Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
190
Einzelbild herunterladen

190 Novellen⸗Jeitung.

Freilich durfte ich mich dabei nicht umdrehen, ſonſt verlor ich den Schein meiner Flamme bemerkt. So führte ihn die

die Illuſion. Denn ſowie ich das Geſicht abwandte, ſpürte ich die zwanzig Grad Kälte und die Froſtgeiſter, die mein Feuer von allen Seiten umagerten.

Mein Hund ſchaute kläglich zu mir auf und leckte mir

Ich glaube, er hat die Situation beſſer

Hände und Füße. r Dieſer Hund hieß

begriffen, als ich in meiner Verzückung. Arkas. 1

Noch einmal ſchleppte ich mich hinaus, um von Seiner Königlichen Hoheit Holz zu ſtehlen, dann legte ich mich auf die Bank und machte mir meine Neujahrsgedanken.

Ich ſtellte mir das bacchantiſche Gefühl vor, das jetzt die großen Städte durchraſte, die Trunkenheit bei Wein⸗ flaſchen und Punſchbowlen in ſchwülen Sälen. Auf der Alm war es ſchweigſam; ſie ruhte unter demſelben Schnee, der heute mein Leichentuch hatte werden ſollen.

Draußen rauſchte ein Bach; er kommt aus den unend⸗ lichen Wüſten des Karwendel. Die nächſten lebenden Weſen waren Gemſen und Steinadler. Wenn ich durch die Lücken zwiſchen den aufeinandergelegten Balken meiner Behauſung ſchaute, ſah ich die Sterne in ruhigem, ſtetem Licht ſcheinen nicht fackeln und zittern wie draußen. Ein Dichter hätte an den Geiſt der Alpen denken und ſich ihm nah fühlen mögen. Unbeweglich thront er über dieſen gewaltigen Streifen, und doch ſchien es, als ob ſeine Hand ſchützend über mir lag. Während er mir mit der Stimme ſeiner Waſſer von einer

Kraft erzählte, deren Unermeßlichkeit wenige Sterbliche ahnen,

ängſtigte mich wieder das Schweigen ſeiner Einöden. Dann berührte er, wie jener Derwiſch des Morgenlandes den Pil⸗ ger, meine blöden Augen, und ich ſah in ſeine ungeſchauten Hallen. Da flimmerte es von ewigen Kryſtallen; unter dem Boden der dröhnenden Säle wirbelten überall ſmaragdene Waſſer. Säulen und Arabesken, wie ſie das Gehirn keines Künſtlers zu erſinnen üermochte, ſtützten die unvernichtbaren Gewölbe. Am Throne blendete das Eis im Sonnenbrand und laſurfarbene Strahlenbündel zuckten wie Nordlichter in den blutfarbigen Morgenäther. Manchmal zwinkerte er mit den Augen, dann raſten ſtänbende Waſſerſtürze und neigten Berge ſich ſonnenverlangend gegen den Thron, daß unendliche Lawinen in den bodenloſen Abgrund jagten. Und wieder hob er den ſilbernen Scepter und der freche Jäger ver⸗ ſchwand in der Tiefe und dem harmloſen Wanderer wurde ein ſchützendes Obdach.

Es war mir, als ob ich im Schauſpielhauſe wäre, und der Vorhang aufginge und ich Raimund's Alpenkönig vor den Genien ſähe, aus deren Urnen kryſtallene Ströme nach den Gegenden der Welt fließen.

Dann begann ich von meinem Unglück zu träumen und

hörte Schritte von ſolchen, die mir zu Hülfe kamen. Schon waren ſie ganz nah. Jetzt kam eine Geſtalt zu meiner Thüre herein. Ich drehte mich auf meiner Bank um und ſuchte mein von der Flamme gebranntes Geſicht zu kühlen.

Um Gotteswillen, was machen Sie da? fragte eine Stimme.

Ich weiß nicht, was ich dachte. Ich weiß nicht, ob ich im Schlafen oder Wachen zu ſprechen glaubte. Ich ſagte kurzweg:Ich wünſch' ein glückſeliges neues Jahr!

Die Geſtalt, es war ein kräftiger Mann in grauem Rock und mit umgehängtem Gewehr, trat näher. Er rührte mich an und betrachtete mich voll Mitleid. Ich kam nach und nach vollſtändig zu mir. Ein Wort gab das andere.

Es war der k. k. Finanzpoſtenführer Azzolini. Weit unten hatte er, wenn ich die Thüre öffnete, um Holz zu holen,

Obliegenheit ſeines harten Berufes, den er gewiſſenhaft erfüllte, herauf. Es konnten Schmuggler, es konnte noch Schlimmeres hier verborgen ſein. Nachdem ich ihm Alles, ſo gut ich konnte, erklärt hatte, that der barmherzige Samari⸗ ter ſeine milde Hand auf. Von den Vorräthen, welche dieſe Leute bei Ausübung ihres Dienſtes in jenen Wildniſſen immer bei ſich führen, gab er mir, was ich nur wollte. Er rieb meine erſtorbenen Füße, er ſprach mir Troſt zu; er hätte mich fortgetragen, wenn es möglich geweſen wäre.

Erſt, nachdem ich dem Braven auf mein Wort verſichert hatte, daß mir außer der Beſchädigung meiner Füße nichts zugeſtoßen ſei, verließ er mich. Trotz der ſibiriſchen Kälte langte er, wie ich nachher erfuhr, ſchweißtriefend im Jäger⸗ haus von Hinterriß an; ſo drängte es ihn, mir, dem Unbe⸗ kannten, Hülfe zu ſchaffen.

Nach einigen Stunden kamen die Söhne des trefflichen herzoglichen Forſtwarts Neuner und zogen mich auf einem

kleinen Schlitten über die unwegſamen Eispfade der Berge

nach ihrem Vaterhaus. Dort wurde ich wie ein eigenes Kind gepflegt, und nicht der kleinſte Gewinn, den ich aus meiner denkwürdigen Fahrt zog, iſt die Erinnerung an jene liebevollen Menſchen im verlaſſenen deutſchen Alpenthal. Jene Kinder der Stürme und des Bergwinters ſind in den Mitteln bewandert, welche ſolche Verwundungen ſofort erhei⸗ ſchen. Dank dem guten Azzolini und dem vortrefflichen Jäger Neuner wurde ſo die ſchreckliche Gefahr, welche aus Vernachläſſigung oder Ungeſchicklichkeit entſpringen konnte, glücklich vereitelt. Es ſcheint, man muß in die Wüſten gehen, um ſolche Hände drücken zu können. Als ich am nächſten Morgen einen Blick in den Spiegel warf, erſtaunte ich: die fünfzehn Stunden in der trockenen lichtvollen Luft der hochge⸗ legenen Eisflächen hatten mich mehr gebräunt als ein ſüdlicher Sommer. 9.

Das Leben und die Zeiten der Lady Eſther Stanhope.

Am 6. Februar hielt Miſtreß Balfour in dem Mechanics' Inſtitute in Bradford eine Vorleſung über Lady Eſther Stanhope, die in ihrer Jugend als die Nichte des großen Pitt in der vornehmen Geſellſchaft in einer faſt despotiſchen Art und in ihren ſpätern Jahren als Königin der Wüſte regierte. Mrs. Balfour theilte dem ſehr zahlreichen Zuhörerkreiſe die wichtigſten Thatſachen aus dem Leben jener excentriſchen Dame genau mit, beſchrieb die königliche Schönheit ihrer Per⸗ ſon und rühmte die großen Attribute ihres Geiſtes, welcher alle Talente zu umfaſſen ſchien, mit Ausnahme eines ein⸗ zigen und zwar des allernothwendigſten das Talent des geſunden Menſchenverſtandes. Ihre Laufbahn am Hofe war glänzend, indeſſen durch die Feindſchaften, welche ſie ſich durch ihren beißenden Witz zuzog, etwas beſchattet. Als Pitt ſtarb, änderte ſich die Scene. Aus Dankbarkeit gegen den großen Miniſter der, obwohl er der Nation ein Ver⸗ mächtniß von Schulden und Schwierigkeiten hinterlaſſen, doch ſtets mit der größten Gewiſſenhaftigkeit gehandelt hatte, bewilligte das Land ſeiner Nichte eine jährliche Penſion von 1500 Pfd. Sterl., und mit dem ganzen Adel ihres Charakters nahm Lady Eſther, die nicht die heroiſche Selbſtverleugnung beſaß, wie Miſtreß Cobden und deren Familie kürzlich be⸗ wieſen, dieſelbe an. Sie verſuchte nunmehr ein zurückgezoge⸗ nes Leben in Wales, um die Rolle der Lady Bountiful zu ſpielen, aberder Stern, geeignetan Höfen zu glänzen,

auf iged dus rückguiieh,

ansformen 2 9

li de dsT

uad ir gehör

dert wurde un ſihrlches Cin nich beſteeite für den engliſg auf ihre Penſ Als dieſe Na beinah ſchimp auf ihre Penſ werde ſich in i that ſie wirklih Das vat die Aebens, we D

Der in Chronik Folg Nachder den Eirkeln! Paris, ſelbſt Jagen kündig ſtalt unter der den mit Aus vorläuſige Ve ſiat, als es ſi ſiddentin und 6 ſih man auf ſddenüchat ge Danen und d heraus die Präͤſden machten, zur Durch niſation des beklagen, de ſten Eleme Venn dieſe freundlicher künnen, ein fiden: die