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aber ſie ſelbſt iſt eine ganz andere Perſon, als man aus ihr macht. Sie braucht keine Vertheidigung, ſie braucht nur verſtanden zu werden, denn ſie hat ihre Natur muthig und immer in guter Abſicht durchge⸗ führt. Sie würde einen Mann dauernd geliebt haben, wenn ſie einen Zeitgenoſſen gefunden hätte, der ſie in dem ganzen Umfange ihres Weſens hätte befriedigen und beherrſchen können, aber dazu gab es für eine ſolche Frau kaum eine Möglichkeit. So hat ſie den Gegenſtand ihrer Neigung gewechſelt und verſchiedene Male. Auch mag ihr Leben etwas von der Bacchantin an ſich gehabt haben, von der Liebe zu Nacht und Sturm und der freien Luft, in welcher die Nachfolge⸗ rinnen Cybele's auf Bergeshöhen umherſchwärmten. Aber nichts Rohes, Grobes, Unſchönes war je in ihr, und ich bin überzeugt, daß ihr edles Herz aus jeder Frucht reiche Nahrung zu gewinnen nicht verſaͤumt hat. Wenn ſie eine Freundſchaft erſchöpft zu haben glaubt, bricht ſie dieſelbe plötzlich ab, und ſie hat dies oft ſowohl bei Männern als Frauen gethan. Auf dieſe Urſache allein laſſen ſich ſchon die meiſten Ver⸗ leumdungen über ſie zurückführen.
Ich habe noch nicht erwähnt, daß ſie beim Sprechen fortwährend ihre kleine Cigarette raucht. Dies iſt jetzt faſt allgemein Sitte unter den franzöſiſchen Damen, aber es ſtammt, glaube ich, von ihr her. Mich dünkt,
rührung gekommen.
Novellen⸗ZJeitung.
daß ſie Viel gelitten hat, aber ſte hat auch Viel ge⸗ noſſen und gethan, und ihr Ausdruck iſt der der Ruhe und Befriedigung. Es that mir leid, ſie ihr ſchönes Talent ſo unbeſorgt ausbeuten zu ſehen. Sie ſchreibt zu viel, und dies kann nicht lange ſo fortgehen. Später ſah ich auch Chopin, der ſeit den letzten zwölf Jahren bei ihr wohnt. Ich beſuchte ihn mit einem ſeiner Freunde auf ſeinem Zimmer. Exr iſt immer krank und ſo zerbrechlich wie eine Schneeflocke, aber ein ausgezeichnetes Genie. Er war ſo gütig, mir vorzuſpielen; ſein Sprechen gefiel mir kaum weniger als ſein Spiel. Madame Sand war vor ihm mit Liszt in Verbindung und iſt ſo mit den beiden ent⸗ gegengeſetzten Seiten der muſikaliſchen Welt in Be⸗ Man erzählt hier, daß ſie lange in einem nur freundſchaftlichen Verhältniſſe zu Chopin geſtanden hat, der es ſeinerſeits vielleicht vorzieht, ein Liebhaber, und zwar ein ſehr eiferſüchtiger Lieb⸗ haber zu ſein; da er aber bei ſeiner fortwährenden Kränklichkeit ihrer liebenden Sorgfalt ſehr bedarf, ſo verläßt ſie ihn nicht. Ich ſelbſt habe natürlich über dies Alles kein Urtheil. In Frankreich kann man von keiner Sache, die man nicht mit eignen Augen ſieht, etwas Zuverläſſiges wiſſen, das Lügen iſt bei der grande nation“ tief eingewurzelt, wie ſie es in der Literatur nicht weniger als im Leben beweiſt.“
Feuilleton.
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Zu den Charakterbildern des 17. Jahrhunderts in Frankreich.
Wenn auch die zuſammengetragenen Hiſtorien über die Thaten und Unthaten, die ſich in der Baſtille zugetragen haben und welche Mylius erzählt, keineswegs den Platz gründ⸗ licher Forſchungen einnehmen können und wollen, ſo bringen ſie doch für das größere Publicum aus der älteren Königs⸗ geſchichte Frankreichs manche wenig bekannte Einzelheiten an die Oeffentlichkeit und theilen Züge mit, die auf den Charak⸗ ter mancher Herrſcher und ſogar Helden ein ergänzendes Licht werfen. In Bezug auf Heinrich IV. und auf den Glauben an Alchymiſten, der ſich bis zur Zeit Ludwig's XV. in Schwung erhielt, giebt die nachfolgende Mittheilung ein Beiſpiel.
Während der erſten vier bis fünf Jahre der Regentſchaft der Maria von Medicis ſcheint die Baſtille keinen Gefange⸗ nen von Bedeutung beherbergt zu haben. Dann nahm ſie einen Arreſtanten auf, der ſich zwar keines hohen Ranges rühmen durfte, aber trotzdem unter der vornehmen Welt von Paris in großem Anſehen ſtand. Der Glaube an Magis und Zauberei war zu jener Zeit allgemein verbreitet. Män⸗ ner und Frauen aller Stände, beſonders aber der reicheren und vornehmeren, liefen ſich beinahe die Füße hinweg nach Liebestränken, Liebesknoten, Amuletten und anderen Zauber⸗
Perſon zu ſehen. Unter denjenigen, welche die Neugierde und Verblendung der leichtgläubigen Maſſe zu ihrem Vortheil ausbeuteten, hat uns die Geſchichte insbeſondere die Namen von zwei hervorragenden Schwindlern aufbewahrt, nämlich des Cäſar und eines Florentiners Namens Ruggieri. Wir verdanken unſere Kunde von denſelben vorzugsweiſe den unge⸗ wöhnlichen Umſtänden, durch welche ſie aus der Welt geſchafft worden ſein ſollen.
Von Cäſar melden die Acten der Polizei in allem Ernſte, er habe die Macht gehabt, nach Belieben Hagel und Gewitter hervorzurufen. Er hatte einen dienſtbaren böſen Geiſt und einen Hund, welcher als eine Art untergeordneten Spiritus familiaris oder dienenden Teufels um ihn war, um für ihn Botendienſte zu beſorgen, ſeine Briefe auszutra⸗ gen und die Antworten zurückzubringen. Eine Hauptbe⸗ ſchäftigung Cäſar's war die Anfertigung von Liebestränken,
um junge Mädchen in junge Männer verliebt zu machen; außerdem verkaufte er auch Geheimmittel für andere Zwecke, namentlich Erbſchaftspülverchen und drgl. und konnte gele⸗
gentlich wohl auch einer feigen Memme an die Hand gehen, damit dieſelbe ohne perſönliche Gefahr einen verhaßten Geg⸗ ner aus dem Wege räumen konnte. Einen der Klagepunkte gegen ihn bildete die Anſchuldigung, er habe einmal ein ver⸗
mitteln, und die kühnſten aus der Maſſe fühlten ein unbe⸗ hextes Bild verfertigt, um einen Herrn von Stande an der zwingliches Verlangen, den Gott⸗ſei⸗bei⸗ uns in eigener Abzehrung ſterben zu laſſen,— ein vermeintliches Haupt⸗
leit ſpielte, weꝛ nehwen wir a ſtellers, welch deſſen Schild mir's kaum meiſter Cäſah Hofe und ſo Teufel zeigen auf einige de Geld abzujag der Stadt ein Rechten und! Teufel ſehen die Höhle zen ſtens 40 ode und gegen/ auch hat er er keine Gö heiliges Wor iſt, trete ich gehe, Kreiſe Beſchwörung irgend eine bald dies ge das Klirren und Gebell, fürchte; wenr nicht weiter; und behalte ſ ſäner frechen dürche gehen, undd hinein und dann einen meine Beſc ob ich aus bar darauf verſteckt hat linken, und Nammenſch Feuern zeig


