Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
222
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Ein ſüdamerikaniſcher Jules Gerard.

Dieſer Jules Gerard iſt eine Frau, welche Petrona Luna heißt. Sie iſt 30 Jahr alt; ihre Conſtitution iſt hager, aber kräftig; ihre Geſichtszüge ſind angenehm und gut gezeichnet. Aeußerlich bietet ſie alle weiblichen Reize dar. Sie hat nichts Männliches, Gebieteriſches, wohl aber einen feurigen Blick von einem ſehr energiſchen Ausdruck, obgleich ohne jeden Beiſatz von Wildheit. Uebrigens entfernen ihre gut entwickelten geiſtigen Kräfte jede Idee, daß eine unver⸗ nünftige Unterſchätzung der Gefahr und der Mangel an Ur⸗ theilskraft die beſtimmenden Urſachen ihrer bewundernswer⸗ then Unerſchrockenheit ſein möchten.

Petrona Luna iſt in Barruyacu, in der Provinz Tucuman, der herrlichſten Gegend des argentiniſchen Con⸗ tinents, geboren. In dieſem tropiſchen Laude entfaltet die Natur ſtolz ihre Schönheiten. Vor der Stadt Tucuman breiten ſich die Berge der Andes aus, welche mit einem braun⸗ grünen Mantel coloſſaler Vegetation bekleidet ſind, woraus zwölf Flüſſe hervorkommen, die in gleicher Entfernung in parallelen Richtungen fließen, bis ſie ſich in einer gleichförmi⸗ gen Neigung einander nähern und durch ihre Vereinigung einen ſchiffbaren Cdnal bilden, der ſich in dem Herzen Ame⸗ rikas verlieren wird. Die Orangenwälder, durch welche ſich dieſe befruchtenden Gewäſſer ſchlängeln, ſind in ihrem Urzu⸗ ſtande, aber, ſagt einer der erſten Schriftſteller des Landes, Don Domingo Sarmiento, in dieſen wohlriechenden Wäldern bekleidet die Pracht Indiens die Reize Griechenlands. Die Vegetation erſchöpft dort an Verſchiedenheit des Farbenſchmucks die reichſte Palette.

Dieſe ſchönen Orte haben indeſſen auch ihr Elend und ihre Geißeln: die Tiger in Tucuman verheeren die Hacien⸗ das und ſind der Schrecken der Hausthiere.

In einem Jagdereigniß, das ſich kürzlich in jenen Ge⸗ genden zutrug, ſpielte die argentiniſche Bäuerin Petrona Luna eine ebenſo überraſchende, wie unerwartete Rolle.

Am 27. Oct. 1865 meldete ein junger Peon(Arbeiter) in Pueſto im Departement Barruyacu, in der Eſtancia des Don Ignacio Lobo habe ſich in einer kleinen Entfernung ein Tiger gezeigt. Auf dieſe Nachricht ſetzten ſich die Arbeiter der Hacienda in Bewegung, um ſich Waffen zu ſuchen, wäh⸗ rend Petrona Luna mit ihrem Kinde an der Bruſt ein Pferd beſtieg, einen Knüppel über den Sattel gelegt und in ihrem Gürtel das Meſſer tragend, das die Argentiner von den Spa⸗ niern geerbt haben.

Petrona Luna war von dem Muchacho(dem jungen Knaben) begleitet, welcher den Tiger zuerſt bemerkt hatte, und die Hunde der Eſtancia folgten ihr.

Dieſe muthigen Thiere hatten bald das Lager des wil⸗ den Thieres aufgefunden und griffen dasſelbe, ohne ſich zu bedenken, an. Als Petrona Luna bemerkte, daß der Schäfer⸗ hund(el ovejero), der Günſtling ſeines Herrn und der nütz⸗ lichſte Diener der Hacienda, Gefahr lief, von dem Tiger zerriſſen zu werden, ſprang ſie von dem Pferde, indem ſie rief:Der Tiger wird den Ovejero zerreißen.

Sofort reichte ſie ihren Säugling dem Muchacho, be⸗ waffnete ſich mit dem Knüttel, ſtürzte ſich auf den Tiger und verſetzte demſelben einen ſo heftigen Schlag auf den Kopf, daß er einige Augenblicke lang ganz betäubt blieb. Die Unthätigkeit des Tigers benutzend wiederholte Petrona Luna ihre Schläge mit einer ſolchen Schnelligkeit und Stärke, daß das wilde Thier bald außer Stand geſetzt war, ſich zu ver⸗ theidigen, worauf ſie mit ihrem Meſſer dem Leben desſelben ein Ende machte.

Novellen⸗

Zeitung.

Als die Peons der Hacienda gut bewaffnet am Lager des Tigers ankanten, fanden ſie Petrona Luna, der es mit Hülfe des, Muchacho und nicht ohne große Anſtrengung gelungen war, den todten Tiger auf das Pferd zu legen, das ſie am Halfter führte, zu Fuße auf dem Rückwege, ihren Säugling an der Bruſt, den ſie ganz friedlich nährte.

Alle dieſe vollkommen authentiſchen Einzelnheiten wer⸗ den in einem Briefe erzählt, den der franzöſiſche Arzt Bruland an Don Joſe Poſſe, Gouverneur von Tucuman, geſchrieben hat. Der Doctor fügt in dieſem Briefe hinzu:

Ich wollte dieſe Frau kennen lernen, und während ich an ihr die phyſiologiſchen Zeichen des Willens und des Muthes fand, war ich erſtaunt, mit ſo vieler Entſchloſſenheit ſo viel beſcheidne Ruhe und Einfachheit vereinigt zu finden.

Ich bemerke indeſſen, daß dieſe Tochter der Pampas wegen ihrer ſchweigenden, aber ſehr praktiſchen Energie be⸗ kannt iſt. So habe ich von Don Lobo erfahren, daß Petrona Luna, während ſie in dem Walde die Mablzeit der Peons bereitete, häufig ſich ihres Cuchillo bediente, um ihrer Keuſch⸗ heit Achtung zu verſchaffen, und daß die Narben mehrerer Peons die ſtrengen Lectionen der Zurückhaltung und Moralität be⸗ weiſen, welche ſie ihnen gelegentlich gegeben hat.

Einige Tage ſpäter antwortete Don Joſe Poſſe dem franzöſiſchen Arzte:

Ich habe Ihren Brief vom 28 Oct. empfangen, worin Sie mir den von Petrona Luna beſtandenen Zweikampf erzäh⸗ len. Eine ſolche That würde ſicher genügen, um den Ruf des Muthes eines Mannes feſt zu begründen. Von Seiten einer Frau übertrifft ſie Alles, was die Einbildungskraft zu erdenken vermag.

Jules Gerard, der Löwentödter, hat ſeit einigen Jahren durch ſeine Kühnheit in Afrika die Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen, wo er ſich berühmt machte, indem er mit ſeinen Prä⸗ ciſionsgewehren die wilden Thiere angriff. Der franzöſiſche Jäger beſitzt unbeſtreitbar eine ſehr große Bravour und Selbſtbeherrſchung, aber er verdankt ſie theilweiſe der Sicher⸗ heit ſeines Auges. 4

Petrona Luna hat ſich eines Knüttels gegen einen Tiger als Präciſionswaffe bedient und ſich in der Art einer weit größern Gefahr ausgeſetzt als Jules Gerard, der die Kunſt ſtudirt hat und verſteht, ſeinen Gegnern eine Kugel in's Herz zu jagen. Daher ſteht Petrona Luna an Heroismus noch über dem afrikaniſchen Löwentödter, oder wenigſtens verdient ſie, mein theurer Bruland, in der Erinnerung und den Anna⸗ len der großen Jagden ihren Namen an der Seite des berühm⸗ ten Jules Gerard vereinigt zu ſehen.

Ich wünſche, Petrona kennen zu lernen, um ſie zu unter⸗ ſtützen, wenn ſie arm iſt, und noch weit mehr, um ſie zu ver⸗ pflichten, anſtatt des Meſſers ſich gegen ihre zu zudringlichen Anbeter lieber des Knüppels zu bedienen, mit dem ſie den Tiger erlegte, ſo oft ſie wünſche, ihnen bemerkbare Spuren ihrer Tugend zu laſſen.

Uebrigens hätte der Gouverneur von Tucuman auch noch andere ſpaniſch⸗amerikaniſche Namen erwähnen können, welche verdienen neben Jules Gerard, der im vorigen Jahr einen ſo traurigen Tod des Ertrinkens in Afrika fand, als kühne Jäger genannt zu werden. In erſter Reihe ſteht der unermüdliche Aranda, der die argentiniſchen Wälder und Haciendas bis jetzt bereits von 400 Jaguars befreit hat, und

deſſen Namen der Doctor Martin de Mouſſy in ſeinen

ſchönen Beſchreibungen der argentiniſchen Conföderation populär gemaht hat. 3 C.

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