten in ein kirchliches und ſpecifiſch royaliſtiſches Preußenthum hinübergehen. Der Genannte debutirte als junger Angeſtellter in Krakau und unter ſeinen aufgezeichne⸗ ten Charakterzügen befindet ſich auch die folgende Gppichte von Ehe⸗ oder Weheſtand ſeines Wirthes.

Mein Hauswirth, ein Uhrmacher, war ein bedeutender Menſch; von Geburt ein Elſaſſer, hatte er unter der franzö⸗ ſiſchen Republik und dem Kaiſerreich alle Feldzüge mitgemacht. Erſt im vierzigſten Jahre hatte er Gottes Wort kennen gelernt, und erſt in dieſer Zeit das Verlangen geſpürt, Leſen und Schreiben zu lernen; denn er war gleich vielen Kindern der Revolution ohne allen Unterricht aufgewachſen. Seine Urtheile waren oft überraſchend und erſchienen im erſten Augenblick unſinnig.

Hier nur eins davon: Im Nebenhauſe hatte ein Student im Rauſch und Zorn ſeine Wirthin mit einem Hieber erſtochen und ſich darauf, plötzlich nüchtern geworden, der Wache über⸗ liefert; er war ein liebenswürdiger, ſchöner, junger Mann, den Alle bedauerten, nur mein Wirth ſagte:Das mag ein rechtes Glück für ihn ſein, und als er darauf verwundert gefragt wurde, wie er das meine, ſagte er:Bisher hat er ſich für einen guten Menſchen gehalten, jetzt wird er einen Schreck bekommen und die Augen werden ihm aufgehen, daß er ein Sünder iſt.

Mein Wirth lebte in ſtiller friedlicher Ehe mit ſeiner Frau. Ich hörte, daß Beide binnen Kurzem ihre ſilberne Hochzeit feiern würden, und ſagte:Es muß doch ein ſchönes Gefühl ſein, wenn man ſo auf fünfundzwanzig Jahre einer glücklichen Ehe zurückblicken kann. Da lächelte er vor ſich hin, ſchüttelte mit dem Kopf und antwortete nicht. Das fiel mir auf, ich fragte, was er damit meine, und er erwiderte: Sie ſprachen da von fünfundzwanzig glücklichen Jahren; wenn Sie in den erſten zwölf Jahren unſerer Ehe bei uns gewohnt hätten, würden Sie anders geſprochen haben! Und als ich fragte:Haben Sie denn damals nicht glücklich gelebt? erwiderte er:Glücklich? wie Hund und Katze haben wir gelebt.

Das überraſchte mich, ich hätte gern gewußt, wie es denn gekommen, daß ſie jetzt ſo ganz anders, ſo in Frieden und Freude mit einander lebten, und bat ihn, ob er mir das wohl ſagen wolle, und was er mir darauf mittheilte, das erzähle ich jetzt, ich glgaube, Wort für Wort, denn es machte einen ſo tiefen, unauslöſchlichen Eindruck auf mich, daß mir ſeine Worte unvergeßlich geblieben ſind.

Er erzählte:Während der erſten zwölf Jahre unſerer Ehe lebte ich mit meiner Frau in faſt täglichem Unfrjeden, ſelten verging ein Tag, ohne daß wir einen Streit gehabt hätten, und mir wurde das Leben oft recht ſchwer. Einen Tag war der Zank beſonders heftig und bitter, ich konnt's nicht mehr ertragen, warf mein Arbeitszeug hin und lief zum Hauſe hinaus, vor's Thor in ein Gebüſch hinein. Da ſetzte ich mich hin und fühlte mich ſo recht unglücklich, und wie ich ſo daſaß und ſann, da dacht' ich: Du könnteſt doch ganz glücklich ſein, wenn nur deine Frau anders wäre. Wir haben gute Nahrung, wir ſind geſund, unſere Kinder machen uns Freude, es fehlt uns nichts und doch ſind wir ſo unglücklich.

Zeitung.

Wenn nur meine Frau den böſen Fehler nicht hätte! Es iſt ſonſt eine brave Frau, wirklich fleißig, wir haben uns auch Beide liebz warum können wir uns denn gar nicht vertra⸗ gen? Und wie ich ſo darüber nachdachte, was denn wohl ſchuld ſein möchte, daß wir uns immer ſo zankten, und wie ich ſo über unſere letzten Zänkereien nachdachte, woher ſie denn wohl entſtanden wären, da fiel mir ein, daß eins immer der Grund davon geweſen wäre. Wenn nänlich ein Aerger in der Wirthſchaft oder ſonſt wo vorkam, wenn ein Kunde fortblieb, wenn ein Lehrling etwas verdorben hatte, wenn eine Taſſe zerſchlagen wurde oder die Milch in's Feuer gelaufen war, dann ſagte meine Frau immer: Da biſt Du ſchuld! Das wollte ich nicht zugeben, ich behauptete, meine Frau wäre ſchuld, und wollte ihr das beweiſen. jedesmal der Anfang und dann ging's immer weiter, bis wir uns oft die härteſten Dinge ſagten. Da dacht' ich bei mir: Du haſt immer deiner Frau ſchuld gegeben und manchmal biſt du am Ende ſelber ſchuld geweſen. Und wie ich's mir ſo überlege, da finde ich, daß ich in manchen Fällen wirklich ſchuld geweſen bin. Ei, denke ich, am Ende biſt du öfter noch ſchuld geweſen, du willſt nun immer die Schuld auf dich nehmen, dann haſt du doch Ruhe und der Zank hat ein Ende. Da wurde mir leichter um's Herz, ich ſtand auf, und ging nach Hauſe mit dem Vorſatz, wenn einmal wieder etwas vor⸗ käme, wollt' ich gleich Anfangs die Schuld auf mich nehmen.

Das that ich denn auch. Wenn die Frau ſagte: Da biſt Du ſchuld! dann ſagte ich:Ja, ich bin ſchuld,⸗ und ſie war ſtill und ich freute mich, daß ich doch nun etwas gefunden hatte, wodurch ich den Frieden erhalten konnte. Das dauerte nicht lange. Nach ein paar Tagen bemerkte ich, daß meine Frau mich von der Seite anſah, wenn ich ſagte: ⸗Ja, ich bin ſchuld! Doch äußerte ſie noch nichts; aber einmal, als ich das wieder geſagt hatte, ſtellte ſie ſich vor mich hin, ſtemmte die Arme in die Seite, ſah mich groß an und rief: ⸗Das redeſt Du nur ſo, Du denkſt gar nicht daran, daß Du ſchuld biſt; das redeſt Du nur ſo, weil Du ſonſt nichts weißt, womit Du mich ärgern kannſt, aus purer Malice redeſt Du das! Das wollte ich nicht leiden. Ich fragte ſie, ob das der Dank wäre, daß ich gegen ſie ſo geduldig geweſen wäre. Da rief ſie: ⸗Was, Du willſt auch noch Dank haben für Deine Bosheit?« Da antwortete ich auch hart, ein Wort gab das andere, wir zankten uns heftiger denn je, ich riß meinen Hut von der Wand, lief aus der Stube, warf die Thüre hinter mir zu und lief vor's Thor voller Zorn; es war mir, als müßte ich mir ein Leid anthun. Auf dem Wege begegnete ich einem langen Leichenzuge, da ward es etwas ſtiller in mir, aber ich ward um ſo trauriger. Ich ging wieder in das Gebüſch, wo ich in der vorigen Woche geweſen war, fiel auf meine Kniee und bat Gott, er möchte mir helfen, ich wäre ſehr unglücklich und wüßte mir keinen Rath. Ich hätte doch die Schuld auf mich genommen und es hätte doch nichts geholfen. Da war es, als ob es mit einem Male Licht in meiner Seele wurde, und ich ſagte mir: du biſt ſchuld, daß deine Frau ſo gegen dich iſt. Es wäre ja dem lieben Gott, der alle Dinge kann, ein Leichtes, ihr Herz zu ändern, daß ſie ſanft und liebreich gegen dich würde; aber er thut es nicht, denn du brauchſt eine ſolche Frau. Dein eigenes Herz iſt noch ſo zornig und ungebrochen, du brauchſt eine ſolche Ruthe. Wenn du ſelbſt nur beſſer wirſt, wird der liebe Gott deine Frau auch beſſer machen, aber du biſt ſchuld, daß er's nicht thut.

Da erkannte ich denn, ich müßte das geduldig tragen, woran ich ſelber ſchuld ſei, und ging nach Hauſe und bat

Das war

uweilen über

wurde lof und Verz aber mit ſchie und weinte linſlect, abe Und Gott Ftau geworden, und Sie haben und zufriedenen Vorſtehen ich Abends au verſammelt ſal hoben und wi einen Vers ge⸗ nun einige Ma Frau zu mir Augen:Ja, auch in meiner( tes Hülfel Urd che⸗ recht mit der offen ſagen, w Sie möchte do daß es in ihre Es zeigt natürlich oft d deren Darſtell liche aus der L Spruch:M nicht irgendwa und man ſieht, gübt,eine böſe

geht.

1 8 er Dire Sängerin n ſele Therſ Monatz unter hören zu laſſe 1. 20