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„Das wird davon abhängen, wann die franzö⸗
Novellen⸗Jeitung.
„Gut, Padrone! Ich bin einverſtanden!“ antwor⸗
ſiſche Flotte ſich auf freiem Waſſer zeigen wird,“ ſagte V tete Minari mit dem Ausdruck tiefer Verachtung.
Lucanto mit einem ſchlauen Blinzeln.
„Seit wann iſt der Hof von Palermo zurückge⸗ kehrt?“ fragte Minari, immer nachdenklicher werdend.
„Der König traut dem neapolitaniſchen Boden nicht,“ antwortete Lucanto. beſonders wenn dieſe ſchöne Engländerin, Hamilton, bei ihr iſt.“
„Ihr gehört ohne Zweifel zu den Parthenopäern, Signor Lucanto?“
„Eccellenza, wir ſind hier allein, weitab von der Küſte— aber man könnte es irgendwo in Neapel hören und mich verderben, wenn ich antwortete. Ich will Ihnen einen Maßſtab für Milio Lucanto geben,“ fuhr der Capitain fort, indeß er ſich emphatiſch auf⸗ richtete.„Ich erfülle ſtets die von mir eingegangenen Verpflichtungen— vorausgeſetzt, daß ich richtig be⸗ zahlt worden bin. Möglich, daß es für mich eine theure Rechnung wird, mein Wort in Bezug auf Sie, Eccellenza, zu halten;— aber ich habe mich dem fran— zöſiſchen Caper zu richtiger Zeit geſtellt, habe Sie an Bord genommen und werde Sie richtig in Neapel an der Marina abſetzen.“
„Und wie ſteht's, wenn man fragen darf, ſpäter wegen Ihres Schweigens, Padrone?“
„Corpo de Cristo, das muß bezahlt werden.“
„Was koſtet's?“
Lucanto trat von einem Fuße auf den andern, ſteckte den Zeigefinger zwiſchen ſeine weißen Zähne, ſah den Signor Cola Minari taxirend an und kam endlich zu dem Schluſſe, daß hundert Ducati nicht zu viel ſe en.
inari zog ſeine Brieftaſche und zahlte die Summe in franzöſiſchen Schatzbillets.
„O nein, nein!“ rief Lucanto.„Der Beſitz franzöſiſchen Geldes genügt, um mich aufs Blutgerüſt zu bringen.“
„Hier ſind gngliſche Banknoten.
„Allagro, Signore, das ſind die boſten Freunde der Partei, welche jetzt in Neapel das Schwert in der Hand hält.“
Minari zählte eine Summe ab.
„Hier, Padrone, und nun hoffe ich, werden Sie ſchweigen!“
„Ja, auf meinen Glauben und beim heiligen Januarius. Aber eine Ausnahme giebt's noch immer. Käme ich in einen der Ruffo'ſchen Kerker und man folterte mich, brennte mir Ellenbogen, Knie und Fuß⸗ ſohlen, oder ſchraubte mir die Knochen zuſammen,— dann, Eccellenza, ſehen Sie ein, daß ich für hundert Ducati nicht zu ſchweigen vermag.“
Madonna
„Die Königin iſt tapferer, vollgeſtopft.
„Beantworten Sie mir noch eine Frage:
Sind viele griechiſche Fahrzeuge im Hafen von Neapel?“
„Ja, laſſen Sie ſehen, zwanzig, fünfundzwanzig, meiſt Felucken und kleine Briggs, dicht mit Mannſchaft Die Leute ſind vor der Annäherung der vereinigten ruſſiſch-⸗türkiſchen Armada, welche jüngſt die ioniſchen Inſeln wegnahm, geflohen.“
„Wie heißt der Cabo del Popolo,— das Haupt der Lazzaroni?“
„Teoli, von Geburt ein Calabreſe.“
„Und das Haupt der Fiſcher?“
„Milio Lucanto, Signore Minari,— der vor Ihnen ſtehende ergebenſte Diener,“ antwortete der Capitain der Tartane.
Minari ſah ihn ſehr düſter an. 3
„Ihr ſpielt gelegentlich den Caper, glaube ich!
„Freilich!“ rief der Padrone lachend. meine Ragazzi, meine Burſchen, ſind tapfer und disciplinirt.“
„Sie würden ſich aber an keine Engländer w
„Inglesi?“ ſagte Lucanto und ſchlenkert der Hand, als wenn er ſich die Sin habe.„Diavolo!“ Minari verabſchiedete den Capitain durc eine Handbewegung.
Die Tartane ſegelte unter den ſteil anſte dunkeln Felſen von Ischia fort und ſuchte 5 zwiſchen den ſchwärmenden Fiſcherbarken hindur der Marina Neapels. Die Laterne ward Tartane aufgehißt, und bald ſchoß ein Boot heran, um Signor Minari aufzunehmen canto beſtand darauf, den Fremden an den Strand zu geleiten.
Das Boot ſchoß dicht unter den ungeheuren Rumpfen von engliſchen Kriegsſchiffen hin und legte dann vor der niedrigen Mauer der Marina an.
„Gute Nacht!“ ſagte Minari, ſchlug ſeine Jacke über die Schulter und ſprang ans Land.
„Buon viaggio!“ ſagte Lucanto laut. Dann fügte er für ſich hinzu:„Franzöſiſche Spione pflegen unter dem Regiment Seiner Eminenz des Cardinal Ruffo allerdings keine weiten Sprünge zu machen!“
Die Beſchützerin. Am andern Abende flog ein leichtes Fuhrwerk die Toledoſtraße hinab und lenkte nach der Marina,
der langen, gebogenen Straße, welche einen Theil der
Bai umgürtet. Die einfache Eleganz des Wagens, die vier hohen, lauggeſtreckten Roſſe mit ihren Jockeys wären allenthalben auf den erſten Blick als»echt engliſch⸗ anerlannt worden.
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