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man aber etwa fünfhundert Schritte vom Schloſſe entfernt war, ließ man, ſo weit dies die Dunkelheit geſtattete, die Pferde möglichſt ausgreifen, indem man erſt die Landſtraße verfolgte, dann aber ſeitwärts von derſelben abbog.
Bisher hatte das junge Paar, welches auf ſo geheimnißvolle Weiſe zuſammengetroffen war, faſt kein Wort gewechſelt; jetzt mäßigte indeſſen der Be⸗ gleiter der Dame den Schritt ſeines Pferdes und benutzte dieſe Zeit der Erholung, um das ſeitherige Schweigen zu brechen.
„Noch eine kleine Stunde, meine theure Emilie,“ ſagte der junge Mann in einem Tone, in welchen er die möglichſte Weichheit zu legen bemüht war,„noch eine kleine Stunde und Sie werden die Beſchwerden einer Reiſe hinter ſich haben, die ſchließlich bei dem Be⸗ nehmen Ihres Vormundes, des Herrn von Papſt, zur Nothwendigkeit wurde.“
„Etwas Entſcheidendes mußte bei den Plänen, die man gegen mich ſchmiedete, allerdings geſchehen,“ ſagte das Fräulein;„es iſt hart und ſchmerzlich, wenn man ſich genöthigt ſieht zu Mitteln wie dieſes zu greifen, aber noch ſchrecklicher wäre es geweſen, wenn ſich das Loos erfüllt hätte, welches mir zugedacht war.“
„O, und ich!.. Hüätte ich es ertragen können, Sie als die Gattin eines Anderen zu ſehen?..“
Die junge Dame reichte ihrem Begleiter zu⸗ traulich und liebevoll die Hand und fuhr dann fort:
„Ich kenne Ihre Gefühle für mich, Herr von Kalkſtein, und glauben Sie mir, die Ueberzeugung von deren Reinheit und Tiefe bildet nicht allein das Glück meines Lebens, ſondern es verleiht mir auch den Muth, Gefahren und Leiden, die meiner vielleicht noch warten, entſchloſſen entgegenzuſehen. Mag kommen was da will, nichts ſoll mich einſchüchtern oder nie⸗ derbeugen, weder die Ränke eines Grumbkow, noch der despotiſche Wille eines Königs, welcher glaubt, über Leib und Leben ſeiner Unterthanen nach Gut⸗ dünken verfügen zu können.“
„Sie werden mich an Muth und Ausdauer nicht n und wenn am Ende Alles fehlſchlägt, ilie, ſo wird uns doch immer noch in dem benachbarten Sachſen von ner Stelle, die mir ſchon vor längerer Zeit am Hofe zu Dresden angeboten worden iſt, wenn auch einfach, doch aber ſorgenfrei leben zu können.“ „Sollte der König wirklich ſo weit gehen, die
ſeihrnach meinem Eigenthum auszuſtrecken?“ hn der Zunumſchränkter Herr und macht, wie Sie heiten kundgiebt.„ fangreichſten Gebrauch. Hört ird ſein Zorn keine Grenzen
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Olw.
Novellen⸗
Jeitung.
kennen, und vielleicht blos, um Sie zur Rückkehr zu zwingen...“
„Mich ſeiner Gewalt überliefern?— Nimmer⸗ mehr!“
„Gut, ich ſtimme hierin ganz mit Ihnen überein. Vielleicht gelingt es uns auch, im Laufe der Zeit Mittel und Wege zu finden, den König zu beſänftigen und ſeine Verzeihung zu erlangen.“
„Aber Sie?— Indem Sie mich in Sicherheit bringen, ſetzen Sis ſich ſelbſt der größten Gefahr aus.“
—„Und iſt ein ſo köſtlicher Preis nicht des Kampfes werth?“
„Still! ſtill! der Augenblick iſt viel zu ernſt zu ſolchen Tändeleien... Sagen Sie frichtig, Herr von Kalkſtein, was würden Sie khun, wenn der Be⸗ fehl des Königs Sie nach Berlin beriefe?“
„Ich würde Folge leiſten, wiekegemir Pflicht und Ehre gebieten.“ 1
„Wie?“ rief das Fräulein erblaſſend,„Sie wollten ſich in die Höhle des Löwen begeben, und ſich von ihm vielleicht vernichten laſſen? Und dies Alles um meinetwillen? Nein, nein, ich werde Ihnen dies nicht geſtatten, oder wenn Sie es thun, ſo will ich Sie begleiten und Ihr Schickſal theilen.“
„Das wolle Gott verhüten,“ antwortete der Junker gerührt,„daß Sie noch weiter in dieſe An⸗ gelegenheit hineingezogen würden. Nein, iſt irgend eine Verantwortlichkeit dabei zu tragen, ſo werde ich dieſelbe ihrem ganzen Umfange nach übernehmen, doch
glauben Sie mir, bleibt ſchließlich zwiſchen zwei Dingen
nur die Wahl, ſo iſt es immer noch beſſer, ſich den erſten heftigen Wirkungen des königlichen Zornes zu unterwerfen, als demſelben durch hartnäckigen Wider⸗ ſtand neue Nahrung zu geben. Doch ſehen Sie,
ſchon liegt die erſte Gefahr glücklich hinter uns; hier
iſt der Grenzpfahl mit dem königlichen Adler und dort, dicht vor uns, ſteht ein anderer, welcher mit den Farben des kurfürſtlichen Hauſes verſehen iſt.“
„So befinden wir uns alſo auf ſächſiſchem Boden?“
„Gerade jetzt haben wir denſelben betreten. Ge⸗ wahren Sie nicht in der Ferne eine dunkle unkennt⸗ liche Maſſe? Das iſt Weißig. In der Mttte des Dorfes, dort auf dem Hügel, erhebt ſich das Schloß meines Oheimes, des Oberſt von Flemming. Noch eine halbe Stunde und Sie werden unter dem Schutze von deſſen würdiger Gattin, die ja gleichzeitig die treuſte Freundin Ihrer leider zu früh dahingegangenen Mutter war, von den Be d der Unruhe, welche Ihnen dieſe Nach at, ausruhen können.“
„So laſſen Sie uns, we hnen recht iſt,
unſere Pferde etwas antreiben, denn ich ſehne mich
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