Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
229
Einzelbild herunterladen

n Strand

geheuren ind legte an.

ne Jacke

Dann pflegen ardinal chen!

uhrwerk Maring, beil der Tagens, Jockeys eecht

4

In dem offenen Wagen ſaßen zwei Damen. Die altere Dame war ganz in leicht geblümte Mouſſeline gekleidet und trug ein kleines, flaches Strohhütchen mit ſcharfer Spitze ganz nach Calabreſerform auf einer Fülle frei herabwallender, brauner Locken. Ihr Teint war fein und beſaß etwas Durchſcheinendes, Perlmutterartiges. Ihre Augen, groß und von blitzen⸗ dem Blau, zeigten Ruheloſigkeit, Neugier und Ueber⸗ druß zugleich; oft aber nahe der Blick einen leiden⸗ ſchaftlichen, beinahe wilden Ausdruck an.

Die andere Dame konnte höchſtens achtzehn Jahre alt ſein. Dies war eine echt ſüditalieniſche Schön⸗ heit mit einem Anhauch von Nußbraun auf Wan⸗ gen, Hals und Armen, mit ſchwarzen Sammetaugen, die ebenſo deutlich ſprachen wie der Mund, mit bren⸗ nend ſchwarzem, ſchlichtem Haar, das modeſt hinter die Ohren geſtrichen und hinten in einen Chignon ge⸗ knüpft war.

Die ältere Dame führte das Geſpräch mit großer Lebhaftigkeit.

Not so fast! rief ſie den Jockeys zu und fuhr dann italieniſch fort:In der That, Marcheſa, Sie fiden meine Ausſprache Ihrer edlen Sprache tadellos?

Ja, Mylady.

,O, Sie können keine Schmeichelei, viel weniger eine Unwahrheit ſagen, reizendes Weſen! rief die Engländerin.

Die Italienerin erröthete merklich.

Eocellenza ſprechen tadellos, antwortete die junge Dame,wenn unſer neapolitaniſcher Dialect Richtigen gilt. 5

4, die Engländerin, über Nammende Röthe hinfuhr. Nur in Reapel 3 das Italieniſche, denn nur in dieſer wunder rlichen Stadt giebt es Ita⸗ liener. Hier ſchlägt ſich der halbnackte Bettler für die Ehre, ein Italiener zu ſein, während die nach⸗ geborenen Landsleute eines Dante, die Florentiner, und pfui! die entarteten Römer, dieſen blutdürſtigen Franzoſen die Füße küſſen. Indeed, ich würde mich beleidigt fühlen, wagte mir Jemand zu ſagen, daß ich wie eine Florentinerin oder Römerin ſpräche!

Die feinen Naſenflügel der Lady vibrirten; ihre Augen ſchoſſen Blitze. Die Neapolitanerin ſenkte das Haupt, als höre ſie ein Unwetter heranbrauſen.

Wenn ich aufhören könnte, eine Engländerin zu ſein, ſo wäre ich eine Neapolitanerin! fuhr die Dame fort.Nirgend habe ich mein Inneres ſo voll⸗ kommen verſtanden, als eben hier, in dieſem Lande, wo die Natur das Furchtbare mit dem Reizenden miſchte und der ſeligſten Ruhe die unbeſchreiblichſten Schrecken gegenüber ſtellte.

Vierte

Folge. 229

Die Lady deutete raſch nach der Feuerſäule des Veſuv, nach der vom Abendroth vergoldeten Dampf⸗ wolke, welche ſich weit, weit bis zum Golf von Sa⸗ lerno fortziehen zu wollen ſchien.

Ich empfinde wie eine Neapolitana, reizende Marcheſa, ſagte die Dame ruhiger.Aber weil dies der Fall iſt, habe ich die unbeſchreiblichſte Abneigung gegen Alles, was nicht neapolitaniſch national iſt. Unnational ſind hier im allerhöchſten Grade alle Ideen der neugebackenen franzöſiſchen Republikaner, mit einem Worte Alles, was der Machtvollkommenheit Königs Ferdinand widerſtrebt. Wir Engländer verſtehen uns auf Freiheit und wir ſind wie unſere ſtolzen Segler dort beweiſen der Meinung, daß alle Freiheit in Neapel frei aus der Hand des Königs quellen muß. Da da; hören Sie, wie unſere Kanonenſchlünde mein Wort beſtätigen?

Das engliſche Geſchwader gab die Schüſſe für die Bezeichnung des Sonnenunterganges ab. Die Sig⸗ naliſirfregatte des Admiralſchiffes ſchoß zuerſt und dann blitzte es von allen den ragenden Koloſſen auf ein furchtbar eintöniges Concert erhob ſich und hinterließ rings in der Landſchaft Todtenſtille.

Ich finde, ſchöne Giulietta di Policaſtro, ſagte die Lady nach einer längern Pauſe, während der Wagen ſtill gehalten hatte,daß Sie heute Abend ſehr ſchweigſam geworden ſind!

Verzeihung, Eccellenza, ſagte die Dame und in ihren Augen zeigte ſich ein feuchter Schimmer. Das Elend in Neapel, die unaufhörlichen Schre⸗ ckensſeenen, die Unſicherheit von Gut und Leben, welche über uns Allen ich meine uns geborenen Neapolitanern ſchwebt, ergreift mich oft ſo heftig, daß ich faſt die Beſinnung verliere. Und dies, My⸗ lady, Verzeihung, das iſt gerade jetzt der Fall!

Furchtſames Kind! rief die Lady und ergriff die eine Hand der Nachbarin, um ſelbige ermuthigend zu drücken.Sie haben ihm gefallen, dem Helden, welcher jene Flotte befehligt, und Sie wollten fürch⸗ ten, daß irgend Jemand in Neapel oder meinetwegen im Königreiche dieſſeit und jenſeit des Faro wagen würde, Ihnen oder Ihrer Familie die allergeringſte Unannehmlichkeit zu bereiten?

O Mylady, wenn Sie wüßten, wie ſehr ich Ihnen für dieſe Worte danke! ſagte die Donna di Policaſtro.

Sie fürchten ſich alſo allen Ernſtes?

Wie ſollte ich nicht, Mylady! Ein ſchreckliches Schickſal hat eine Reihe von Männern und Frauen ereilt, welche den edelſten Familien angehören, den Geſetzen der Ehre und Loyalität ſchwerlich einen Augen⸗ blick ungetreu wurden.