Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
210
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beſchäftigt war, die vor ihm liegenden Briefe zu er⸗ brechen und dieſelben, mit Begleitung einer kurzen Berichterſtattung, dem König vorzulegen.

Dies war Herr von Grumbkow, der bekannte allmächtige Günſtling Friedrich Wilhelm's, der Ver⸗ traute des kaiſerlichen Geſandten am preußiſchen Hofe, Barons von Seckendorf, durch die Gunſt des Königs zugleich Staatsminiſter, und daher ſchon zu dieſer frühen Stunde in deſſen Cabinet.

Der diesſeitige Geſandte am Hofe zu Wien, Baron von Brand, referirte Grumbkow weiter, in⸗ dem er ein neues Schreiben dem König reichte, meldet unterthänigſt, daß es ihm gelungen, Seine kaiſerliche Majeſtät dahin zu ſtimmen, daß hinfüro die Werbungen auch auf Ungarn ausgedehnt werden können.

Dem Seckendorf iſt mitzutheilen, ſagte der König, über dieſe Nachricht ſichtbar erheitert,daß kaiſerliche Majeſtät wieder anderwärts zu jeder Zeit auf meine Reconnaiſſance rechnen können. Meine Sentiments ſind ſtets gut deutſch geweſen und werden ſolches bleiben bis zu meiner Lebzeit Ende. Weiß aber übrigens auch die ⸗langen Kerle⸗ Niemand beſſer zu ſchätzen wie ich..

Der Baron von Pöllnitz, fuhr Grumbkow weiter fort,bittet ſubmiſſeſt um Wiederanſtellung als Kam⸗ merjunker und beruft ſich dabei auf die Seiner hoch⸗ ſeligen Majeſtät geleiſteten Dienſte.

Kann keine Müßiggänger an meinem Hofe brau⸗ chen, ſoll ſich zum Teufel ſcheeren.

Der Thorſchreiber Schnüffel, fuhr der General fort,fleht Euer Majeſtät demuthsvoll eine Ge⸗ haltsverbeſſerung an, da es ihm bei ſeiner urten Familie ſelbſt bei den größten Einſchränkungen un⸗ möglich iſt, mit ſeinem jetzigen Einkommen auszu⸗ kommen.

Non habeo pecuniam(ich habe kein Geld), kann Nichts daraus werden.

Der Senat der Univerſität Halle beſchwert ſich, daß ein Studioſus juris von einigen Soldaten am hellen Tage auf offener Straße angefallen und gewalt⸗ ſam fortgeſchleppt worden iſt.

Soll nicht raiſonniren; iſt mein Unterthan.

Der Herr von Sonsfeld führt Klage darüber, daß bei dem letzten Ball, welchen die Stände gegeben haben, ſich bei Tafel der Herr von Derſchow über ihn geſetzt hat, ungeachtet er beweiſen könne, daß ſein Adel älter als der des Herrn von Derſchow ſei.

Der König nahm die Beſchwerdeſchrift aus den Händen Grumbkow's, malte am Rande derſelben einen großen Eſelskopf und ſchrieb folgende Original⸗Re⸗ ſolution darunter:Narrenspoſſen! Naxrrenspoſſen!

Novellen⸗

Zeitung.

Narrenspoſſen! Habe keine Zeit mich um der Junker ihre Albernheiten zu bekümmern; die Hauptſache iſt, daß ſie ihre Steuern zahlen, wofür ich ſorgen werde.

Herr von Papſt, berichtete der Günſtling wei⸗ ter, und hierbei überflog ganz leiſe ein rachſüchtiges Lächeln ſeine Züge,meldet in aller Unterthänigkeit, daß es ihm unmöglich ſei Euer Majeſtät Abſichten in Betreff des Fräulein von Schönfeld nachzukommen, da dieſelbe vor drei Tagen durch den Junker von Kalkſtein gewaltſam entführt und nach Sachſen auf das Schloß des Herrn von Flemming gebracht wor⸗ den ſei.

Das Geſicht des Königs färbte ſich bei dieſer Mittheilung dunkelroth, in ſeinen Augen begann jenes wilde Feuer zu lodern, welches jedesmal zum Vor⸗ ſchein kam, wenn er ſich dem Ausbruch ſeines Zornes überließ. Mit einer heftigen Gebehrde ſprang er auf, indem er gleichzeitig den vor ihm liegenden ſchweren Rohrſtock ergriff und mit demſelben ungeſtüm auf den Boden ſtampfte.

Was ſagt Er da? rief er, indem er ſich gegen Herrn von Grumbkow wendete,der Herr von Kalk⸗ ſtein hat ſich unterſtanden, ſich gegen meine Ordres aufzulehnen? War es demſelben denn nicht bekannt, daß das Fräulein von Schönfeld Seinem Schwager, dem Herrn de la Chevallerie, ſeine Hand reicht? Wie iſt das, Grumbkow? Sprech' Er, ich befehle es Ihm!

Ueber Unkenntniß kann ſich Herr von Kalkſtein nicht beſchweren, Euer Majeſtät, erwiderte der Ge⸗ neral,denn der Herr von Papſt hat demſelben zu wiederholten Malen in der beſtimmteſten Weiſe mit Allerhöchſtderen Intentionen bekannt gemacht, es iſt alſo anzunehmen, daß der Handlungsweiſe des Herrn von Kalkſtein abſichtliche Auflehnung gegen Euer Ma⸗ jeſtät Befehle zum Grunde liegt.

Ho! ho! rief der König, wüthend auf den Tiſch ſchlagend,dieſe Junker haben alſo noch nicht Raiſon gelernt!... Aber auf Unſer Wort, wir werden denſelben ſolche beibringen und ihnen zeigen, daß wir Herr und König ſind. Schicke Er ſogleich den Befehl an den Junker, ſich binnen drei Tagen vor mir zu ſtellen, und wehe ihm, wenn er ſich dann nicht voll⸗ ſtändig zu rechtfertigen vermag!

Ich fürchte, ich werde das Unglück haben, ſagte Herr von Grumbkow, indem er ein anderes vor ihm liegendes Schreiben ergriff und ſich gleichzeitig tief vor dem König verneigte,durch einen zweiten Bericht, der ebenfalls den Herrn von Kalkſtein betrifft, den Zorn Euer Majeſtät noch mehr zu erregen.

Abermals dieſer Kalkſtein?.. Was zum Teufel giebt es denn wieder? Laß Er doch ſehen!

Und der König riß mit Heftigkeit ſeinem Günſt⸗ *

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