Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
250
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250 Novellen⸗

Noch denſelben Abend war der Vorfall bei Hofe dem König und den Miniſtern gemeldet. Der Dolch war durch den Hut und zwiſchen den Ohren in den Kopf gedrungen, ohne aber den Knochen zu durchſtechen, war er daran hinabgefahren und im Fleiſche des Nackens ſitzen geblieben, ſo daß die Länge der Wunde zwar zwei Zoll, ihre Tiefe aber an der unterſten Stelle nicht über einen halben Zoll war, und der Chirurg ſogleich verſicherte, es ſei nicht die geringſte Gefahr und in zwölf Tagen könne alles vorüber ſein. Der Kerl mag es freilich auf mein Leben abgeſehen haben, aber er hatte, wie es ſcheint, darauf gerechnet, daß die Thür, wie gewöhnlich, verſchloſſen ſein würde und er mir ſo, während ich ſtill ſtände, um ſie zu öffnen, den Dolch bequem in den Nacken ſtoßen könnte. Der Umſtand, daß die Thür ſich öffnete, raubte dem Stoße ſeine Kraft und gab ihm eine ſchräge Richtung; dieſer ſowohl, als daß ich in das dunkle Haus gerieth und hier noch eine andere Perſon war, mag ihn wahr⸗ ſcheinlich außer Faſſung gebracht haben, ſo daß er entſprang, ohne einmal den Dolch zurückzuziehen. Denſelben Abend noch fand man eine Maske, die er abgeriſſen und von ſich geworfen hatte. Ich aber ſchlief, gut bewahrt, mehrere Stunden ganz ruhig. Am anderen Morgen ließ ich mich in ein bequemeres Bette bringen; das Criminalgericht kam, um nach meinen Ausſagen ſeine Unterſuchungen einzurichten. In meinem Vorzimmer war es wie in dem Vorſaal eines Miniſter⸗Präſidenten, geheime Staatsräthe und Directoren, alle von meiner Bekanntſchaft, kamen, um ſich perſönlich nach mir zu erkundigen, und die ganze Stadt war von Geſprächen, Unwillen und Er⸗ bitterung über den Vorfall angefüllt. Nachmittags ſchrieb ich ſelbſt an den König, um ihn darauf auf⸗ merkſam zu machen, daß dieſes Attentat auf mein Leben nicht aus perſönlichem Haß gegen mich gewagt worden ſei, ſondern daß es offenbar mit den früheren Anſchlägen gegen uns zuſammenhänge, und daß man mich habe morden wollen, um die Andern zu erſchrecken und zu verſcheuchen. Das iſt auch die Anſicht, welche hier die herrſchende geworden iſt, da Jedermann weiß, daß ich mit der ganzen Welt in Friede und Eintracht lebe und gar keine perſönlichen Feinde habe. Drei Tage hatte ich unruhige Nächte und Fieber, am vierten Tage ward der Verband geöffnet, die Wunde wurde von den Criminalgerichtsärzten nach allen Richtungen unterſucht und nach dem neuen Verbande fühlte ich mich um vieles erleichtert. Der König hatte mir ſelbſt ſeinen Leibehirurg, den Hofrath Winter, zuge⸗ ſchickt, der mich täglich zweimal beſuchte und ſehr gut behandelt hat. Nach vierzehn Tagen fand ſich, daß der Wunde eine Gegenöffnung mußte gemacht

Zeitung.

werden, um den Eiter unten abzuleiten und nachdem dieſe Operation glücklich durch den Hofrath Winter war ausgeführt worden, ging ich meiner vollkommenen Geneſung mit ſtarken Schritten entgegen. Seit drei Tagen iſt die Heilung, der Hauptſache nach, vorüber, und ich trage, wenn ich ausgehe, nur noch eine ſchwarze Binde, bis die Wunde vollkommen vernarbt iſt. Während meiner Krankheit hat es mir nicht an War⸗ tung und Pflege gefehlt. Alle Hausmütter der mir bekannten Familien, beſonders die Frau von Niet⸗ hammer, ſind um mich beſchäftigt geweſen, haben mich beköſtiget, mit Allem verſorgt und ihren Thee Abends auf meiner Stube getrunken, um mich zu unterhalten und zu zerſtreuen. Auch von ganz fremden Leuten habe ich Beweiſe der größten Theilnahme gefunden, der König hat ſich, wie die Miniſter, täglich Nachricht von meinem Befinden bringen laſſen und ich hoffe, daß Alles zu meinem Vortheil und Beſten ausſchlagen wird. An eine Wiederholung des Verſuchs, mich zu morden, iſt kaum zu denken, denn dies konnte nur zur Maskenzeit des Nachts, und ſo lange ich unge⸗ warnt war, geſchehen; jetzt, wo ich nie allein ausgehe und die nöthigen Sicherheitsmaßregeln treffen kann, wird man es bleiben laſſen, zumal da man faſt mit Fingern auf die Zeiſige hinzeigt, von denen allein ſo etwas gewagt werden konnte. An einen Ueberfall des Nachts iſt noch weniger zu denken, da in dem⸗ ſelben Stocke, wo ich wohne, noch ſieben andere Profeſ⸗ ſoren und der Hausmeiſter ſind, und überdies ſieben Thüren geöffnet werden müſſen, ehe man zu mir in mein Zimmer eindringen kann.

In der That hat man auch keinen zweiten Mord⸗ verſuch an den edelen Thierſch gemacht, aber es iſt auch nicht möglich geweſen, den Thäter jenes Dolch⸗ ſtoßes zu entdecken, obgleich es an unbewieſenen Ver⸗ muthungen dieſes Werkzeuges einer fanatiſchen Partei nicht fehlte.

Thierſch machte außer einigen Reiſen durch Deutſch⸗ land, nach Paris und Eugland auch einen Ausflug nach Italien. Klar und lehrreich iſt überall ſein Blick; er berührte auch die jetzige Hauptſtadt Italiens, Flo⸗ renz, und das flüchtige Bild, welches er vom dortigen Treiben vor vierzig Jahren entwirft, contraſtirt ſeltſam gegen die bekannte Wirklichkeit von heute. Thierſch ſchreibt:

Ich kann nicht von Florenz ſcheiden, ohne noch einmal dieſe große und ſchöne Stadt wegen des Looſes glücklich zu preiſen, das ihr gefallen iſt. Sie hat, wie das Land, zwar keine Verfaſſung, aber auch keine Polizei, wenigſtens keine, die dieſen Namen verdient, nicht einmal für Gewerbe, Nachtwächter und Straßen.

Der Hof braucht von den zehn Millionen Seudi,

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