Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
212
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212 Novellen⸗Zeitung.

tadelle, wohin alle diejenigen Perſonen von Bedeutung gebracht wurden, welche die königliche Ungnade traf, oder die ſich wirklich ſchwere Vergehen hatten zu Schul⸗ den kommen laſſen.

Sol ſo! ſagte der Commandant der preußi⸗ ſchen Baſtille, bald auf eine Ordre, die er in der

Hand hielt, bald auf den Junker blickend, ohne dabei jedoch eine Muskel zu verziehen.So! ſo! Herr von Kalkſtein!. Strenge Haft nach Seiner Ma⸗ jeſtät ausdrücklichem Befehl!... Verſtehe! Ver⸗ ſtehe!... He, Sergeant Katzenmeier, der Junker wird in die Kaſematte Nr. 8 placirt.

Ein langer hagerer Mann, mit einer Habichtnaſe und den lauernden Augen eines Uhn, trat vor und muſterte unſeren Bekannten mit einem Blick, der theils rohe Unverſchämtheit, theils ein Lächeln gemeinen Hohnes zur Schau trug.

Kommen Sie nur, junger Herr, ſagte er, mit dem gewaltigen Schlüſſelbunde, das er in ſeiner Hand trug, raſſelnd und gleichzeitig mit ſeinem Gefangenen in einen dunkelen Corridor tretend,es iſt bei uns nicht ſo ſchlimm, wie man es macht, und mancher vor⸗ nehwe Herr hat hier ſchon ſein Abſteige⸗Quartier ge⸗ nom ten. Hi! hi! darüber ließen ſich viele Geſchichten erzählen, luſtige und ernſthafte, wie man es nimmt!... Sehen Sie, hier in Nr. 4 ſaß der Schelm, der Cle⸗ ment, der ſich in eine Verſchwörung gegen Se. Ma⸗ jeſtät eingelaſſen hatte; er wurde mit glühenden Zangen zerriſſen und dann gehangen;... dicht neben ihm hatte ich den Herrn von Haidekamm, dem es eingefallen war, Seine Majeſtät für ein unlegitimes Kind zu erklären, aber es bekam ihn ſchlecht, hi! hi! der König ließ ihn infam caſſiren und hinterher durch den Henker auspeitſchen;... dort gegenüber, in Nr. 10 ſaß die Frau von Blatſpiel, welche den Herrn von Grumbkow ſtürzen wollte, aber hi! hi! es bekam ihr ebenfalls ſchlecht, denn nachdem ſie bei Seiner Majeſtät eines Abends ganz freundſchaftlich zur Nacht geſpeiſt hatte, erhielt ſie hinterher eine derbe Portion Ohrfeigen und wurde auf ein Jahr zu uns in die Koſt geſchickt; dort in Nr. 9 ſaß der Herr von Troski, welcher baumeln mußte, weil ihn der König im Ver⸗ dacht des Spionirens hatte; und hier in der Zelle links befand ſich der Major von Damitz, der ſeinen Gegner im Duell tödtete und welchen ſelbſt die Für⸗ ſprache des Herrn von Seckendorf nicht vor dem Beil zu retten vermochte... Hil hil ich könnte Ihnen noch Manches erzählen, junger Herr, denn ſeit den dreißig Jahren, die ich hier bin, habe ich Viele aus⸗ und ein⸗ gehen ſehen und darunter nicht Wenige, die ſo jung und blühend wie Sie waren.. Aber hier ſind wir an Ort und Stelle, ſagte der Schließer, eine ſchwere

Thüre öffnend und mit dem Junker in eine Kaſematte tretend, in welche durch zwei enge Schießſcharten ein mattes Licht fiel,o, es iſt ein ſchönes freundliches Zimmer und es wird ſich noch Manches zu Ihrer Be⸗ quemlichkeit darin anbringen laſſen, wenn Sie es ver⸗ ſtehen, ſich den alten Sergeanten Katzenmeier zum Freunde zu machen, hil hi!

Ganz richtig, bemerkte der junge Mann, wel⸗ chem dieſer Wink nicht entging,und ſo bitte ich Sie, vorläufig auf meine Geſundheit und, ſo es Gott ge⸗ fällt, auf einen glücklichen Ausgang meiner Angelegen⸗ heiten zu trinken.

Es ſoll geſchehen, wie Sie es befehlen, gnädiger Herr, ſagte der Gefangenwärter, indem er mit einer reſpectvollen Verbeugung, die von ſeinem bisherigen Benehmen ſehr abwich, die Börſe, welche ihm Herr von Kalkſtein in die Hand drückte, in Empfang nahm, und bedürfen Sie Etwas, ſo fordern Sie nur, denn ich habe kein Herz von Stein und mein Grundſatz iſt: leben und leben laſſen!

Mit dieſen Worten entfernte ſich der ehrenwerthe Sergeant Katzenmeier, nachdem er die Kaſematte ſorg⸗ fältig von außen verſchloſſen und mehrere Riegel vor die ſchwere eichene Thüre geſchoben hatte.

zigen hölzernen Schemel, der ſich in dem Zimmer be⸗ fand, und ſtützte gedankenvoll ſein Haupt in die Hand, indem er ſich vor einem viereckigen Eichentiſch nie⸗ derließ.

Seine Gedanken kehrten nach dem Schloſſe Weißig

hatte, um ſich den Händen eines Fürſten zu überliefern, deſſen Gerechtigkeit nur zu häufig von ſeinem Zorn und ſeiner Laune beſtimmt wurde. Bei dem Gedanken hieran ſeufzte der junge Mann tief auf, aber bald richtete er ſich gefaßt und muthig wieder empor; er wußte, daß er nicht verlaſſen daſtand, ſondern daß er auf mächtige Freunde zählen konnte, deren Bei⸗ ſtand und Fürſprache ihm in der Stunde der Gefahr gewiß war.

Mehrere Monate waren verfloſſen und immer noch ſah Herr von Kalkſtein vergebens einer näheren Ent⸗ ſcheidung ſeines Schickſals entgegen.

Er war von der Außenwelt gänzlich abgeſchnitten und nur durch die geheime Vermittlung des Sergeanten Katzenmeier gelang es ihm, einmal die mündliche Nachricht zu erhalten, daß der Oberſt von Flemming die Auslieferung des Fräuleins von Schönfeld ſtandhaft verweigert habe und daß die Bemühungen des Koͤnigs dieſerhalb bei dem ſächſiſchen Hofe ebenfalls vergeblich

geweſen waren. *

Der Junker aber warf ſich ermattet auf den ein⸗

zu ſeiner Braut zurück, die er unter Thränen verlaſſen

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