220 Novellen⸗
Zeitung.
Feuilleton.
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Van den Beziehungen der Pflanzen zum Menſchen.
Aus dem bedeutungsvollen von dem Zürcher Dr. Kabſch hinterlaſſenen Werke„das Pflanzenleben der Erde“, welches Berlepſch edirt hat, hebt Andree einige Abſchnitte hervor, ie⸗ viel intereſſante Blicke für eine culturgeſchichtliche und he beſeelte Auffaſſung der vegetativen Welt und ihrer Wandlun⸗ gen ergeben und durchaus für weitere Kreiſe als die es/ Gelehrten berechnet ſind./
U.
Zuletzt behandelt Kabſch die Beziehungen der Pflanzen zum Menſchen. Er ſchildert die Culturpflanzen und weiſt nach, welch großen Einfluß der Menſch auf die Pflanze, ihr Leben und ihre Verbreitung gewonnen. Durch den Menſchen ſind die beſtehenden Verhältniſſe der Pflanzenwelt durchein⸗ ander geworfen und durch ihn iſt die Möglichkeit zu einem neuen Werden angeregt worden. Denn das Beſte und Schönſte, was die Natur geſchaffen, trug der Menſch über Land und Meer, über Berg und Thal; er vereinigte den Weſten mit dem Oſten, ſchob Berg und Ebene in einander, um den vorzüglichſten und lieblichſten unter den Kindern Flora's ſeine beſondere Pflege angedeihen zu laſſen, und zwang die Natur zu neuen eigenthümlichen Schöpfungen, die ohne ihn nicht entſtanden wären. Hat ſich doch die Natur ſo mancher Pflanze bis zur Unkenntlichkeit des Zuſammen⸗ hanges mit dem Urtypus verändert, nicht zu ſprechen von den zahlloſen weniger beſtändigen Abweichungen, welche täglich durch die Kunſt des Gärtners hervorgerufen werden, und dies natürlich da am meiſten, wo die Cultur überhaupt am höchſten geſtiegen iſt. Hier wird die Natur veranlaßt, in den mannigfaltigſten Farbenmiſchungen die ausgewählten Pfleglinge des Menſchen mit neuer Schönheit auszurüſten; an einer andern Stelle wird aber durch dieſelbe Cultur viel⸗ leicht dem geſammten Pflanzenkleide der ſchönſte Schmuck geraubt. Man ſehe nur die Verwüſtungen an, welche die Cultur in Europa in den dichten ausgedehnten Wäldern, die früher Ebene und Berg bedeckten, angerichtet; verſchwunden ſind die herrlichen Buchen⸗ und Eichenhaine, und nur ſelten erinnert ein Rieſenſtamm aus alter Zeit noch daran, daß einſtmals tauſende ſeiner Altersgenoſſen gelebt und als unumſchränkte Waldgebieter geherrſcht haben. Unter der Art des Holzfällers ſind die Könige des Waldes gefallen, immer lichter ſind die Wälder geworden, Stück für Stück iſt ihnen entzogen und in Wieſe und Feld umgewandelt— und jetzt bedecken volkreiche Städte und Dörfer den Waldgrund.
Die größte Zahl der Culturgewächſe, die jetzt in den Ebenen des europäiſchen Nordens gebaut werden, entſtammen viel ſüdlicher gelegenen Regionen. Zu Plinius, Zeiten gelang es noch nicht, den Maulbeerbaum zu cultiviren, der jetzt durch ganz Deutſchland hinauf bis nach Schweden und Nor⸗ wegen gedeiht; zu Ariſtoteles' Zeiten konnten in Griechenland noch keine ſaftigen Pfirſichen gezogen werden, und ſelbſt auf Rhodos brachte es der Baum nur zur Blüthe und ſehr ſpär⸗ lichem Fruchtanſatz. Jetzt finden wir ihn über alle Gärten des mittlern Deutſchlands verbreitet. Und bis wohin iſt die Rebe getragen worden! Und zu welcher Ausbildung und Mannigfaltigkeit der Abarten ſind ſämmtliche Obſtarten ge⸗ bracht worden! In der That, Decandolle hatte Recht, wenn er behauptet, der Nachtiſch des Lucull würde uns jetzt in be⸗
/ ſcheidenen, bürgerlichen Verhältniſſen kläglich erſcheinen. Das Alles vermochte der Menſch über die Pflanze.
(Ein einziger Gang durch den Garten kann uns in die ſ ten Länder und Zonen verſetzen. Blumenſchmuck und ft aus allen Ländern ſtrömen uns eutgegen; auch hier wie den Culturpflanzen iſt es dem Menſchen gelungen, die flanze unſeren klimatiſchen Verhältniſſen anzupaſſen. Die Frößte Zahl unſerer Zierpflanzen haben wir freilich aus den Ländern am Mittelmeer, wie die Hyacinthen und Narciſſen, die Tulpen und Crocus, Alles, was der Gärtner zur Oran⸗ gerie rechnet, wie die Cypreſſen, die Myrthen, den Oleander, den Lorbeerbaum, die Citronen⸗ und Pomeranzenbäume. China und Japan haben uns Camellien und Hortenſien ge⸗ liefert. Perſien verdanken wir die Pfirſiche, die Kaiſerkrone, den Flieder. Aus dem Hochlande Mexico's ſtammt die Georgine; Chile ſandte die Fuchſien. Die Gladiolus⸗Arten, Eriken, Pelargonien und viele andche ſtammen aus dem Caplande u. ſ. f.
Wenn aber in der That der Einfluß des Menſchen auf das Leben der Pflanze ein ſo bewußter und bedeutender iſt, ſo dürfte ſchon an und für ſich auf eine Rückwirkung zu ſchließen ſein. Dieſe findet auch ſtatt und nicht blos auf das Leben des Einzelnen, als äußere Anregung auf die geiſtige Thätigkeit und die augenblickliche Gemüthsſtimmung, ſondern dieſer Einfluß des vegetabiliſchen Reiches erſtreckt ſich auf die Exiſtenz ganzer Völker, auf die Entwicklung und den Charak⸗ ter von Nationen. Eine ſolche Einwirkung nicht blos der Pflanzenwelt, ſondern der Natur ganz im Allgemeinen auf den nationalen Charakter iſt vielfach angezweifelt worden. Alles, was wir von den Urbewohnern der Erde wiſſen und worin ſämmtliche mythologiſche Ueberlieferungen überein⸗ ſtimmen, iſt, daß die erſte Stufe der Selbſtthätigkeit, welche die Menſchen erlangten, die des Jäger⸗ und Hirtenſtandes war. Erſt ſpäter, als die Menſchen zu geſelſchaftlichen Verbindungen ſich vereinigten und einen Grundbeſitz anzuſtre⸗ ben begannen, ſammelten ſie auch die erfahrungsgemäß ihnen nützlichen Pflanzen, wie vorher die nutzbaren Thiere, um ihre Wohnungen. Diejenigen, welche es übernommen hatten, das Land zu bebauen, hielten darum an den alten Wohnſitzen feſt, wenn die Hirten und Jäger auszogen, und hiermit war in der Bewirthſchaftung des Bodens die erſte Culturſtufe erreicht. Die Pflanze alſo war es, welche den erſten Anſtoß gab zur Culturentwicklung des Menſchen..
Es iſt keine Frage, die erſte Culturſtufe des Ackerbaues konnte an ſehr verſchiedenen Punkten der Erde erreicht wer⸗ den und iſt auch ganz unabhängig von einander in den ent⸗ legenſten Zonen und Erdtheilen erreicht worden. Hat doch die Natur auf der Erde überall ihre nützlichen, Nahrung und Kleidung gebenden Pflanzen ausgeſtreut; hier freilich mehr, dort weniger; und nur die den Polen zunächſt liegenden Länder ſind leer ausgegangen. In jenen traurigen, jenſeits des Getreidebaues liegenden Gegenden, wo der Menſch, wenn er Pflanzennahrung genießen will, zum Wurzelſtock der Farne, oder wie auf Island, zum Wurzelſtock der Otterwurz und des Strandſchilfes greifen muß, da wird er auch nie eine wirkliche Culturſtufe erreichen, denn jede Entwicklung des menſchlichen Geiſtes iſt unvermeidlich an die Cultur der
Scholle, die er beworat, gebunden.
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