Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
233
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ſehr nahe wohnheit, 5 für ſe ſbten eine 7 Schloß it verlebt iid ehrten n hätten. lfürchten u, ebe ich d reizende Rſcrieben en für fünf⸗ kauft. Sie ſbriften als en viel grö⸗ Lirculation.

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Vierte

Es iſt mir, da ich in meiner Mutterſprache mich leicht und frei bewege, eine große Prüfung geweſen, hier meine Gedanken vergeblich mit dem Ausdruck ringen zu ſehen. Die Dienerin, welche mich einließ, war in der maleriſchen Tracht einer Bäuerin; ſie war, wie mir Madame Sand ſpäter ſagte, eine ihrer Pathen, die ſie aus der Provinz mitgebracht hatte. Sie meldete mich als Madame«»Saler⸗» und kam in's Vorzimmer zurück, um mir die Antwort zu bringen: Madame ſagt, ſie kenne Sie nicht.- Schon glaubte ich, daß ich zu einer abſchlägigen Antwort verurtheilt ſei; um mir jedoch Gewißheit zu verſchaffen, ſagte ich:»Fragt doch, ob ſie nicht einen Brief von mir erhalten hat. Als ich ſprach, öffnete Madame Sand die Thür und ſah mich einen Augenblick an. Unſere Blicke begneten ſich. Nie werde ich ihren An⸗ blick in dieſem Momente vergeſſen. Die Thür bildete einen Rahmen um ihre Geſtalt. Sie iſt ſtark, aber wohlgebildet. Sie trug ein Kleid von dunkelvioletter Seide und eine ſchwarze Mantille um die Schultern; ihr ſchönes, volles Haar war mit dem größten Ge⸗ ſchmack geordnet. Ihr ganze Erſcheinung und Halt⸗ ung in einfacher, aber vollkommen damenhafter Würde bildete einen faſt lächerlichen Contraſt mit der rohen, carikirten Vorſtellung, welche von George Sand um⸗ geht. Ihr Geſicht iſt den Portraits nur ſehr wenig ähnlich, aber viel ſchöner; der obere Theil, Stirn und Augen, iſt durchaus ſchön, der untere, ſtark und männlich, drückt ein entſchloſſenes Temperament und ſtarke Leidenſchaften aus, iſt aber nicht im Geringſten plump. Der Teint iſt oliv und das Ausſehen des ganzen Kopfes ſpaniſch, wie ſie denn wirklich in Madrid geboren und nur von einer Seite franzöſiſcher Abkunft iſt. Ich ſah alle dieſe Details auf einen Blick. Was aber meine Aufmerkſamkeit feſſelte, war der Ausdruck von Güte, Edelſinn und Kraft, der über das Ganze gebreitet war, das echt menſchliche Herz und die ſchöne Natur, die aus den Augen leuchteten. Als unſere Blicke ſich trafen, ſagte ſie: Cest vous!- und reichte mir die Hand; ich nahm ſie und ging mit ihr in ihr kleines Arbeitszimmer. Wir ſaßen einen Augenblick neben einander, dann ſagte ich: zes macht mich glücklich, Euch zu ſehen,» und gewiß, ich ſagte es mit meinem ganzen Herzen; denn es freute mich innig, eine ſolche Frau, einen ſo entwickelten Charakter leibhaft vor mir zu ſehen, und Alles, was gut, ſo wirklich gut an ihm iſt, in ſeiner Erſcheinung ſo deutlich abgeſpiegelt zu finden. Sie wendete ihr Auge fort und ſagte:-O, Ihr habt mir einen ſchönen Brief geſchrieben.

Dies war die ganze Einleitung zu unſerm Ge ſpräch, welches darauf weiter ging, als wenn wir

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einander lange gekannt hätten. Sie ſagte mir, ehe ich fortging, daß ſie eben heute an mich hätte ſchreiben wollen, den Namen bei der Anmeldung der Dienerin nicht erkannt hätte, nach einer Minute aber darauf verfallen wäre, es könne«La dame Americaine ſein (wie die Fremden mich oft nennen, da ihnen mein Name ſchwer zu behalten iſt). Ihre Zeit war ſehr beſetzt, da ſie eine Abſchrift für den Drucker zu be⸗ ſorgen hatte und, eben zurückgekommen, mehr als ſonſt mit Beſuchen beſtürmt wurde. Aber ſie wollte dennoch, daß ich bliebe, und ſagte, es ſei beſſer, die Gunſt des Augenblicks zu ergreifen und das Andere bei Seite zu legen. Ich blieb alſo einen großen Theil des Tages dort, und freute mich ſpäter doppelt darüber, da ich ſie nicht wieder ſo ungeſtört geſehen habe. Das zweite Mal ſah ich ſie in ihrem Kreiſe. Ihre Tochter und eine andere Dame, ſowie mehrere Herren waren anweſend. Sie nahm hier die Stellung einer geiſtreichen Frau und aufmerkſamen Freundin ein,

ungefähr dieſelbe, welche ich im Kreiſe meiner Be⸗

kanntſchaft, meine eigentlichen Herzensfreunde ausge⸗ nommen, behaupte.

Man ſagt, es herrſche wenig Uebereinſtimmung zwiſchen ihr und ihrer Tochter; aber für ihren Sohn ſcheint ſie viel Liebe zu empfinden, wie auch er ſie unausſprechlich bewundern und verehren ſoll. Er ſcheint einen guten, freien Charakter, aber kein be⸗ deutendes Talent zu beſitzen.

Sie ſpricht wie ſie ſchreibt, maleriſch, mit einem Grundton tiefen Gefühls und demſelben Geſchick, mit einem Schlag den Nagel auf den Kopf zu treffen.

Wir ſprachen durchaus nicht von perſönlichen oder privaten Gegenſtänden, und ich bemerkte, wie man es auch beim Leſen ihrer Schriften thut, daß ihr inneres Leben von Vorurtheilen nicht ganz unab⸗ hängig ſei, aber ich empfand dies nicht als Fehler, der ſie entſtellte. Sie hat ſo viel in ſich, und ich freute mich herzlich an dem Anſchauen eines ſo reichen, fruchtbaren und feurigen Genies. Auch das Weib in ihr erſchien mir ſehr liebenswerth und nicht leicht hat eine Frau mir beſſer gefallen. Was das Uebrige betrifft, will ich nicht viel darüber zu ſchreiben ver⸗ ſuchen; es fehlt mir an Raum nnd Zeit, meine Ge⸗ danken nach Wunſch auszudrücken; wie ich aber die Sache kurz zuſammenfaſſen kann, iſt ſie ſo: S. und ihre Bewunderer ſind befliſſen, aus ihr ein Phantaſie⸗ Gemälde zu machen, und ſie als eine Helena darzn⸗ ſtellen, deren ſämmtliche Fehler die Schuld des gegen⸗ wärtigen Zuſtandes der Geſellſchaft ſind. Mir aber ſcheint dies das Wahre an der Sache: Jene Reinheit der Seele iſt ihr allerdings eigen geblieben, denn ſie weiß ſie überall ſehr gut zu würdigen und zu lieben;