Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
244
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244 Novellen⸗

Die Dame führte die beiden Herren in einen halbkreisförmigen, mit einer Menge von Polſterſtüh⸗ len verſehenen Saal, in welchem tiefe Dämmerung herrſchte.

Bitte, ſetzen Sie ſich. Es bedarf nur einer kur⸗ zen Vorbereitung und Ihr Erſtaunen wird beginnen.

Eine Gardine theilte ſich im Fond des Saales zur Linken und zur Rechten eines rieſenhaften, reich⸗ verzierten Goldrahmens. Der von dem Rahmen um⸗ ſchloſſene Raum, weit in die Tiefe zurückreichend, war hell beleuchtet und ſchimmerte tief roſenroth. Ein zierlicher ekruskiſcher Dreifuß ſtieg aus dem Boden hervor; auf dem Boden glühten Kohlen. Eine Prie⸗ ſterin mit halb verhülltem Geſicht erſchien und ließ ſich auf ein Knie nieder; ſofort trat von der andern Seite ein hochgeſchürzter Jüngling an den Altar, ſtreute Weihrauch auf die Kohlen und ergriff durch den aufwirbelnden Dampf hindurch die mit dem Schleier verhüllte Hand der Prieſterin. Einige Se⸗ cunden und der Rahmen ward durch einen blitzſchnell herabfallenden undurchſichtigen Schleier geblendet.

Prachtvoll! rief Lord Hamilton.Das Motiv meines metallenen Handſpiegels aus Tarquinii. Aber wer iſt dieſer unvergleichlich ſchöne junge Mann?

Der Fond des Goldrahmens öffnete ſich wieder. Ein laubbekränzter Jüngling lehnte ſich auf eine jugendlich drapirte Mädchengeſtalt, welche einen Apfel in der Hand hielt.

Der Antinous als Vertumnus mit Pomona, murmelte Lord Hamilton.Dieſer lebendige Anti⸗ nous iſt ein Dutzend Mal ſchöner, als derjenige im Braccio Nuovo in Rom.

Mit reißender Schnelligkeit folgte eine Gruppe der anderen: Ariadne und der jugendliche Dionyſos, letzterer von Ariadne umarmt und in ſeligem Selbſt⸗ vergeſſen den Kopf nach ihr zurückbeugend; die ver⸗ wundete Amazone, welche ihrem mit dem Speer be⸗ waffneten Sieger, der ſich über ſie hinbeugt, liebend die Wange ſtreichelt; der ſterbende Adonis mit der verzweifelnden Venus; Triptolemos und Demeter; Briſeis und Achilleus, Abſchied von einander neh⸗ mend; Selene, welche den ſchlafenden Endymion be⸗ trachtet.

Lautlos wechſelten die Gruppen, wie die Bilder eines olympiſchen Traumes. Während Lord Hamil⸗ ton, ganz in Genuß und Bewunderung aufgelöſt, un⸗ beweglich daſaß, ſtand Nelſon auf und ſtieß den zu⸗ nächſt vor ihm ſtehenden Stuhl gewaltſam fort.

Dieſe Folter ertrage ein Anderer! ſagte er für

ſich.Wahrlich, ſie iſt ein böſer Dämon eine

Diavoleſſa, eine Satanina! Cola Minari hatte ſich mit großer Geſchicklichkeit

Zeilung.

ſeiner Aufgaben entledigt; er ſchien indeß blos eine Figur zu ſein, welche der bewundernswerthen Kunſt der Lady Hamilton ein ſtärkeres Relief zu verleihen beſtimmt war. Während Minari die urſprüngliche Stellung unverändert beibehielt, durchlief Lady Ha⸗ milton alle Grade des Empfindungsausdrucks. Die unmerkliche Veränderung ihrer Attitude, die weichen Uebergänge von der Verfeſtung des einen Ausdrucks zu der des andern, dieſe durchaus tadelloſen Stellungen ſammt dem reichſten Spiel der Draperie das Alles war geradezu wunderbar.

Als Lady Hamilton die Mißſtimmung des Ad⸗ mirals bemerkte, entfernte ſie Minari und nahm einen großen oſtindiſchen Shawl in brennenden Farben, um eine Reihe von Begriffen zu perſonificiren: den Ruhm, das Vertrauen, die Sehnſucht, die Vorſicht, die Rache, die Verzweiflung.

Nelſon ſtarrte ſie mit verlorenem Blicke an. Kurze Zeit ſpäter fiel die Gardine der kleinen Bühne und Lady Hamilton erſchien im Zuſchauerraume mit Minari.

Was ſagen die Herren zu dem erſten Debüt meines Fiſchers? fragte die Dame triumphirend.

Ein Fiſcher? wiederholte Nelſon gedehnt, Cola, welcher ſein Fiſchercoſtüm angelegt hatte, von oben bis unten muſternd.Es iſt hier ziemlich dunkel, ſonſt wollte ich behaupten, daß dieſer junge Mann geſtern Nachmittag bei mir am Bord war...

Das iſt ein Irrthum, Eccellenza, antwortete Cola Minari lebhaft.

Spreche ich mit Dir, Du Tagedieb? fragte Nelſon mit tiefſter Verachtung.Es waren einige Patrone der im Hafen liegenden griechiſchen Schiffe bei mir am Bord, welche ſich erboten, ſchleunigſt Ge⸗ treide aus Albanien herbeizuſchaffen. Dieſer junge Mann, mit der geſtickten Jacke und der Fuſtanella der Griechen verſehen, führte das Wort. Er hat ſich ſogar die Provianträume meines Fahrzeugs zeigen laſſen.

Unmöoglich! betheuerte Cola Minari.

Nelſon nahm den Arm der Lady Hamilton und kam mit dem Lord in den Empfangsſaal.

Wo iſt der Grieche geblieben? fragte der Ad⸗ miral.

Der arme Pescatore, der Fiſcher! verbeſſerte die Dame.Weshalb funkeln Ihre Augen ſo dro⸗ hend, Admiral?

Sie wollen es in Abrede ſtellen, Mylady, daß dieſer Sir Achilleus, Endymion oder wie er ſonſt heißen mag, ein höͤchſt gebildeter Mann und kein roher Fiſcher iſt? fragte Nelſon.

Er iſt ein Fiſcher! Seine Bildung beſteht in ſeiner außerordentlichen Schönheit...

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