Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
185
Einzelbild herunterladen

nen civili⸗ geſchichte pfer nicht

enders der tuaet. wleſe Feier eleidt hin ſenz ald a⸗ ſpätere Auf en über den ermordeten er zu den erigſte aller in Staats⸗ lich in den

eſcriebenen rliche Werk die wieder cichte ent⸗ hat hier n Krieges elben noch el an ſich

tſchiedene ge Verur⸗ möglich, i auch in zu wenig ſich Ver⸗ ertheidigen eweiſen: Kriege in fideration en waren t ſeit Be⸗

ginn des Krieges alle Civilgeſetze. Bis ſechs Monate nach Herſtellung des Friedens ſollte Niemand klagen oder verklagt werden können. So häuften ſich Schulden auf Schulden im Privatverkehr, und noch wüſter ſah es aus im Staatshaushalte der Conföderation. Die aufgelaufene Sonderbundsſchuld belief ſich ſchon am 1. Januar 1864 auf 1220 Mill. Dollars und betrug am Schluſſe des Krieges gewiß nicht weniger als 1 ¾ Milliarde. Außer den Schatzſcheinen der Conföderation befanden ſich Werthzeichen in allen möglichen Formen und Abſtufungen im Umlauf, ausgegeben nicht nur von den Behörden der einzelnen Staaten, Grafſchaften, Gemeinden, Corporationen und Banken, ſondern ſelbſt von einzelnen Privaten, ſo daß das Land von Papieren überſchwemmt war, die nach dem Siege der Union völlig werthlos wurden. Während Gold und Silber ſich gänzlich dem Verkehr entzogen, ſtiegen die Preiſe für die Bedürfniſſe des täglichen Lebens zu ſchwindel⸗ hafter Höhe empor; der Centner Mehl koſtete 150 Dollars, das Pfund Thee 40 Dollars, ein Paar Stiefel 160 Dollars, eine Flaſche Bier 20 Dollars u. ſ. w.

In dieſer unbehaglichen und aufreibenden Periode waren Schulen und andere Anſtalten der allgemeinen Wohkfahrt theils geſchloſſen, theils ganz aufgehoben, die Schüler zerſtreut, die Lehrer in die Regimenter vertbeilt, die Räume der öffentlichen Gottesverehrung in Kaſernen oder Spitäler verwandelt.

So verbreitete ſich gänzliche Verwildernng über die geſammte Bevölkerung des Südens, die Erwachſenen wurden der gewohnten religiöſen Zucht entfremdet und die Jugend ſchoß empor ohne alle Erziehung und Be⸗ lehrung! Und in demſelben Verhältniſſe, als das Land litt, ſanken auch in bedauerlicher Weiſe Gewiſſen⸗ haftigkeit und Moralität der Regierer.

Es war das entgegengeſetzte Princip, das des Terrorismus, mittelſt deſſen die Rebellion ihr Daſein friſtete. An Stelle freiwilliger Anlehen und freiwilliger Kriegsſchaaren wählte ſie Plünderung, Preſſung und Brandſchatzung; an Stelle der offenen Gewalt in einem ehrlichen Kampfe duldete ſie Kaper und Guerillabanden, Mord und Ueberfall; an Stelle der Menſchlichkeit ſetzte ſie thieriſche Rohheit und an Stelle vergebender Verſöhnlichkeit, die ihr ſo reichlich zu Theil wurde, kannte ſie nur barbariſche Willkür und unmenſchliche Grauſamkeit. Wie die meuchleriſche Ermordung ihres edelſten Gegners dem Getriebe der Rebellion die Krone aufſetzte, ſo haben auch ſpätere Enthüllungen uns zur Genüge erwieſen, daß aus jener Drachenſaat des Verraths nur Unheil entſpringen konnte.

Am deutlichſten zeigte ſich dieſer Geiſt unmenſch⸗ licher Rohheit in der Behandlung der Kriegsgefangenen. Während die Union die von ihren Heeren gefangenen

Vierte

Folge. 185

Südländer auf die humanſte Meiſe gleich den eignen Kriegern halten und verpflegen ließ, galt es der Rebellion als ein wichtiger Grundſatz, die kriegsgefangenen Nord⸗ länder durch Hunger und andere Qualen ſo zu ruiniren, daß ſie auf immer dienſtuntauglich wurden. Dieſe niederträchtige Speculation in Hinblick auf die Aus⸗ wechſelung ging ſo weit, daß den Kriegsgefangenen nicht nur die unentbehrlichſten Lebensbedürfniſſe, wie Speiſe, Luft, Waſſer, Reinlichkeit u. ſ. w., verkürzt oder entzogen, ſondern ſelbſt die von ihren Verwandten der Richmonder Regierung zur Weiterbeförderung anvertrauten Sendungen mit Lebensmitteln durch die Creaturen der Machthaber unterſchlagen wurden. Eines der geeignetſten Werkzeuge für ihr unmenſchliches Walten fand die Rebellion in der Perſon eines ge⸗ wiſſen Heinrich Wirtz, deſſen wohlverdientes Schickſal erſt kürzlich die Zeitungen gemeldet haben und welcher dem ſogenannten Gefangenen⸗Pferch von Anderſonville vorgeſetzt war und, wie der ſpäter gegen ihn verhandelter peinliche Proceß erweiſen ſollte, an grauſamer Be⸗ handlung alle anderen Gefängniß⸗Inſpectoren weit übertroffen hat. Indem wir hier unter den Letzteren nur noch den General Winder und den Kerkermeiſter des Libby⸗Gefängniſſes in Richmond, Dick Turner, nennen, können wir unſere Leſer behufs Würdigung des wahren Geiſtes der Rebellion mit einer kurzen Darlegung von Wirtz' im Namen derſelben geübten Unmenſchlichkeiten nicht verſchonen.

Heinrich Wirtz, aus Zürich ſtammend, hatte ſich dort, in einer Fabrik beſchäftigt, eines ſtrafbaren Ver⸗ gehens ſchuldig gemacht und war Anfangs der Funfziger Jahre nach Amerika übergeſiedelt. Nachdem er ſich hier als Diener in mehreren Heilanſtalten aufgehalten und ſich ſpäter als Arzt gerirt hatte, trat er bei Aus⸗ bruch der Seceſſion als Hauptmann in das Rebellenheer und wurde im Frühjahr 1864 aus beſonderer Rückſicht auf ſeine Grauſamkeit zum Commandanten des Ge⸗ fangenen⸗Lagers in Anderſonville ernannt. Es beſtand aus einem 450 Schritt langen und gleich breiten Waldgrundſtück, welches rings von einer Pfahlwand umſchloſſen und in der Mitte von einem ſeichten trägen Bache durchſtrömt wird. In einer Entfernung von 12 bis 15 Fuß lief, parallel mit der Pfahlwand, ein zwei bis drei Fuß hoher Zaun, dieTodtenlinie genannt, da jede Ueberſchreitung dieſer Grenze fofort mit Erſchießung von Seiten der nur 12 Fuß entfernten Schildwachen geahndet wurde. Für jede Heldenthat ſolcher Art erhielten die Schildwachen von Wirtz 30 Tage Urlaub. Ein alter deutſcher Soldat, der, von nagendem Hunger getrieben, unter dem Zaune die Hand nach einem verſchimmelten Stückchen Brod aus⸗ ſtreckte, ward ſofort erſchoſſen; ein Anderer, der im