246 Novellen⸗Zeitung.
ganz Italien aus den Fugen gegangen. Das Leben mit ſeinen Ereigniſſen hat den Charakter gewechſelt, und ich fürchte, auch wir können uns dieſem gewalt⸗ ſamen Zuge nicht entziehen. Das kindlich Idylliſche, die arkadiſche Ruhe müſſen wir entſchieden aus un⸗ ſerer Liebe ſtreichen. Wir müſſen Bekanntſchaft mit der Liebe unter Todesgefahren machen, und ich glaube, Theure, das Tröſtende iſt, daß die Liebe durch die Gefahren, von denen ſie umlagert wird, erſtarkt und ihre innerſte Natur offenbart, allen feindlichen Mächten und ſelbſt dem Tode zu trotzen. Haben wir früher gleich Bucoliere geliebt, ſo laß uns jetzt als Helden lieben, Giulietta!“
Die ſchöne Marcheſa ſchien indeß bei dieſer Aus⸗ ſicht all ihren Muth einzubüßen. Sie konnte nur durch Schluchzen antworten und vergebens bemühte ſich Ercole, ſie zu beruhigen.
„Wahrlich,“ ſeufzte Ercole,„ich hatte einen an⸗ dern Empfang erwartet. Ich bin ein Mann von feſten Entſchlüſſen; aber ich geſtehe es, daß ich eine Sehn⸗ ſucht empfunden habe, von Dir zur Erfüllung meiner Miſſion aufgemuntert zu werden.“
„Eine Miſſion?“ fragte Ginlietta erſchrocken.„Es führt Dich noch eine andere Urſache nach Neapel, als die Sehnſucht, mich wiederzuſehen?“
„Verzeihe, angebetetes Bräutchen! Hier läßt ſich das Eine unmöglich von dem Andern trennen! Aller⸗ dings wollte ich Dich ſehen und ſprechen; aber zu⸗ gleich trieb es mich unwiderſtehlich, in die Gräuel einzugreifen, deren Schauplatz Neapel geworden iſt. Mein erſter Gedanke gehört Dir und dem Vaterlande, der heiligen Italia; der zweite den Unglücklichen, welche gleich mir ſich vergebens erhoben haben, um das Regiment der Niederträchtigkeit, der Höllenfinſterniß zu brechen. Hätte ich einen Andern als mich bezeich⸗ nen können, welcher geeignet geweſen wäre, Hülfe zu bringen— jetzt, da es die allerhöchſte Zeit iſt, ſo würde ich, um Dich nicht zu ängſtigen, mich nicht in der Höhle der Löwen gewagt haben.“
„Du ſprichſt von den Parthenopäern, von den Franceschini, die San Elmo, la Torre di Vicenzo, il Torrione del Carmine und Caſtello del Uovo beſetzt halten?“ fragte Giulietta, welche mit höchſter Span⸗ nung den Eroͤffnungen Ercole's lauſchte.
„O, jene Unglücklichen haben wenigſtens jetzt noch eine ſtarke Bruſtwehr als Schutz vor den Tigern des Cardinals Ruffo vor ſich! Wie aber iſt's mit den Anderen, den nach Zehntauſenden zu zählenden Ver⸗ dächtigen, die Nacht für Nacht aus ihren Häuſern geholt und ſchaarenweiſe nach den Strafinſeln Sici⸗ liens geſchleppt werden?“
„Theuerſter Ercole! Dies iſt entſetzlich und Nie⸗
mand kann dies bitterer empfinden, als ich! Glaubſt Du, Geliebter, daß Du im Stande ſeieſt, dieſem Wüthen der Royaliſten Einhalt zu thun?“
„Ich glaube nichts, ich hoffe ſogar nichts in
dieſer Hinſicht,“ antwortete Ercole dumpf;„aber ſo viel
weiß ich, daß es meine Pflicht iſt, meinen der Ver⸗ nichtung anheimgegebenen Geſinnungsgenoſſen meine Kräfte Zu Gebote zu ſtellen.“
„Du wirſt Dich opfern!“
„Möglich, theure Giulietta. Du wirſt dem Mär⸗ tyrer ein liebendes Andenken bewahren!“
„Es iſt Wahnſinn, welcher Dich treibt!“ rief die Marcheſa leidenſchaftlich.„Du ſchleuderſt ganz ind gar zwecklos Dein Leben fort. Du wirſt nichts ver⸗ mögen, als die Zahl der Opfer des Cardinals Ruffo um eines zu vermehren.“
„Soll es ſo ſein, ſo ſei es, Giulietta!“
„O, welche grauſame, herzloſe Antwort!“ rief das junge Mädchen.„Du haſt es vergeſſen, wie ſehr ich Dich liebe; Du haſt die Empfindung davon verloren, daß mir ein Recht an Dir zuſteht, daß Du Deine Schwüre brichſt, wenn Du ein Leben nutzlos aufs Spiel ſetzeſt, ein Leben, von welchem ich Unglückliche wähnte, es ſei mein Eigenthum!“
Ercole hielt bis dahin die Hand Giulietta's ge⸗ faßt. Er ließ dieſelbe ſinken, ſtand auf und durchmaß das kleine Gemach mit gewichtigen Schritten.
„Ich weiß wahrlich nicht,“ ſagte er halb leiſe, „ob ich eine Italienerin, ob ich eine Dame der Fa⸗ milie Policaſtro ſprechen höre! Es war eine Zeit, wo Du für den Ruhm ſchwärmteſt, Giulietta; wo ich in Deinen Augen die Aufforderung leſen konnte, für Italien und für freie, humane Inſtitutionen Alles zu wagen. Als ich am 21. und 22. Januar ſechsund⸗ dreißig Stunden lang zu Pferde und zu Fuß gegen dieſe Teufel, die beſtialiſchen Lazzaroni gekämpft hatte, welche ganz Neapel in eine Leichenſtadt zu verwandeln drohten, wer war's, die mich begleitete, als es galt, die anrückenden Franzoſen Namens der Stadt als Freunde zu begrüßen?“
Ginlietta verbarg das Geſicht in den Händen.
„Ihr ſcheint hier anderer Anſicht geworden zu ſein,“ fuhr Ercole mit Schärfe fort.„Ich bin ſtolz darauf, ganz dieſelben Geſinnungen zu hegen, welche meine Verlobte, Giulietta di Policaſtro, einſt mit be⸗ zauberndem Enthuſiasmus begrüßte. Freilich, Ihr ſeid hier einige Schritte weiter gekommen, als ich! Der Marcheſe di Policaſtro iſt in die Zahl der Am⸗ neſtirten eingereiht; ſeine edle Tochter erfreut ſich der Huld der Königin, und wie ich geſehen habe, fährt Giulietta di Policaſtro im offenen Wagen mit jenem engländiſchen Weibe ſpazieren, vor welchem— trotz
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