geſchrieben iſt ensfragen mit nſche Phantaſie
Vierte Folge.
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Eline Wochenchroni für Jiteratur, Aungt, ſchäne Kliſſenſchaften und Geſellſchaſt.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Leipzig, am 6. April 1866.
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IV. Jahrgang.
Abonnementspreis jährl. 5 ¼ Thlr.
Der Gefangene des Königs.
Hiſtoriſche Erzählung von Karl v. Keſſel. (Schluß.)
In ſeinem Arbeitszimmer im Schloſſe zu Berlin, deſſen Fenſter nach dem Luſtgarten zu lagen, war König Friedrich Wilhelm I. ſchon in früher Morgen⸗ ſtunde damit beſchäftigt, die eingelaufenen Depeſchen und Berichte zu erledigen und die verſchiedenen an ihn gerichteten Anfragen und Geſuche zu beantworten.
Das Gemach, obgleich hoch und geräumig, ent⸗ behrte doch in ſeiner ſonſtigen Ausſchmückung jedes Anſtrichs königlichen Prunkes, denn die Wände be⸗ kleideten nicht einmal Tapeten und die wenigen Meu⸗ bles, die ſich darin befanden, waren in ſchlichter Form aus Eichenholz gezimmert.
Der König ſelbſt trug einen braunen Rock, über
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welchen dunkelgrüne Leinewandärmel gezogen waren, während ſeine rothe, mit einer ſchmalen goldenen Borde beſetzte Weſte theilweiſe eine Schürze bedeckte, denn es gehörte zu den Eigenheiten dieſes ſparſamen Monarchen, auf ſolche Weiſe ſeine Kleider möglichſt zu ſchonen, wenn er in ſeinem Cabinet arbeitete. Vor ihm auf dem Tiſch lag das gewichtige ſpaniſche Rohr, mit welchem damals der preußiſche Staat größtentheils regiert wurde.
Im gegenüber ſaß einer ſeiner Cabinetsräthe, Auguſt Friedrich Boden, ſpäter Miniſter im Gene⸗ ral⸗Directorium, welcher nach dem Dictat des Königs theilweiſe die Reſolutionen, ſo wie ſie aus deſſen Munde gegeben wurden, ſofort niederſchrieb, oder dieſes oder jenes Schriftſtück mit den eigenen origi⸗ nellen Randbemerkungen Friedrich Wilhelm's aus deſſen Händen in Empfang nahm.
Einige Schritte vom König, an einem Nebentiſch, ſtand ein Officier in Generals⸗Uniform, deſſen glatte Miene und geſchmeidiges Weſen neben dem Krieger gleichzeitig den Hofmann verriethen, und der damit


