Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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186 Novellen⸗

Schlafe unwillkürlich unter den Zaun rollte, erwachte, von gleichem Schickſal getroffen, nicht wieder zum Leben.

Je mehr ſich der Gefängniß⸗Pferch im Laufe der Zeit anfüllte, um ſo ärger wurden die Qualen der dort zuſammengezwängten Unglücklichen.

Viele benutzten die Anordnung von Wirtz, um ihrer Pein ein Ende zu machen: ein Schritt über die Todtenlinie, und alle Leiden waren vorüber, denn auf zwölf Fuß Entfernung fehlten die Schildwachen nur ſelten. Der ganze Raum innerhalb der Todtenlinie, urſprünglich für höchſtens zehntauſend Mann berechnet, wurde bald für mehr als 30,000 Mann als Aufent⸗ haltsſtätte benutzt. Wie Ameiſen zuſammengedrängt, allen Unbilden der Witterung ausgeſetzt und den gräßlichen Einflüſſen einer verpeſteten Luft unterworfen, hatten die Bedauernswürdigen noch die fortgeſetzten Qualen des Hungers zu überwinden. Was ſie an Lebensmitteln erhielten, beſtand aus den kleinſten Rationen von ausgeſucht ſchlechter Qualität: Pökel⸗ fleiſch, totalverdorben, ſteinhartes Brod, halbverfault und verſchimmelt, in Quantitäten kaum für Kinder von fünf Jahren hinreichend.-

Die natürlichen Folgen dieſer ſcheußlichen Be⸗ handlung ſollten nicht lange ausbleiben: Raſerei, Blödſinn, Selbſtmord, Krankheiten der ſchrecklichſten Art. Abgemagert zu Skeleten, lagen ſie auf der bloßen Erde, ausgeſetzt den nagenden Biſſen und Stichen von allerhand Inſecten. In dieſer Noth mußte der Tod Allen wie ein Erlöſer erſcheinen. Und ſie ſtarben in der That wie die Fliegen dahin. In der Frühe durchwanderte eine Schaar Todtenaufleſer den Pferch und ſchichtete die Leichname, welche mitten unter den Schlafenden lagen. An einem Morgen, im Auguſt 1864, wurden allein 207 Todte aufgeleſen und im Durchſchnitt ſollen monatlich 2000 Todesfälle vor⸗ gekommen ſein.

Zu dieſen ſchrecklichen Qualen denke man ſich nun noch die rohen Ausbrüche perſönlicher Grauſam⸗ keit, mit welchen der unmenſchliche Foltermeiſter Wirtz ſeine Gefangenen. heimſuchte. Je nach Laune oder Willkür ließ er Einzelne in den Block ſtecken, Andere gruppenweiſe mit ſchweren Ketten zuſammenkoppeln und ihrem abgemagerten Körper dreißigpfündige Kugeln anhängen. Ein beſonderes Vergnügen entſprang ihm aus Fluchtverſuchen ſeiner Gefangenen. Für dieſen Fall hatte er eine Meute Bluthunde in Bereitſchaft, welche die Spur der armen Entkömmlinge nie ver⸗ fehlten und Letztere zum Vergnügen ihres grauſamen Herrn erwürgen mußten. Es war dieſelbe ſcheußliche Verfolgungsart, welche auch oft bei den Guerillabanden im Schwange war. Dieſe räuberiſchen Mordgeſellen führten oft ebenfalls eine Anzahl Bluthunde auf ihren

Zeitung.

Raubzügen mit ſich, um die unglücklichen Farmer, welche ſich bei ihrer Annäherung etwa in das nächſte Gebüſch verſtecken wollten, aufſpüren zu laſſen. Die durch Hunger und Blut geſchärfte, auf die Menſchen⸗ jagd beſonders abgerichtete Meute folgte dem Opfer in die entfernteſten Schlupfwinkel, und was auch der Revolver ihrer Herren verfehlte, das konnte doch ihren grimmigen Biſſen nicht entgehen.

Man ſieht hieraus, daß die Thaten des unmenſch⸗ lichen Wirtz keineswegs vereinzelt daſtanden, wenn auch ihm vielleicht vor allen Andern die ergiebigſte Gelegenheit geboten war, ſeiner teufliſchen Luſt an den Qualen ſeiner Mitmenſchen ungehindert den Zügel ſchießen zu laſſen. Mehr als 13,000 Kriegsgefangene ſollen unter ſeiner Behandlung zu Grunde gegangen ſein, an Hunger und Durſt, Näſſe und Kälte, Krankheit und Unreinlichkeit, durch Erſchießung und willkürliche Plagen mannigfacher Art. Einſt beliebte es dem ſchonungsloſen Manne, die ermatteten Leute zum Appell antreten zu laſſen. Da wankte ein Deutſcher, nicht mehr fähig in Reih' und Glied zu ſtehen, auf den Wüthrich mit der Bitte um Nachſicht zu. Doch Wirtz zog hartherzig ſeinen Revolver und ſchoß ihn mit dem Wuthausbruch in gebrochenem Engliſch nieder:Du verfluchter deutſcher Hund, weshalb haſt Du gegen uns gekämpft!

Einen anderen Gefangenen, der vor Entkräftung faſt umfiel, ſoll Wirtz, wie die noch am Leben Ge⸗ bliebenen behaupten, mit Füßen getreten haben, bis der Gemarterte ſeinen Geiſt aufgab.

Doch wenden wir uns ab von dieſem entſetzlichen Bilde unmenſchlicher Grauſamkeit, deſſen Entrollung freilich zur beſſeren Würdigung des Verhältniſſes der beiden kriegsführenden Parteien uns nicht entbehrlich erſchien. Die Wage der ewigen Gerechtigkeit, welche die Schuld an dem großen brudermörderiſchen Kampfe abwägt, kann freilich durch einzelne Züge der geſchilderten grauſigen Art kaum noch tiefer, zum Nachtheil der Rebellion, herabgedrückt werden. Um ſo höher er⸗ ſcheint aber auf der andern Seite die wahrhaft be⸗ wundernswerthe Mäßigung und Weisheit der Bundes⸗ Autoritäten, die auf alle Unbill und unnatürliche Grauſamkeit ſtets nur die eine unabänderliche Ant⸗ wort der Nachſicht und Verſöhnung zur Hand hatten. Es iſt eine großartige, in den Annalen der Geſchichte vielleicht beiſpielloſe Erſcheinung, wie hier eine ſiegende Gewalt gegen ihre abtrünnigen Staatsangehörigen, die mit den Waffen in der Hand zu einem langjährigen Kampfe auf Leben und Tod ſich auflehnten, vorgegangen iſt. Keine Nation, keine Monarchie des alten Europa kann eine gleich erhabene Epiſode aus ihrer Geſchichte jenem Auftreten der Union an die Seite ſtellen. Dort

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