Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
196
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196 Novellen⸗Zeitung.

die Frage zu richten, auf welche Mittel er denn rechne, um den von ihm im Auge gehaltenen Zweck zu er⸗ reichen.

Sie wiſſen, entgegnete der junge Mann, langſam mit der Dame vorwärts reitend,daß mein Oheim, der Oberſt von Flemming, bei allen ſonſtigen trefflichen Eigenſchaften ſeines Herzens eine Menge Sonderbar⸗ keiten an ſich hat, wozu vorzugsweiſe ſeine Soldaten⸗ liebhaberei gehört, die er ſo weit treibt, daß er aus ſeinen Bauern eine vollſtändig einexercirte und uni⸗ formirte Compagnie errichtet hat, welche unter den Befehlen eines alten Lieutenants Namens Hähnchen ſteht, der einen großen Theil der Feldzüge des Oberſten an deſſen Seite mitgemacht hat. Nun wußte ich wohl, daß er eine Gelegenheit wie die heutige nicht vorübergehen laſſen würde, ohne ſeine militäriſchen Streitkräfte zu entfalten, um Sie, wie ein großer Feldherr, an der Spitze ſeiner Armee ins Schloß zu geleiten. Wir können alſo jeden Augenblick auf ſeinen Lieutenant ſtoßen und ich irre mich gewiß nicht, wenn ich denſelben mit ſeiner Truppe hier ganz in der Nähe vermuthe. Der Lieutenant iſt ein drolliger Kauz, aber ein guter Menſch, bei⸗dem es nur einer Aufforderung von meiner Seite bedürfen wird, um ihn ſofort zu beſtimmen, mich behufs der Befreiung des Arztes mit ſeiner ganzen Streitmacht zu unter⸗ ſtützen.... Doch hören Sie, abermals vernehme ich Stimmen in unſerer Nähe!.. Nun, es wäre doch ſonderbar, wenn wir in ein neues Abenteuer verwickelt würden!

In der That ließ ſich etwa zweihundert Schritte von dem kleinen Reitertrupp eine Stimme in folgen⸗ der Weiſe vernehmen:

Ha, kleiner Taugenichts, Du willſt Dich alſo hier heranſchleichen, ohne Loſung und Feldgeſchrei abzugeben?... Ho, ho, mein Bürſchchen, weißt Du auch, daß ich Dich ſofort als Spion aufhängen laſſen könnte?

Das iſt der Lieutenant, flüſterte der Junker dem Fräulein zu;wie es ſcheint, iſt ihm der kleine Valentin in die Hände gefallen.

en im Stall iſt, ohne daß es Dir beliebt hat, mit derſelben znrückzukehren.

Ein etwas verdächtiges Gelächter folgte dieſer Standrede.

Wenn Ihr ſo fortfahret, Lieutenant, hörte man Valentin entgegnen,ſo wird Euch bald die Kehle heiſer werden und dann möchtet Ihr froh ſein,

es iſt auch die Ihrige.

wenn ich Rath ſchaffte, dieſelbe ſobald wie möglich wieder anzufriſchen. 3

Wahrhaftig, das iſt ein geſcheidter Gedanke, mein Junge, und da mir gerade einfällt, daß da unten am Berge Dein Vater mit einem vollen Fäßchen hält, ſo könnteſt Du ihm wohl einen Wink geben, daß ich dieſen Augenblick der Ruhe benutzen will, um eine Stärkung zu mir zu nehmen.

Sogleich, Lieutenant. Aber wollt Ihr nicht vorher den Herrn Junker von Kalkſtein ſprechen?

Wie, der Junker iſt hier?... Und davon haſt Du mir bis jetzt noch nichts geſagt?... Aber wo iſt er denn, ich ſehe ihn ja nicht?

Hier bin ich, mein alter Freund, ſagte Herr von Kalkſtein näher tretend und dem Lieutenant die Hand herzlich ſchüttelnd,ich freue mich doppelt, Sie zu finden, da wider Erwarten Umſtände eingetreten ſind, welche mir Ihren Beiſtand ganz beſonders wün⸗ ſchenswerth machen.

Es liegt doch nicht die Befürchtung vor, daß dem Fräulein irgend ein Unfall droht?

Gott ſei Dank, nein! Aber es giebt noch eine andere Perſon, die wir Alle gleich lieben, und dieſe befindet ſich in großer Gefahr. Der Doctor...

Der Doctor?... Ich habe es mir wohl gedacht, als ich hörte, daß Peter Simpel's Stute allein nach Hauſe gekommen iſt... Hm! Unſer Freund hat nie große Anlagen zum Reiten gezeigt und ſo ſoll es mich nicht wundern, wenn ich hoͤre, daß er von der alten Lieſe gefallen iſt.

Ach, wenn das blos wäre! Aber er ha ganz anderen Fall gethan unſer Freund be⸗ ſich in den Händen der preußiſchen Werber.

Bei dieſer Mittheilung ging ein Fluch ſo kraf⸗ tiger Natur über die Lippen des Lieutenants, daß wir ihn nicht wiederholen wollen, denn es fuhr raſch wie ein Blitz über die verwitterten Züge des alten Soldaten, und dem Junker feſt ins Auge ſchauend, fragte er in kurzem und gedrängtem Tone:

Und was gedenken Sie dabei zu thun, Herr von Kalkſtein? Was mich anbelangt, ſo ſteht mein Entſchluß feſt.

Der meine nicht minder, entgegnete der Junker. Geben Sie dem Fräulein eine Bedeckung nach dem Schloſſe und mit dem Reſt der Mannſchaft laſſen Sie uns ſofort zum Beiſtand unſeres Freundes aufbrechen. Das iſt meine Meinung, Lieutenant, und ich hoffe,

Brav geſprochen, ſ. anz ſo, wie ich es von einem Manne J rs erwartet habe. Aber da fällt mir Etwa ovon der Er⸗

folg unſeres Unternehmens weſentlich abhängt. Wo

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