178 Novellen⸗
denn unter dieſem Namen war der Biedermann im tapferen Grenadier» und in der geſammten Umge⸗ gend bekannt— ſowohl bei Peter Simpel, dem Eigenthümer des Wirthshauſes, wie bei den übrigen Stammgäſten eines großen Anſehens, und wenn man die Blicke und Mienen der Anweſenden muſterte, ſo konnte man darüber nicht im Zweifel ſein, daß ſie mit Ungeduld des Augenblicks harrten, wo es dem Lieutenant gefallen würde die Unterhaltung zu er⸗ öffnen.
Endlich räusperte ſich derſelbe, und dies galt bei ſeinen nächſten Bekannten ſtets als ein Zeichen, daß er eine Bemerkung zu machen habe.
„Hm, hm! Scharfe Luft!... Kälte wie in Polen!. Bin wahrlich kein Weichling, aber bei einem Wetter wie heute, glaube ich, Meiſter Peter, daß Ihr Euch einen beſonderen Dank ver⸗ dienen würdet, wenn Ihr das Feuer tüchtig im Zuge erhieltet.“
„Der Lieutenant hat Recht,“ ſagte ein kleines dürres Männchen, mit einer langen, ihm über die Schultern herabhängenden ſchwarzen Perrücke von Ziegenhaar und breiten Schuhen mit ſilbernen Schnallen, „es iſt eine Zeit des Heulens und des Zähneklap⸗ perns, um mich eines bildlichen Ausdrucks zu bedienen, und die Wirkungen eines warmen Ofens werden den Geſchmack von Peter Simpel's gutem Bier noch lieb⸗ licher machen.“
„Wohlgeſprochen, Magiſter!“ rief der Lieutenant, „und das erinnert mich eben zur rechten Zeit, daß mein Krug leer iſt. He, Valentin! Teufelskobold, wo ſteckſt Du?— Geſchwind einen friſchen Trunk, wenn Du nicht Luſt haſt, morgen einen Ritt auf dem hölzernen Eſel zu machen.“
Valentin, ein kleiner rothbäckiger Knabe mit munteren blauen Augen und hellblondem Haar, be⸗ eilte ſich zwar, dem an ihn ergangenen Ruf Folge zu leiſten, ſchien ſich aber übrigens aus der Drohung des Lieutenants nicht viel zu machen, denn als er das gefüllte Deckelglas wieder vor denſelben ſtellte,
ſah er ihn mit einer Miene an, deren ſchelmiſcher Ausdruck deutlich die Luſt verrieth, demſelben ein Schnippchen zu ſchlagen.
Inzwiſchen nahm die Unterhaltung ihren Fort⸗ gang.
„Und wie ſteht es mit dem Streit unſeres gnä⸗ digen Herrn, des Oberſt von Flemming, und der Frau Herzogin von Weißenfels auf Schloß Drehna?“ fragte der Magiſter.„Man ſagt, es ſei in Dresden übel anfgenommen worden, daß er die Hand an den
Zeitung.
dem hölzernen Eſel auf dem Schloßhofe vor Jeder⸗ manns Augen verurtheilt habe.“*)
„Was weiß ich,“ entgegnete der Lieutenant, indem er ſich in eine dichte Rauchwolke hüllte,„ich möchte wohl hören, woher Ihr Eure Depeſchen habt, Ma⸗ giſter. Uebrigens hat der Oberſt ſein Schloß nicht umſonſt in eine Citadelle verwandelt und ich kann Euch ſo viel ſagen, Ihr Herren, daß er nöthigen⸗ falls bereit iſt, ſein Recht mit der Spitze des Schwertes gegen Jeden zu beweiſen, der daran zweifeln möchte.“
Hier blickte der Lieutenant herausfordernd im Kreiſe umher und wollte eben einen zweiten ent⸗ ſcheidenden Angriff auf ſeinen eingeſchüchterten Geg⸗ ner beginnen, als mehrere heftige Schläge an die Thüre des Wirthshauſes die Aufmerkſamkeit der Geſellſchaft nach einer anderen Seite zogen.
„Ein ſpäter Gaſt, der noch zu dieſer Stunde Einlaß begehrt,“ bemerkte einer der Anweſenden.
„Ja, und ein kräftiger Schlag,“ fügte ein Zweiter hinzu.„Der Ankömmling muß entweder Eile haben, oder ſehr der leiblichen Pflege bedürfen.“
„Letztere kann er hier zur Genüge finden,“ er⸗ gänzte der Lieutenant, indem er mit beſonderem Wohlgefallen einen langen Zug aus ſeinem Glaſe that.„Doch ſtill, meine Herren, ich höre Peter ſo⸗ eben den Riegel zurückſchieben... Nun, wir werden ja ſehen!..“
Aller Augen richteten ſich nach der Thüre, zu welcher in dieſem Augenblick der ſpäte Ankömmling eintrat.
der Schenkſtube ſchritt, denn ſein Kopf maß mindeſtens vier bis fünf Zoll über ſechs Fuß. Aber wenn ihn auch die Natur mit einem ſolchen Längenmaß begabt
Haltung nichts von jener Schwerfälligkeit, die ſich in der Regel bei Perſonen kundgiebt, welche mit einer ungewöhnlichen Größe und mit einem hiermit im Verhältniß ſtehenden Knochenbau ausgeſtattet ſind. Sein Oberkörper war etwas zuſammengeſunken, ſeinem etwas länglichen blaſſen Geſicht, ſeiner Stirn ſah man es an, daß ſie an Nachdenken gewöhnt ſei, und in ſeinen Augen ſpiegelten ſich Sanftmuth, Herzens⸗
*) Ein ſolcher Oberſt von Flemming lebte wirklich zur Zeit nſere. Ceinſh und wohnte zu Weißig in der Niederlauſitz. Er war ein wunderlicher Kauz, hatte aus ſeinen Bauern eine Compagnie errichtet, die ein alter Lieutenant commandirte, und in ſeinem Schloß befanden ſich hundert Flinten, dreißig Doppel⸗ haken und zehn Kanonen. Wegen eines Streites mit der ver⸗ wittweten Herzogin von Sachſen⸗Weißenfels auf Schloß Drehna,
wobei er deren Amtmann kriegsrechtlich zum Ritt auf dem höl⸗ zernen Eſel verurtheilte, mußte er ſeine Compagnie auflöſen und
Amtmann der Herzogin gelegt und ihn zum Ritt auf
der Herzogin Abbitte thun. Sein Vetter war der ſächſiſche Feld⸗ marſchall, Graf von Flemming.—
Er mußte ſich tief bücken, als er über die Schwelle 4
hatte, ſo lag doch in ſeinem Schritt und in ſeiner
hund des ne
einfließen li
dinn, wo Fende über aikmen gabe
Dem Lie
jemit ſolde
titig einige
Han Krug
1
W zam
Magiſter un
wie es alte es uns abe
„Eine mich auch ung em u der Menſch Pflicht de
,. eine kleine
KRuf bereit
„Wie, Herr Docte „Gewi Wanderung ſo kam ich! zu erſuchen draune Stu Wenn der könnte er wohldehal „He, gelahrter Ein ſichen Thier, da bereits an Mit


