Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
237
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Vierte

entſchiedene Maßregeln zu ergreifen, zu welchem Schritte ſie noch beſonders durch Sully angeſpornt wurde. Die Stärke der Partei Condé's ließ einen ſolchen Verſuch allerdings gewagt erſcheinen; aber der Anſchlag ward ſo geheim gehalten und ſo geſchickt geleitet, daß man ihn ohne Widerſtand am 1. September 1616 im Louvre verhaften und nach der Ba⸗ ſtille bringen kennte. Hier und in Vincennes blieb er drei Jahre lang gefangen und ward ſehr ſtreng behandelt und eng Erſt nach großer Mühe und nachdem er ſchon lange eingeſperrt geweſen war, gelang es ſeiner Gattin, welche ihn nachgerade aufrichtig liebgewonnen hatte, ſich die Erlaub⸗ niß zu erwirken, daß ſie ſeine Haft theilen durfte. Seine Befreiung verdankte er Luynes, welcher ihn nach dem Sturz und Tod Concini's am 16. October 1619 aus Vincennes abholen ließ und wieder in ſeine vorigen Würden und Ehren einſetzte. Von da an ward er wieder ein treuer Anhänger des königlichen Hauſes und widmete Ludwig XIII. ſeine eifrigen Dienſte im Cabinet wie im Felde bis zu ſeinem Tode am 26. December 1646. Voltaire ſagt von ihm jedoch mit Recht, ſein größter Ruhm habe eigentlich darin beſtanden, daß er der Vater des großen Condé geweſen ſei. 6.

Ein Gegenſatz zu unſerm modernen Theatermweſen.

Ein ſolcher zeigt ſich in der auffallendſten Form in der Art, wie Goethe ſein Theater leitete, wie er die Künſtler ohne alle Rückſicht auf ihren Eigenſinn zu allen möglichen Rollen, ja ſelbſt zu mehreren in ein und demſelben Stück verwandte und ſich Kräfte bildete, die ebenſowohl im Drama als in der Oper wirken konnten. Subordination, Oekonomie und Ein⸗ heit im Zuſammenſpiel bildeten ſeinen großen Wahlſpruch. Welcher gewaltige Contraſt gegen heute, wo Ungehorſam, Verſchwendung der Mittel und Disharmonie im Zuſammen⸗ ſpiel die Parole der rückſichtsloſen Virtuoſen und der kleinen anmaßenden Komödianten ſind, die ſich alle Virtuoſen zu ſein dünken. Dies iſt ihr Ziel, vom wahren Künſtlerthum iſt nicht mehr die Frage.

Gotthardi ſagt einiges Hierhergehörige über Goethe's Bühnenleitung. Goethe's Princip war es, namentlich an⸗ gehende Künſtler und Künſtlerinnen auch als Statiſten zu beſchäftigen. Sie ſollten von der Pike auf dienen, auf dem Theater vor allen Dingen mit Sicherheit, Anſtand und Würde ſtehen und gehen lernen. Ja, ſelbſt bewährte Kräfte gab er in dieſer Ruͤckſicht nicht frei und legte ihnen in zweiter Reihe die Verpflichtung auf, im Schauſpiel und in der Oper, wenn erforderlich, untergeordnete Rollen zu übernehmen, ohne Wi⸗ derrede. So hatten Graff und Malkolmi in der Mozart'ſchen

OperTitus zwei Senatoren vorzuſtellen; dem erſteren war

es ſogar früher nicht erlaſſen worden, in derZauberflöte ſich den nach Papageno's Glockenſpiel hüpfenden und tanzen⸗ den Sclaven des Saraſtro einzureihen. Wolff hatte in der Operdie theatraliſchen Abenteuer den lächerlich⸗carikirten Theaterſchneider zu ſpielen, dieſelbe Rolle, welcher vor ihm auch Vohs ſich unterziehen mußte. Seine Frau bekam, noch als Dlle. Malkolmi, im Schauſpiel wie in der Oper vollauf zu thun, im Kleinen und Kleineren, wie es ſich eben machte und ſchickee und wie Goethe es aufzugeben beliebte: die Herzogin von Friedland darzuſtellen, einen Theil der Rollen der ver⸗ ſtorbenen Neumann⸗Becker zu übernehmen, in der Oper grö⸗ ßere und zweite und dritte Partien zu ſingen, unter jenen die Elvira inDon Juan. Ihr Vater, Malkolmi, gab in dem Kotzebue'ſchen SchauſpielRudolph von Habsburg die kleine Rolle eines alten Bürgers, Graff inDon Juan einen Ge⸗

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richtsdiener, die Lortzing die Margarethe Kurl inMaria Stuart, Oels ſtellte in derBraut von Meſſina eine Zeit lang einen einfachen Ritter aus dem Gefolge des Don Manuel, einigemal auch den Boten Lanzelot vor. Dürand hatte Be⸗ dientenrollen mit zu ſpielen, einen Officier inEſſex, einen Lohnlakai imIntermezzo, und umgekehrt mußten Sänger und Sängerinnen geringe Rollen im Drama übernehmen; ſo Moltke den Rittmeiſter Neumann inWallenſtein, den Chatillon in derJungfrau von Orleans, den Herzog von Bretagne in Körner'sRoſamunde, den Begler⸗Bey in Zriny, einen jungen Maler inBayard u. a. m., die Eberwein eine Bäuerin inWilhelm Tell, die Conſtanze in Bayard, die Ismene inPhädra und dergleichen.

Das Bühnenperſonal war aus ökonomiſchen Gründen auf die nur eben ausreichende Zahl beſchränkt. Als ein be⸗ ſonders willkommener Umſtand durfte es gelten, daß mehrere Mitglieder im Schauſpiel und in der Oper zu verwenden waren, und nicht etwa nur als erträgliche und nachſichtig zu duldende Ausfüllſel, ſondern als Leute, die den eigenſinnigſten, hochgeſpannteſten Anſprüchen für beide Fächer vollkommen genügten: die Jagemann, Unzelmann, Deny, die Eberwein, die Dürand u. ſ. w.

Es galt, die vorhandenen Kräfte abzuwägen, einzutheilen oder, wie man will, auszutheilen, zu vervielfältigen, um's Doppelte und Dreifache auszubeuten und nutzbar zu machen. Dazu drängte ſchon die Noth, dieſe großePreſſerin nicht blos im Bühnenleben. So mußten ſich denn manche der Theaterherren und Damen, ohne Anſehen des künſtleriſchen Ranges und Standpunktes, ohne alle Umſtände bequemen, in einem und demſelben Stück zwei, auch drei Perſonen darzu⸗ ſtellen. Graff hatte, bevor derGötz ſelbſt an ihn kam, im erſten Theil des Goethe'ſchen Drama, wie es früher ge⸗ geben wurde, den Barthel von Wantzenau und zugleich den Ritter Max Stumpf zu geben, desgleichen Dürand den Kaiſer Maximilian, den kaiſerlichen Rath und einen Boten des heim⸗ lichen Gerichts, Holdermann imGötz den Sickingen und den Zigeunerhauptmann, Uſchmann einen Boten des heim⸗ lichen Gerichts, Reiſigen der Adelheid und den Peter von Blinzkopf. Unzelmann ſpielte den Pfarrer Röſſelmann und den Johann Parricida inWilhelm Tell; und ſo ließ ſich noch eine ganze Liſte ſolcher Double⸗Rollen anfertigen.

Je nach Befinden ließ Goethe einzelne Individuen durch die Feuer⸗ oder die Waſſerprobe der Kunſt gehen. Trägeren, phlegmatiſcheren Künſtlernaturen theilte er lebhafte, animirte, allzuerregbaren, exaltirteren ruhigere, geſetztere Rollen zu.

Das Hauptbeſtreben Goethe's aber, dem er nie untreu, darin nie ſchlaff und nachläſſig wurde, das er keinen Augen⸗ blick aus den Augen verlor, war auf die Herſtellung einer ſchönen Einheit, eines harmoniſchen Ganzen der dramatiſchen Vorführungen, eines abgerundeten Zuſammenſpiels der Künſtler hingerichtet. In der Erreichung dieſes würdigen, großen Ziels beſteht vor Allem der Ruhm, der Vorzug und das Verdienſt der Weimariſchen Mimen jener Zeit und der Schule, in welcher ſie herangezogen wurden. Ihnen und ihr haben es darin keine der früheren und ſpäteren(wenn man überhaupt von letzteren reden kann) nicht nur nicht zuvor⸗ gethan, keine von allen hat es in dieſer Maße in's Leben ge⸗ rufen und geſtaltet.

Fürwahr das übereinſtimmende Ineinandergreifen Aller und das würdevolle ſchöne Maß der Einzelnen bot ein Vollkommenes dar, wie es ſich ausgeprägter nicht denken läßt. Da herrſchte kein egoiſtiſch geſpreiztes Virtuoſenthum, noch ſchale Routine, noch widerlich elender Schlendrian; ſie

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