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der anſtrengenden Reiſe ausruhen konnte. Lange noch ſtand ich auf dem Balkon meines Zimmers und ſah auf die Rambla hinab. Gegenüber das ſtrahlend er⸗ leuchtete teatro principal mit ſeiner hübſchen Fagade, daneben das weltbekannte Café zu den ſieben Thüren, deren Ueberſchriften in ſieben Sprachen ſeine Einla⸗ dung an die Nationen wiederholen, endlich auf der breiten Straße ein Leben, eine Bewegung, ein Auf⸗ und Niederwogen, wie nur die Boulevards von Paris es zu ſo ſpäter Stunde noch zeigen.“—
Daß ſich in einigen Hauptverkehrsſtädten Spa⸗ niens und zunächſt in ſeiner oft geſchilderten Reſidenz Induſtrie, Cultur und eine moderne unſerem Zeitalter angehörige Lebensintelligenz vorfindet, kann bei einem europäiſchen Lande gar nicht anders gedacht werden. Wie wenig aber find dieſe Reſultate der Intelligenz, des Haudels und Wandels über das ganze Königreich verbreitet! Wie naiv liegen ſie noch an den meiſten Punkten in den Windeln der Kindheit! Ueber die Poſten, die Wirthshäuſer der Provinz, die nothwen⸗ digſten bürgerlichen Bequemlichkeiten der kleinen ſpa⸗ niſchen Stadt, des Gebirges iſt oft genug bitter geklagt worden, und ſchon Dumas ſchilderte es höchſt ergötzlich, wie die Wirthsleute mit vieler Begier auf den Antheil der Speiſen rechnen, welchen ihnen die damit verſehenen reiſenden Gäſte bei der Einkehr gewähren. Wie man ſieht, ſteht es ſelbſt mit den Eiſenbahnen nicht eben beſſer. Dabei erfreut ſich Spa— nien einer Art Conſtitution und befindet ſich in einer fortdauernden revolutionären Bewegung. Aber der hemmende Umſtand dabei iſt freilich der, daß dieſe Bewegungen nur die der Parteiung, der Militair⸗ oder Palaſtintrigue und nicht herzlich gemeinten Fort⸗ ſchrittes ſind. Es iſt die ernſte Frage, wie lange die immer abnehmende Productions⸗ und Regenerati⸗
Novellen⸗Zeitung.
onskraft bei dieſem unabläſſigen Stillſtand oder Rück⸗ ſchritt Elaſticität genug behalten wird, um das Land gegen Geſchlechtsentartung und Auflöſung in ſich ſelbſt zu ſichern.
In ſolch betrübendem Hinblick iſt ein Vergleich zwiſchen Spanien und Italien durch ſeine Reſultate für die Gegenwart und Perſpectiven für die Zukunft ſehr merkwürdig. Wie Gewaltiges, Weittragendes hat ſich jenſeit der Apenninen begeben! Wie fähig hat ſich ein Volk gezeigt, das in ſeiner Zerriſſenheit und moraliſchen Krankhaftigkeit längſt das Vertrauen Europas verloren hatte! Freilich lebt es nicht wie der Spanier auf ruinirtem Boden, ſondern hat immer in einer gewiſſen Cultur⸗ und Handels⸗ wie Ge⸗ werbthätigkeit ſeine agronomiſche und bürgerliche Erd⸗ ſcholle lebendig und fruchtbar zu erhalten gewußt.
Ueber alle dieſe Fragen enthalten dieſe Blätter allerdings keine eingehende Betrachtung; doch ſie regen ganz von ſelbſt dazu an.
Ziemlich lange wird bei den Kunſtwerken, vor⸗ züglich denen der Malerei, und bei einzelnen biogra⸗ phiſchen Notizen über verſchiedene Meiſter verweilt. Dergleichen kann und ſoll auch wohl nur für das größere Laienpublicum berechnet ſein, da es für Sach⸗ kenner zu wenig viſſenſchaftliche Grundlagen verräth.
Was in Summa hervortritt,— und auch ſchon dies gereicht dieſen Bänden vielmehr zum Lobe als zum Tadel— iſt der Wunſch, daß bald ein Reiſender erſtehen möge, der, mit allen nothwendigen Materi⸗ alien der Intelligenz ausgerüſtet, über Spanien des vollen Urtheils, der intereſſanten Darſtellung fähig iſt. Im einſtweiligen Interim iſt es natürlich, wenn wir fragmentariſche Gaben und flüchtige Blicke mit freundlicher Toleranz aufnehmen.
Jeuilleton.
Der Bildhauer John Gibſon.
Zu den berühmten Männern, welche England im Laufe der letzten zehn Monate durch den Tod verloren hat, geſellt ſich auch der erſte engliſche Bildhauer John Gibſon, welcher den berühmten Maler Sir Charles Locke Eaſtlake, der am Tage vor Weihnachten in Piſa ſtarb, nur fünf Wochen über⸗ lebt hat und der am 29. Januar c. in Rom auf dem prote⸗ ſtantiſchen— oder nach dem Ausdruck der Römer— auf dem engliſchen Friedhofe am Scherbenberg, neben der Pyramide des Ceſtius, ſeinen Ruheplatz gefunden hat. Ein Mann, wie John Gibſon, der ſich in der Kunſtwelt eine ſo hohe Stellung erworben hatte, verdient wohl, daß wir unſern Leſern Näheres über ſein Leben und ſeine Werke mitt eilen
John Gibſon wurde im Jahr 1791 in Conway im
nördlichen Wales geboren und war der Sohn eines Handels⸗ gärtners. Sein Vater verließ Wales, als ſein Sohn etwa neun Jahr alt war, und begab ſich mit demſelben in der Abſicht, nach Nordamerika auszuwandern, nach Liverpool, doch Umſtände veranlaßten ihn, ſeinen Auswanderungsplan aufzugeben und ſich in Liverpool niederzulaſſen. Als Kind hatte John ganz aus eigenem Antriebe ſich gern mit Zeichnen beſchäftigt und in einem ſehr frühen Alter hatte er die Ge⸗ wohnheiten, die Bilder der Hausthiere, die er um ſich her ſah, zu entwerfen. In Liverpool eröffnete ſich für ihn eine ganz neue Welt und er verſuchte ſeine jugendliche Hand mit Erfolg, die Bilder, welche er in den Schaufenſtern der Kunſt⸗ handlungen ſah, auf Papier abzuzeichnen. Als er vierzehn (Jahr alt war, kam er als Lehrling zu einem Möbelſchreiner
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