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noch haben wir nicht vernommen, wodurch Wir unſer gegebenes Wort einzulöſen vermögen.“
„Nun wohl,“ ſagte dieſer aufſtehend und ſich auf ein Knie vor dem König niederlaſſend:„Ich bitte um Gnade für den Junker von Kalkſtein!“
Friedrich Wilhelm fuhr zuſammen, als hätte ihn eine Tarantel geſtochen. Die unheimliche dunkle Röthe, welche jedesmal die Vorläuferin jenes ſchrecklichen Zornes war, der viele ſonſtige treffliche Eigenſchaften ſeines Charakters verdunkelte, zeigte ſich auf ſeinem Geſicht, und der Fürſt von Anhalt und der Graf von Flemming ſahen ſich beſorgt an, während aus den Mienen des Herrn von Grumbkow boshafte Schaden⸗ freude hervorleuchtete. Plötzlich verſchwand jedoch das Unwetter, welches auf der königlichen Stirn lagerte, und mit einer Würde und Ruhe, die wirklich an Er⸗ habenheit grenzten, reichte Friedrich Wilhelm dem Grafen die Hand, indem er ihm zugleich einen Wink gab ſich zu erheben.
„Er hat mein Wort,“ ſagte der König,„und deshalb ſoll dem Junker Gnade zu Theil werden. Aber vorher muß der Gerechtigkeit freier Lauf gelaſſen werden. Fiat justitia et pereat mundus! Gerechtig⸗ keit muß geübt werden und ginge dabei die Welt unter! Dies iſt unſer Wahlſpruch und hiervon ſind wir nicht Willens abzuweichen! Grumbkow, wie ſteht es mit der Angelegenheit des Junkers nach Lage der Acten?“
„Der General⸗Fiscal Katſch wird dieſelben Euer Majeſtät vorlegen. Die Anklage lautet auf Hoch⸗ verrath, und Katſch erachtet es für dringend noth⸗ wendig, ein ſtrenges Beiſpiel zu ſtatuiren, da in der letzten Zeit die gewaltſamen Angriffe auf Euer Majeſtät Werbe⸗Officiere in ungewöhnlicher Weiſe überhand genommen haben.“
„Und der Herr von Grumbkow,“ ſagte der Fürſt von Deſſau, dieſen General, mit dem er bereits ſeit dem Jahre 1728 bitter verfeindet war, herausfordernd anblickend,„der General von Grumbkow hält es ver⸗ muthlich für dringend nothwendig, den Junker von Kalkſtein aus dem Wege zu ſchaffen, damit ſeinen Schwager, den Herrn de la Chevallerie, dann nichts mehr hindert, das Fräulein von Schönfeld, oder beſſer geſagt, deren Vermögen, als ſein Eigenthum zu erklären. Bei der Reputation eines ehrlichen
Soldaten, das iſt unehrenhaft gehandelt!“
„Still! meine Herren,“ rief der König,„ſoll ich denn ewig Eure Streitigkeiten ſchlichten? Euer Liebden
vergeſſen, daß mein Wille nur allein in dieſer An⸗ gelegenheit maßgebend geweſen iſt.“
„Um ſo beſſer,“ entgegnete Fürſt Leopold,„ſo
Novellen⸗eitung.
her Gerechtigkeit zu üben. Wollen Sie mir geſtatten, Sire, Ihnen im Betreff dieſes Gegenſtandes im Namen des Grafen von Flemming Vorſchläge zu machen?“ „Und genehmigen Euer Majeſtät zugleich die Verſicherung,“ fiel dieſer ein,„daß ich für die Erfül⸗ lung derſelben mit meinem Wort einſtehe.“
„So ſprecht, Couſin, obgleich ich nicht weiß, zu was Eure Vorſchläge führen ſollen.“
„Aber ich weiß es,“ rief der Fürſt von Anhalt, „und bei meiner Ehre, Euer Majeſtät werden es eben⸗ falls bald einſehen. Der Graf von Flemming macht ſich verbindlich, für das Leibregiment binnen acht Tagen drei lange Kerle, jeden zu ſechs Schuh ſechs Zoll rheinländiſchen Maßes, zu liefern, wenn Euer Majeſtät den Junker von Kalkſtein pardonniren und in die Verbindung deſſelben mit dem Fräulein von Schönfeld willigen.“
Das Geſicht des Königs klärte ſich bei dieſem Auͤtrag, der ſeine ſchwächſte Seite berührte, vollſtändig auf und er durchſchritt einige Mal lebhaft das Zimmer, offenbar mit ſich kämpfend, ob er der Verſuchung nach⸗ geben, oder bei ſeinen Entſchließungen im Betreff des Junkers beharren ſollte. Endlich blieb er vor dem Grafen ſtehen und ſagte im freundlichen Tone:
„Es iſt gut, daß ich Euch nicht in meinen Dienſte habe, denn Ihr würdet mich zu wer weiß was verleit Drei Kerle und jeder ſechs und einen halben Schuh!.. War es nicht ſo, Graf Flemming?“
„Eher mehr als weniger, Euer Majeſtät,“ bemerkte Dieſer.
„Aber ich werde ſie theuer bezahlen ſollen,“ fuh der König fort, wobei er den ſächſiſchen Feldmarſcha' ſcharf anſah,„und Ihr wißt: non habeo pecuniam.“
„Ich werde es mir zur Ehre anrechnen, wenn Euer Majeſtät die Gnade haben wollen, hiervon gänz⸗ lich abzuſehen.“
„Und bei allen tauſend Teufeln,“ fuhr der Fürſt von Anhalt in ſeiner derben Soldatenſprache dazwiſchen, „ich denke, Majeſtät, drei ſolche lange Hundsfötter
terrock.“
„Höre Er, Grumbkow,“ ſagte der König, ſich zu dieſem wendend,„was meint Er dazu, wenn wir für den Herrn de la Chevallerie anderwärts ſorgten?“
Herr von Grumkow war ein viel zu gewandter Hofmann, als daß er nicht hätte einſehen ſollen, daß unter den vorliegenden Umſtänden ein geſchmeidiges Nachgeben das erfolgreichſte Mittel ſei, um dadurch ſpäter aus der Gunſt des Königs andere, den augen⸗ blicklichen Verluſt aufwiegende Vortheile zu ziehen. Er verbeugte ſich daher und verſicherte, wie er wohl
wird es Euer Majeſtät nicht ſchwer fallen, auch hinter⸗
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ſind doch mehr werth, als ein Junker und ein Un-
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