Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
221
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Vierte Folge. 221

Aber auch ſüdlichere Erdſtriche, welche jetzt reich bebaute Culturländer darſtellen, waren urſprünglich kärglich mit Nahrungspflanzen von der Natur verſehen, oder doch nur mit ſolchen, welche den Menſchen nicht gerade beſonders zum Anbau anregen konnten. Es kann für uns kein Zweifel ſein, diejenigen Länder, welche die größte Zahl und zugleich die wichtigſten, d. h. die nahrhafteſten Pflanzen dem Men⸗ ſchen zur Cultivirung zu bieten hatten, werden auch alle weſentlichen Bedingungen zu einer ſchnellen und glücklichen Culturentwicklung des Menſchengeſchlechts in ſich getragen haben. Wir werden nicht zögern, als ſolche Länder die glück⸗ lichen fruchtbaren Erdſtriche zu bezeichnen, die einen großen Theil des ſüdlichen und weſtlichen Aſiens einnehmen, die Länder um den Kaukaſus, zwiſchen dem Euphrat und Tigris, bis zum Indus. Während Europa noch, in Barbarei ver⸗ ſunken, im tiefſten Schlummer lag, da blühte in jenen Ländern bereits ein friſcher Götterſtaat, und alle Früchte, alle Erträge der Kunſt und Wiſſenſchaft bereiteten ſich vor, in folgerechter Geſammtentwicklung ſich zu erheben und die Grundlage alles künftigen Wiſſens und Könnens zu bilden. Jene Völker aber, denen wir den erſten Anſtoß geiſtiger und ſittlicher Bil⸗ dung zu verdanken haben, ſie blieben auf einer gewiſſen Cul⸗ turſtufe ſtehen oder gingen ſogar zurück, während andere, denen die Anfänge der Cultur nur vererbt, nur übertragen waren, ſich weiter entwickelten und nun den höchſten Stand⸗ punkt menſchlicher Ausbildung einnehmen. Nur da, wo, durch die Verhältniſſe der umgebenden Welt bedingt, Körper und Geiſt ſich in der Nothwendigkeit einer beſtändigen Uebung befanden, wo ein hochorganiſirter Menſchenſchlag der Natur ihre Gaben durch Anſtrengung aller geiſtigen und materiellen Kräfte abringen mußte, nur da konnte eine folgerichtige Ent⸗ wickelung des Geiſtes vor ſich gehen, wie ſie im Zwecke der Weltgeſchichte liegt.

Und dieſe Bedingungen waren denn bei den Völkern des mittleren Europas gegeben; darum ſind ſie es, welche den höchſten Stand der Cultur gegenwärtig erreicht haben und wohl auch ſtets bewahren werden. Strahlenförmig breitet ſich vom Herzen Europas die Cultur nach allen Welt⸗ gegenden aus und wird und muß allmählich die ganze Erde in ihre vergeiſtigenden Kreiſe ziehen, bis die höchſte Stufe geiſtiger Ausbildung für die geſammte Menſchheit erreicht iſt.

Etwas Aehnliches, wenn gleich weniger beſtimmt aus⸗ geprägt, finden wir in Amerika; dort weiſen die Verhältniſſe der Nahrungspflanzen auf Central⸗Amerika, den Sitz des alten Culturvolks der Tolteken, als den Ort, von wo jene Cultur ausgegangen, welche Columbus und ſeine Nachfolger ſchon auf einer ſo hohen Stufe antrafen.

Daß die Einwirkung der Natur und insbeſondere der Pflanzenwelt auf den Menſchen ihre Grenzen hat, daß namentlich alle Phaſen der weitern Fortbildung von den Völkern meiſt ſelbſtſtändig durchlaufen werden, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Und doch, wie tief greift das Pflan⸗ zenleben auch da in die Geſchichte ein! Oder will man es leugnen, daß ſich in dem lichten, fröhlichen Götterſtaate der Griechen nicht ein Stück ihres Blumenſchmuckes und Duftes, ihres blauen Himmels und ihrer meerumſchäumten Felsklip⸗ pen widerſpiegelt, und daß die Schauerſagen des Nordens, die düſteren, mythiſchen Göttergeſtalten, die dunkeln Orakel, die myſtiſchen Zauberformeln der Druiden an das ernſte feierliche Rauſchen des nordiſchen Waldes, an deſſen feuchte Schattenkühle, an die wolkenumſchleierte Sonne und die nebelbedeckte Erde anklingen?

Und weiter, welchen zerſtörenden, Geiſt und Körper zer⸗ rüttenden Einfluß hat die Pflanze auf den Menſchen! In derſelben Pflanze bietet die Natur uns ein kräftiges Nah⸗ rungsmittel, ein wirkſames Medicament oder auch je nach der Benutzung einen ſchädlichen Giftſtoff, dem ganze Völker unterliegen. Man kann wohl behaupten, daß es das Opium war, dem der Islam eine Zeit lang ſeine welterſchütternde Macht zu verdanken gehabt; jener Saft, der den Menſchen zur Nichts achtenden Tollkühnheit, zum fanatiſchen Wahn⸗ ſinn trieb. In Verbindung mit dem eingeimpften religiöſen Fatalismus mußte er ſolch' ungeheuere Wirkungen hervor⸗ bringen.

Man nehme nur, was dieſes Erregungsmittel noch heute bei Malayen und Chineſen bewirkt, und man wird leicht zu der Ueberzeugung gelangen, daß das künftige Schick⸗ ſal dieſer Völker, ihre geiſtige und phyſiſche Beſchaffenheit weſentlich an den Genuß des Opiums geknüpft iſt. Sie ſind ihm rettungslos verfallen und werden in ihm untergehn, gerade ſo untergehn, wie die rothen Indianer Amerikas im Genuß des Branntweins. Die Culturpflanzen ſind nun einmal, wie die Cultur im Allgemeinen, in der einen Hand eine geiſtig und phyſiſch belebende Kraft, in der andern ein todbringendes Gift. Auch der Europäer darf ſich, wie be⸗ kannt, in den tropiſchen Ländern nur mit großer Vorſicht der einheimiſchen Früchte und ſelbſt europäiſcher Genußmittel bedienen.

Die Luſt an Erregungs⸗ und Betäubungsmitteln, die ſämmtlich das Pflanzenreich liefert, iſt dem Menſchen unter allen Zonen eigenthümlich. Es iſt wunderbar, wie er inſtinct⸗ mäßig bei der Auswahl auf Pflanzen gefallen iſt, die daſſelbe wirkende Princip enthalten, oder deren Wirkung auf den Organismus wenigſtens nahezu die gleiche iſt. Schwächere Erregungsmittel hat der Menſch überall zu ſeinen Lieblings⸗ getränken erkoren: den Thee, den Kaffee, den Cacao, den Matsz dieſe enthalten ſämmtlich denſelben wirkſamen Beſtand⸗ theil, das Thein. Das Opium der Türken, der Haſchiſch des Inders, die Coca des Peruaners bringen nahezu dieſelben Wirkungen, nicht blos auf den augenblicklichen Zuſtand des Organismus, ſondern auch auf den Charakter des ganzen Volkes hervor.

An die verſchiedenen Pflanzen, deren ſich der Menſch bedient, um geiſtige Getränke daraus zu bereiten, könnte hier noch erinnert werden; ihre Wirkung auf den Volkscharakter ſcheint nicht ſo allgemein und durchgreifend zu ſein, obgleich an einem Zuſammenhang auch hier nicht zu zweifeln ſein dürfte, wenn wir den feurigen Italiener, den lebhaften Fran⸗ zoſen, den bedächtigen Deutſchen und den phlegmatiſchen Eng⸗ länder mit ihren Lieblingsgetränken vergleichen.

Noch zahlreicher ſind die Anknüpfungspunkte, welche von einer Wirkung der Pflanzenwelt auf den Menſchen zeu⸗ gen. Hängt doch der Menſch in Nahrung und Kleidung ſo vielfach von der Pflanze ab; führen doch manche wilde Volks⸗ ſtämme um den Beſitz gewiſſer Nahrungspflanzen ſogar Krieg, wie die Eingebornen Braſiliens um den Beſitz des Anacar⸗ dienbaumes. Faſſen wir dies Alles ins Auge, ſo dürfen wir uns nicht wundern, wenn auch die Ausbreitung des Menſchen ſich innig an die Pflanzen knüpft. Mit wenigen Ausnahmen ſind nur diejenigen Länder bewohnt, welche eine, wenn auch oft ſehr geringe Anzahl von Nahrungspflanzen aufzuweiſen haben..

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