230 Novellen⸗
„Giulietta! Es iſt gut, daß ich allein es bin, welche die ſo ſehr unloyalen Worte hört. Aber Sie ſind ein bloßes Kind. Ihre Furcht läßt Sie Dinge ſagen, von denen Ihr Herz ſicherlich nichts weiß. Ihr edler Vater iſt von dem Könige begnadigt worden; Sie ſelbſt waren am Bord des Admiralſchiffes Lord Nelſon's in langer Unterredung mit Ihrer Majeſtät der Königin, welche das Maß der Huld Ihnen gegen⸗ über geradezu erſchöpfte— und Sie wollten noch trüben Ahnungen Gehör geben?“
Ginlietta ſeufzte.
„Mylady,“ ſagte die Neapolitanerin endlich leiſe und mit bebender Stimme,„Sie ſind der Schutzgeiſt unſerer Familie. Wäre ich nicht zu Ihnen durchge⸗ drungen und hätten Sie bei Ihrem edlen Gemahl, Lord Hamilton, ſo wie bei Lord Nelſon ſelbſt nicht das entſcheidende Wort geſprochen, ſo wäre mein Vater hingerichtet und ich auch des letzten Bajoccho beraubt worden, den wir unſer Eigenthum nennen!“
„Gut, gut!“ antwortete Lady Hamilton.„Aber iſt dies Alles denn ſo unſäglich traurig, um darüber in Thränen zu zerfließen? Oder droht Ihnen eine wirkliche, keine blos eingebildete Gefahr? In dieſem Falle, ſchöne Marcheſa di Policaſtro, rieth Ihnen Je⸗ mand, der ſich aufrichtig für Sie intereſſirt, ich ſelbſt nämlich, ums Himmelswillen nicht die Geheimnißrolle zu ſpielen. Vielleicht kann, wenn ſchnell zugegriffen wird, Hülfe geſchafft werden, während es ſehr zwei⸗ felhaft iſt, ob ich, ob Lord Nelſon Ihnen ſpäter er⸗ reichbar ſein werden.“
„Mylady, ich bin verlobt.. 5
„In der That? Und ich wünſche, daß Sie hin⸗ zuſetzen können: Und verliebt!“
„Ja, Mylady,“ flüſterte Giulietta.
„Nun, und der Auserwählte, er ſteht doch nicht auf Cardinal Ruffo's Aechtungsliſte?“
„Ja, er iſt geächtet worden,“ ſagte Giulietta faſt unhörbar.„Er ſoll Oberſt in einem franzöſiſchen Artillerie⸗Regiment ſein...“
„O weh! Was iſt da zu thun, als Sie zu be⸗ klagen!“
„Jeden Augenblick erwarte ich, daß er heimlich hierher nach Neapel zurückkehrt, um ſeinen alten Vater und mich zu ſehen! Es war mir unmöglich, ihn zu warnen, ihn zu beſchwören, dieſer unſeligen Stadt fern zu bleiben. Er wird hier ankommen, und ich habe die beſtimmte Ahnung, daß er ſeinen Feinden in die Hände fällt...“
„Und verloren geht! Richtig!“ antwortete Lady Hamilton kalt, während ſie die Jockeys langſam weiter fahren hieß.„Was kann Ihr Verlobter anders er⸗
Zeitung.
Giulietta ſchwieg und rang nur die Hände. „Sie werden mich nicht vor Angſt ſterben laſſen wollen; Sie werden mir wenigſtens ein Wort des Troſtes ſagen, Mylady!“
„Wie kann ich? Die Natur der Dinge in ihr Gegentheil verwandeln, iſt eine Kunſt, auf die ich mich nicht verſtehe. Wie heißt Ihr Verlobter?“ „Ercole, Graf Carracciuoli, der jüngſte Sohn des ehrwürdigen Admirals Carracciuoli...“
„Der Name iſt ein ſehr bedeutſamer, Signora,“ bemerkte die Engländerin langſam.„Um ſo mehr iſt Ercole Carricciuoli ſtrafwürdig, wenn er ſich den fran⸗ zoͤſiſchen Wölfen angeſchloſſen hat, welche Italien be⸗ reits an den Rand des Verderbens gebracht haben. Kann ich im unglücklichen Falle für Ihren Verlobten Etwas thun— und nun hören Sie mit dieſem un⸗ ſchönen Weinen auf— ſo ſoll es geſchehen! Ich will für Sie nichts halb gethan haben, ich will nicht han⸗ deln wie Lady Hamilton, ſondern wie Emma Ha⸗ milton.“
die Hand der Dame. K
Sie mich ſofort benachrichtigen, wenn Sie das ge⸗ ringſte Zeichen zu haben glauben, daß Ihr Ercole ſich in Neapel befindet. O, ſtill, ich glaube Ihnen ohne Schwur. Ercole muß zur Secunde die Stadt wieder verlaſſen.“
Die Lady nahm eine andere Miene an; ein ſchmel⸗ zendes Lächeln flog über ihre edlen, aumuthigen Züge und ihre Augen gewanne en eigenthümlichen Aus⸗ druck. 4
„Sprechen wir auch direct angehen!“ ſagte ände „Wiſſen Sie, zu welchem Zwecke wir urſprünglich hierher nach der Marina fuhren Sie errathen das nicht. Ich werde in den nächſten Tagen auf die ver⸗ einigten Wünſche von Lord Nelſon und Lord Hamil⸗ ton einige lebende Bilder— Gruppen von zwei Per⸗ ſonen— ſtellen. Ich, als Hauptperſon, bedarf zu meiner Unterſtützung eine männliche Figur. Ich habe nach einem paſſenden jungen Manne in Palermo wie hier in Neapel vergebens geſucht— heute Morgen habe ich den Adonis in einem Fiſcher gefunden, den ich Ihnen wahrſcheinlich in den nächſten Augenblicken vorſtellen kann. Ola,“ rief die Lady eine mit ihren Netzen beſchäftigte Gruppe von Fiſchern an,„ruft mir den Cola Minari! Aber ſchnell.“
„Non v'è Cola Minari! Es giebt keinen ſolchen!“ antwortete ein altes Weib.
„Gewiß, die Alte hat Recht!“ ward von mehre⸗
Dingen, die mich erin halb ironiſch.
warten, Marcheſa?“
Giulietta küßte in überſtrömender Dankonrteit
„Genug damit, Liebe! Aber ſchwören Sie, daß 1
ren Fiſchern geantwortet.„Minari iſt auf der Ma⸗
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