Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
252
Einzelbild herunterladen

252 Novellen⸗Zeitung.

Geuilleton.

Die Wahrheit über den Blaubart,

franzöſiſchen Marſchall und Waffengefährten der Jungfrau von Orleans.

Vor wenigen Jahren wußte man ſelbſt in Frankreich nicht, daß der bekannte Blaubart in Perrault's C de ma mere l'Oie einen vollkommen bewieſenen hiſtoriſchen Urſprung hat und ein franzöſiſcher Marſchall und Waffen⸗ gefährte der Jungfrau von Orleans war. Die Entdeckung dieſes Urſprungs iſt einem jungen Journaliſten in der Bre⸗ tagne zu verdanken, der die betreffenden Documente in dem Archiv des Departements der Loire Inférieure in einem Ma⸗ nuſcript aufgefunden hat, das einen vollſtändigen Bericht über den Proceß von Gilles de Retz, des Mannes mit dem blauen Bart, enthält.

Wir dürfen wohl annehmen, daß eine abgekürzte Ge⸗ ſchichte dieſes,Knecht Ruprechts der jungen Bäuerinnen in der Gegend von Nantes, die noch jetzt zittern, wenn ihnen des Abends, wo ſie an der Seite ihrer Verlobten ſitzen, die Schandthaten dieſes Ungeheuers erzählt werden, nicht unwill⸗ kommen ſein wird.

I.

Es war einmal ein Mann, welcher ſchöne Häuſer in der Stadt und auf dem Lande, goldne und ſilberne Tiſchge⸗ räthſchaften, geſtickte Möbel und ganz vergoldete Carroſſen beſaß. Aber dieſer Mann hatte unglücklicher Weiſe einen blauen Bart; das machte ihn ſo häßlich und ſo ſchrecklich, daß ſich weder eine Frau, noch ein Mädchen fand, die nicht vor ihm die Flucht ergriffen hätten...

Das iſt das Gemälde, welches Perrault von ihm ent⸗ worfen hat. In den meiſten Angaben gleicht es dem, das die bretagniſchen Chroniken uns von ihm überliefert haben. Gilles de Lavan, Baron von Retz, Sohn von Guy de Laval und von Marie de Craon, hatte wirklich Haare und einen Bart, blauſchwarz wie die Flügel eines Raben, aber er war weder häßlich, noch abſtoßend, ganz das Gegentheil: von hoher und gutgebauter Figur, mit einem ſchönen Geſicht, einnehmenden Manieren und einer für ſeine Zeit ſehr ſorgfäl⸗ tigen Erziehung machte er am Hofe Karl's VII., Königs von Frankreich, eine ſchnelle Carriére.

Im Jahr 1406 geboren, wurde er zehn Jahr ſpäter zur Waiſe und im Alter von funfzehn Jahren vermählte er ſich mit Catherine de Thouars. Von dem Grafen de la Tri⸗ mouille, ſeinem Couſin, beſchützt, wurde er mit dem Titel Lieu⸗ tenant des Königs der Jungfrau von Orleans zur Seite gegeben. Als Karl VII. am 17. Juli 1429 in Rheims gekrönt wurde, empfing er zur Belohnung ſeiner Dienſte den Titel als franzöſiſcher Marſchall. Er war damals 24 Jahr alt.

Von dieſem Zeitpunkte an verſchwindet der Name Gilles de Retz faſt vollſtändig aus den franzöſiſchen militäriſchen Annalen. Beſitzer eines bedeutenden Vermögens, das ihm jährlich eine Rente von zwei Millionen ertrug, vergaß er im Müßiggange und im Rauſche der Zerſtreuungen die Thätig⸗ keit und den Lärm des Lebens in den Lagern. Er überließ ſich tollen Verſchwendungen, unſinnigen Ausgaben; er baute Schlöſſer in Machecoul, in Chantocé, in Morand, Confolens, Grez⸗ſur Maine ꝛc. In Nantes ließ er ſich das prächtige

Hotel de la Suze erbauen. Aber ſein Lieblingsaufenthalt war ein trauriger, einſam gelegener alter Ritterſitz, der von dichten Wäldern umgeben, durch Gräben und Moräſte unzu⸗ gänglich war, den dicke Mauern ſtumm wie das Grab mach⸗

ten mit einem Worte das Schloß Tiffauges.

Dort hielt der Marſchall ſeinen Hof: eine Capelle mit dreißig Domherren, Chorknaben und Muſikern; 800 Stall⸗ knechte, Bediente und Diener aller Claſſen, die prachtvoll in veilchenblauen Purpur und drap d'or gekleidet waren; eine Garde von 200 Mann zu Pferde, die Alle verſchiedenartige Rüſtungen mit ſeinem Wappen und einen langen rothen und weißen Mantel trugen, auf denen ſich das Wappen der Touars und der Laval nebeneinander befand. Auch eine Truppe Schauſpieler und Sänger ſtand in ſeinem Solde.

Das goldne und ſilberne Tiſchgeſchirr und die geſtick⸗ ten Möbel, von denen Perrault ſpricht, verzierten dieſen verſchwenderiſchen Aufenthalt, aber vergoldete Carroſſen gab es dort nicht, denn deren gab es damals in Frankreich noch keine; überdies erlaubten die bergigen Straßen in der Bre⸗ tagne Reiſen nur zu Pferde oder in einer Sänfte.

Gilles de Retz zeigte dieſen unſinnigen Luxus in Nantes, Vannes und in allen ſeinen Schlöſſern. Aber dieſe Ver⸗ ſchwendung und ſeine Ausſchweifungen griffen bald ſein Ver⸗ mögen an und um dasſelbe wieder herzuſtellen, nahm er ſeine Zuflucht zur Alchymie, der Thorheit ſeines Zeitalters, und was noch ſchlimmer war, dann zur Praxis der Zauberkunſt, einer andern Narrheit, zu welcher der Spiritualismus die ſchwachen Geiſter der jetzigen Zeit wieder hinzuführen ver⸗ ſucht. 1

II.

Vielleicht wurden die hölliſchen Feſte der Religion des Satans, von denen man gegen das Ende des Mittelalters ſoviel geſprochen hat, nirgends mit ſoviel Pompe gefeiert, wie in den großen Sälen des Schloſſes Tiffauges.

Die Beſchreibung derſelben iſt uns geblieben:

Ein Gewölbe mit einem vollen Bogen wie ein römi⸗ ſcher Bau, aber von einer erſtaunlichen Höhe, mit lebhaften, ſich abſtoßenden Farben bemalt, von tauſend brennenden Wachskerzen erleuchtet, die auf polirten Bronzeleuchtern aufgeſteckt waren, deckte einen Saal von pharaoniſchen Dimen⸗ ſionen, deſſen Steinplatten mit verſchiedenartig bemalten Matten bedeckt waren.

In der Mitte des Saals erhob ſich ein mit allen Attri⸗ buten des katholiſchen Cultus verzierter Altar, aber die Stelle des Kreuzes war leer und eben ſo fehlte das Meßbuch.

Auf dem Chorpulte lag ein geöffnetes ſeltſam geſchrie⸗ benes Buch, deſſen mit hieroglyphiſchen Charakteren bedeckte Seiten anſtatt der heiligen Miniaturmalerei die ſeltſamſten und zugleich unzüchtigſten Bilder zeigten, die mit einer außerordentlichen Sorgfalt gemalt waren, das ſcheuß⸗ lichſte und koſtbarſte der Zauberbücher.

Wenn Alles für die gottesläſterliche Ceremonie bereik

war, wenn die Garden, ohne Degen, ohne Dolch(denn der Teufel fürchtet die Stahlſpitzen), ſich hinter dem Altar aufge⸗ ſtellt hatten; wenn alle Diener längs der Mauern Platz genommen hatten, trat der Clerus ein, an deſſen Spitze ſich der roth und ſchwarz bekleidete Gilles de Retz befand, der ein Beil in ſeiner Hand hatte.

bin! rüftelich u ohne ine viſc ragten. hman n des mit ihm, von ihne ſeiner Kl De Altar un das Gruc Meßbuch Die Koml Geſten un vor din bucfs ſge Da! beenc ifnaben ſie Männer, d führten od Fnaben he langen, we Die Von allen hat, iſt dammtes davon ge ſcheußlich kann, Dieſ lccſten wurden vo ſie auf dr wit einem Bücken Prelati Untergebe Anweſen Pre bewahrte Gehirn, virkung! ziehen ode Wäl ſchwendete Reitthüm jagte, tri Schrecken der benad