Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
219
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Vierte Folge. 219

Miſtreß Carlyle. Seine Gegenwart veranlaßte die Geſellſchaft über ⸗Fortſchritt« und andere ideale Ge⸗ genſtände zu ſprechen und gab Carlyle Gelegenheit, unaufhaltſame Schmähungen über alle unſere Roſen⸗ waſſer⸗Schwächen⸗ auszuſtrömen. Ich glaube, wir Alle fühlten uns ihm entfremdet, und Mazzini wurde nach einigen vorgeblichen Verſuchen, zu remonſtriren, ganz ſtill und ſehr traurig. Miſtreß Carlyle ſagte

zu mir:»Für Carlyle ſind dies nur Meinungen, aber für Mazzini, der Alles hingegeben und durch.

Verfolgung ſolcher Dinge mitgeholfen hat, ſeine Freunde auf's Schaffot zu bringen, iſt es eine Sache auf Tod und Leben.

Alles, was Carlyle an jenem Abend ſagte, kam auf eine Vertheilung bloßer Gewalt hinaus. Erfolg iſt die Probe des Rechts; wenn die Leute ſich nicht gut betragen wollen, legt ihnen Halseiſen um; findet einen Helden und laßt ſie ſeine Sclaven ſein ꝛc. Es war ſehr titaniſch und antihimmliſch. Ich hätte gewünſcht, der letzte Abend wäre melodiſcher geweſen. Dennoch ſagte ich ihm mit dem Gefühl warmer Freundſchaft und Bewunderung Lebewohl. Wir können gegen einen großen, edlen Menſchen nichts An⸗ deres fühlen, mag er nun mit uns übereinſtimmen oder nicht. Ich konnte die Arbeit, die er für ſeine Zeit gethan hat, nicht eher würdigen, bis ich England geſehen. Ich konnte es nicht. Man muß im Schatten jenes Berges der Täuſchungen ſtehen, um zu wiſſen, wie ſchwer es iſt, Licht durch ihn zu ſtrahlen. Darum: Ehre ſei Carlyle! hoch! obgleich ich in den Wein, mit dem wir dieſen Toaſt ausbringen, für mich das verachtete Roſenwaſſer⸗ miſchen muß.

Und nun, da ich Ihnen die Mängel meines ei⸗ genen Geiſtes in der Schilderung eines andern ge⸗ zeigt habe, will ich beſcheidener weitergehn, geduldiger unvollkommen ſein, da am Ende auch ſo edlen Men⸗ ſchen nur dies und das zu ſein erlaubt iſt. Es iſt ſchon viel, wenn man nicht blos eine Krähe oder Elſter iſt, Carlyle iſt auch nur ein Löwe. Einſt werden Alle ganz geiſtig und menſchlich vollkommen ſein.

Wenn man auch an den unendlichen Witz und großen Reichthum in Carlyle's Schriften gewöhnt iſt, überraſcht dennoch der Glanz, welchen er im Sprechen verbreitet. Er unterhält ſich faſt nie, ſondern hält Reden. Es iſt das gewöhnliche, wenn auch nicht un⸗ vermeidliche Unglück ausgezeichneter Männer, daß ſie andern Geiſtern keinen Raum laſſen, ſich in ihrer eignen Atmoſphäre zu bewegen und zu zeigen, wodurch ſie ſelbſt die Erfriſchung und Belehrung entbehren, welche auch der Größte durch die Mittheilung und Erfahrung des Geringſten empfangen und brauchen kann. Carlyle geſtattet durchaus Keinem eine Gelegenheit zu ſprechen,

ſondern wirft alle Oppoſition nicht nur durch ſeinen treffenden Witz und die unwiderſtehliche Schärfe ſeiner Worte nieder, welche wie eben ſoviele Bajonnete auf den Gegner eindringen, ſondern auch durch thatſächliche, phyſiſche Ueberlegenheit ſeiner Stimme. Dies geſchieht nicht in der Abſicht, Andern keine Freiheit zu geſtatten; im Gegentheil, ich glaube, kein Menſch würde ſich mehr über einen männlichen Widerſtand gegen ſeine Behauptungen freuen, als er; aber es iſt der unbe⸗ zähmbare Trieb eines Geiſtes, welcher gewohnt iſt, ſeinet Regung nachzugehen, wie der Habicht ſeiner Beute, und nicht verſteht in der Jagd innezuhalten. Es iſt wahr, man kann Carlyle anmaßend und hoch⸗ müthig nennen, aber in ſeiner Anmaßung liegt keine kleinliche Selbſtliebe. Es iſt die heroiſche Anmaßung eines alten ſkandinaviſchen Kriegers, dem ſeine Natur die Kraft und den Trieb gegeben hat, die Drachen zu tödten. Man liebt ihn nicht, verehrt ihn auch kaum, und ich glaube, er würde den nur auslachen, der es thäte; aber man mag ihn herzlich gern, und ſieht mit Verwunderung und Theilnahme den mächtigen Schmied, den Siegfried, das alte Eiſen in ſeinem Glühofen ſchmelzen, bis es wie ein Sonnenaufgang roth glüht und den Gedankenloſen verbrennt, der ihm zu nahe kommt. Er ſcheint mir ganz iſolirt, einſam wie die Wüſte, und doch war ſelten ein Menſch geeigneter, einen Menſchen zu ſchätzen, wenn er nur einen finden könnte, der mit ſeiner Geſinnung zuſammen⸗ paßte. Er aber findet ſolche nur in der Vergangen⸗ heit. Er ſingt mehr als er ſpricht. Er ſtrömt über ſeinen Hörer eine Art von ſatiriſch⸗heroiſch⸗kritiſchem Gedicht mit regelmäßigen Cadenzen aus, und faßt gewöhnlich gleich am Anfange ein eigenthümliches Beiwort auf, das ihm, wenn ſein Geſang zu Ende iſt, zum Refrain, oder, wenn ihm hie und da eine Reihe entglitten iſt, wie mit einer Nadel die Maſchen wie⸗ der aufzunehmen dient. Für die höhern Gattungen der Poeſie hat er gar keinen Sinn, und ſeine Expectorationen über dieſelben ſind ergötzlich und glänzend abgeſchmackt. Zuweilen hält er eine Minute an, um ſelbſt darüber zu lachen, und beginnt dann auf's Neue mit friſcher Kraft. Sein Geſpräch iſt, wie ſeine Bücher, voll Bilder; ſeine kritiſchen Züge ſind meiſterhaft. Giebt man ihm nur ſeinen Standpunkt zu, ſo iſt ſein Ueberblick bewundernswerth. Er iſt eine durchaus mächtige Er⸗ ſcheinung. Ich kann mich jetzt nicht ausführlicher und tiefer über ihn auslaſſen, auch bedarf es deſſen nicht, ſeine Werke ſprechen für und gegen ihn; ſie ſind, wie er ſelbſt, der Siegfried Englands! groß und kraftvoll, wenn auch nicht ganz unverwundlich, mehr geeignet, Böſes zu zerſtören, als Gutes zu ſchaffen.(Schluß folgt.)

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